Kölner Philharmonie

Rotterdams Philharmonisch Orkest

Lahav Shani
Foto: Marco Borggreve
Lahav Shani
Foto: Marco Borggreve

Konzert - Schumann & Brahms

Martha Argerich, Klavier
Lahav Shani, Dirigent



Robert Schumann (1810-1856)
Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54

Schumanns Klavierkonzert entstand in mehreren Phasen. Der erste Satz wurde 1841 zunächst als eigenständige „Phantasie“ konzipiert; erst 1845 ergänzte Schumann zwei weitere Sätze und formte das Werk zum dreisätzigen Konzert. Die Uraufführung 1845 in Dresden spielte Clara Schumann, die maßgeblich an der praktischen Ausarbeitung des Klavierparts beteiligt war. Im Unterschied zum virtuosen Bravourkonzert der Zeit – etwa bei Liszt oder Thalberg – zielt Schumann nicht auf effektvolle Gegenüberstellung von Solist und Orchester. Bereits der Beginn unterläuft Erwartungshaltungen: Ein markanter Orchesterschlag führt unmittelbar zum leidenschaftlichen Einsatz des Klaviers, das jedoch nicht mit einer ausgedehnten Kadenz antwortet, sondern motivisches Material einführt, das im Dialog mit dem Orchester weiterentwickelt wird. Der erste Satz (Allegro affettuoso) verbindet Sonatenform mit zyklischen Bezügen. Charakteristisch ist die enge Verzahnung von Klavier und Orchester; thematische Keime werden wechselseitig aufgegriffen und transformiert. Virtuosität ist vorhanden, jedoch funktional eingebunden. Der zweite Satz (Intermezzo. Andantino grazioso) steht in F-Dur und besitzt kammermusikalischen Charakter. Die Besetzung ist reduziert, die Interaktion zwischen Klavier und Solobläsern wirkt dialogisch-intim. Der Übergang zum Finale erfolgt ohne Unterbrechung. Das abschließende Allegro vivace führt zu einer rhythmisch markanten, tänzerischen Bewegung in A-Dur. Auch hier bleibt die Balance zwischen solistischem Glanz und struktureller Integration
gewahrt. Insgesamt verschiebt Schumann das Gewicht vom äußerlichen Virtuosentum zur motivischen Durchdringung – ein Ansatz, der für spätere romantische Konzerte prägend wurde.


Johannes Brahms (1833-1897)
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Brahms komponierte seine zweite Symphonie im Sommer 1877 während eines Aufenthalts in Pörtschach am Wörthersee. In der Rezeption wird sie häufig als „pastoral“ oder „heiter“ beschrieben – eine Charakterisierung, die vor allem auf die Grundtonart D-Dur und die vergleichsweise helle Orchestrierung zurückgeht. Gleichwohl ist das Werk strukturell komplex und in seinen motivischen Bezügen eng gearbeitet. Der erste Satz beginnt mit einem unscheinbaren Dreitonmotiv (D–C?–D), das für den gesamten Satz prägend wird. Brahms entwickelt aus diesem Keim eine weitgespannte Sonatenform, in der lyrische Themen und verdichtete Durchführungspassagen einander abwechseln. Die Transparenz der Orchestrierung verdeckt dabei nicht die konstruktive Dichte. Der zweite Satz (Adagio non troppo) steht in H-Dur und entfaltet eine ernste, teilweise nach innen gewandte Klangwelt. Die thematische Arbeit ist von chromatischen Linien und dunkler Instrumentation geprägt. Anders als im ersten Satz tritt hier eine stärker kontrastierende Harmonik hervor. Das dritte Satzpaar (Allegretto grazioso – Presto ma non assai) ersetzt das traditionelle Scherzo durch eine Folge variierter Tanzcharaktere. Holzbläserfarben und leichte Artikulation bestimmen das Klangbild, bevor raschere Abschnitte kontrastierend eingreifen. Im Finale (Allegro con spirito) verdichtet sich das zuvor entwickelte Material zu einem energischen Abschluss. Nach zurückhaltendem Beginn steigert sich der Satz zu einem strahlenden D-Dur-Schluss, der in seiner Wirkung weniger triumphal als konsequent aus der
motivischen Arbeit heraus erscheint.
Sebastian Jacobs

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Letzte Aktualisierung: 17.03.2026 14:01 Uhr     © 2026 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn