Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1

Die Walküre

Trine Møller
Foto: Jeanette Philipsen
Trine Møller
Foto: Jeanette Philipsen

Erster Tag des Bühnenfestspiels DER RING DES NIBELUNGEN
Oper - Richard Wagner

Libretto vom Komponisten
In deutscher Sprache mit Übertiteln


Musikalische Leitung Marc Albrecht
Inszenierung Paul-Georg Dittrich
Bühne Pia Dederichs / Lena Schmid
Kostüme Mona Ulrich
Licht Andreas Grüter
Video Robi Voigt
Dramaturgie Svenja Gottsmann

Personen der Handlung
Siegmund
Sieglinde – Siegmunds Zwillingsschwester
Hunding – Sieglindes Ehemann
Wotan – Göttervater
Fricka – Göttin der Ehe und Famile
Brünnhilde – Walküre und Wotans Lieblingstochter
Grimgerde, Rossweiße, Schwerleite, Helmwiege, Waltraute, Gerhilde, Ortlinde - Walküren

Zur Handlung:

Erster Aufzug:
In einer stürmischen Nacht flieht Siegmund, von Feinden verfolgt, in Hundings Hütte. Zwischen Siegmund und Sieglinde entsteht rasch eine tiefe, schicksalhafte Verbindung. Hunding kehrt heim und gewährt dem Fremden Gastrecht, erkennt jedoch bald, dass dieser jener Feind ist, dessen Tötung er geschworen hat. Für den nächsten Morgen setzt er den Zweikampf fest. Allein mit Sieglinde berichtet Siegmund von seinem leidvollen Leben als heimatloser „Wälsung“, der gegen Unrecht kämpfte und doch stets scheiterte. Sieglinde erkennt in seinen Erzählungen ihre eigene Geschichte und schließlich in ihm den verschollenen Zwillingsbruder. Sie berichtet von einem geheimnisvollen Fremden – in Wahrheit Wotan –, der bei ihrer erzwungenen Hochzeit ein Schwert in den Stamm einer Esche stieß, bestimmt für den, der es zu ziehen vermag. In einem ekstatischen Moment zieht Siegmund das Schwert „Nothung“ aus dem Stamm; Geschwisterliebe und leidenschaftliche Vereinigung fallen zusammen. Der Aufzug endet mit ihrer gemeinsamen Flucht – ein Akt radikaler Selbstbehauptung gegen gesellschaftliche Ordnung.

Zweiter Aufzug:
Auf einem wilden Felsgebirge plant Wotan, Siegmund im Kampf zu schützen, um durch ihn einen freien Helden zu gewinnen, der das von ihm selbst verschuldete Unheil – den Fluch des Rings – überwinden soll. Doch Fricka tritt ihm entgegen. Mit juristischer Stringenz argumentiert sie, dass Siegmunds Beziehung zu Sieglinde Ehebruch und Blutschande sei. Wotan gerät in einen fundamentalen Widerspruch: Als Hüter der Verträge muss er die Ordnung verteidigen, die er zugleich unterlaufen möchte. Schließlich beugt er sich Frickas Forderung und entzieht Siegmund seinen Schutz. In einem ausgedehnten Monolog offenbart Wotan Brünnhilde seine innere Zerrissenheit: Seine Macht gründet auf Gesetzen, die ihn selbst binden; sein Versuch, Freiheit durch Herrschaft zu erzwingen, ist gescheitert. Brünnhilde soll nun Hunding den Sieg gewähren. Als sie jedoch Siegmund den Tod ankündigt, weigert dieser sich, ohne Sieglinde nach Walhall zu folgen. Tief
bewegt von dieser kompromisslosen Liebesbereitschaft beschließt Brünnhilde, entgegen Wotans Befehl für Siegmund einzutreten. Im entscheidenden Moment erscheint Wotan selbst, zerschmettert Siegmunds Schwert mit seinem Speer und überlässt ihn Hundings tödlichem Schlag. Sieglinde flieht verzweifelt, Brünnhilde folgt ihr.

Dritter Aufzug:
Der „Walkürenritt“ eröffnet den Akt mit elementarer Klanggewalt: Die Walküren versammeln sich auf dem Felsen und bringen gefallene Helden. Brünnhilde erscheint mit der erschöpften Sieglinde und kündigt die Geburt Siegfrieds an, der einst das Schwert neu schmieden werde. Sieglinde findet neuen Lebensmut und flieht in den Wald. Wotan erscheint voller Zorn. Er verstößt Brünnhilde aus dem Kreis der Walküren und verurteilt sie, als sterbliche Frau dem erstbesten Mann zu verfallen. In einem bewegenden Dialog bittet Brünnhilde um eine mildere Strafe: Nur ein wahrhaft furchtloser Held solle sie erwecken. Wotan
gewährt ihr diese Bitte. Er versetzt sie in magischen Schlaf und umgibt den Felsen mit einem Feuerwall. Der „Feuerzauber“ beschließt die Oper in einer musikalischen Geste, die Schmerz, Abschied und utopische Hoffnung miteinander verschränkt.

Historischer Hintergrund und Entstehungskontext
Die Entstehung der Walküre ist untrennbar mit den politischen, ästhetischen und biographischen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts verbunden. Wagner verfasste zunächst den Text des gesamten Zyklus (1848–1852), bevor er mit der Komposition begann. Diese Entscheidung – das dichterische Konzept vorab vollständig zu entwerfen – verweist auf seinen Anspruch, Dichtung und Musik als untrennbare Einheit zu begreifen. Nach seiner aktiven Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 musste Wagner aus Dresden fliehen und lebte im Exil in Zürich. Die Erfahrung politischer Niederlage und gesellschaftlicher Restauration prägte seine Weltsicht nachhaltig. In theoretischen Schriften wie „Oper und Drama“ formulierte er seine Kritik am zeitgenössischen Opernbetrieb und entwickelte die Idee des „Musikdramas“ als Reformmodell. Der Ring wurde so zu einem künstlerischen Großprojekt, das nicht nur mythologische Stoffe bearbeitete, sondern zugleich eine Analyse moderner Machtverhältnisse lieferte.
Die Realisierung des Zyklus wurde schließlich durch die Förderung von Ludwig II. ermöglicht, der Wagner 1864 nach München holte. Auf dessen Initiative wurde Die Walküre 1870 im Nationaltheater München uraufgeführt, noch bevor der gesamte Zyklus vollendet war. Wagner strebte jedoch eine zyklische Gesamtaufführung unter eigens geschaffenen Bedingungen an. Dieses Ziel verwirklichte sich 1876 mit der Eröffnung des Bayreuther Festspielhaus, dessen Architektur – verdeckter Orchestergraben, amphitheatralische Zuschaueranordnung – die Konzentration auf das Bühnengeschehen revolutionierte und Wagners Ideal des Gesamtkunstwerks architektonisch manifestierte. So steht Die Walküre nicht nur am Beginn einer neuen Musiktheaterästhetik, sondern auch im Spannungsfeld zwischen Revolution und Restauration, romantischem Mythos und moderner Gesellschaftsanalyse.

Zur Musik
Die Walküre demonstriert Wagners ausgereiftes Leitmotiv-System: Musikalische Motive fungieren als semantische Träger, die Figuren, Ideen und innere Zustände miteinander verknüpfen. Das Orchester übernimmt eine symphonische Erzählinstanz und gestaltet den dramatischen Prozess mit harmonischer Kühnheit und klanglicher Differenzierung. Von der expressiven Klanggewalt des „Walkürenritts“ bis zur intimen Innigkeit des Feuerzaubers entfaltet sich eine Musik, die psychologische Tiefe und monumentale Form verbindet. In dieser Verbindung von dramatischer Idee und musikalischer Struktur liegt die nachhaltige Wirkung des
Werkes begründet.
Sebastian Jacobs

DruckenSpielstätteninfo
Die Termine2 Termine

So

19

Apr

Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1 | 19.04.2026 | 16.00 Uhr


Info
Die Walküre

Erster Tag des Bühnenfestspiels DER RING DES NIBELUNGEN
Oper - Richard Wagner



Weitere TermineBestellen

Unsere Datenbank wird durchsucht.


So

03

Mai

Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1 | 03.05.2026 | 17.00 Uhr


Info
Die Walküre

Erster Tag des Bühnenfestspiels DER RING DES NIBELUNGEN
Oper - Richard Wagner



Weitere TermineBestellen

Unsere Datenbank wird durchsucht.




Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.



Letzte Aktualisierung: 17.03.2026 13:01 Uhr     © 2026 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn