All das Schöne von Duncan Macmillan mit Roland Riebeling in der Werkstatt - kultur Nr. 201 - Mai 2026

All das Schöne: Szene mit Hauptdarsteller Roland Riebeling
Foto: Matthias Jung
All das Schöne: Szene mit Hauptdarsteller Roland Riebeling
Foto: Matthias Jung

Berührender Lebensmut
Was macht ein siebenjähriges Kind, wenn seine Mutter am Leben verzweifelt und versucht, es selbst zu beenden? Wenn der Vater kaum noch redet, sich in seinem Arbeitszimmer verschanzt und Schallplatten hört?

Das Kind schreibt für die Mutter auf, wofür es sich zu leben lohnt. Schokolade zum Beispiel, Wasserschlachten oder die Farbe Gelb. Tausend Gründe sollen es werden. Und bitte nicht mogeln: Keine Wiederholungen und nicht zu viele materielle Dinge. Am Ende wird die Liste auf eine Million Einträge angewachsen sein. Der dramatische Monolog All das Schöne des britischen Autors Duncan Macmillan und des Komikers Jonny Donahoe handelt von den todernsten Themen Depression und Suizid, vor allem aber von den vielen großen und kleinen Motiven, die das Dasein lebenswert machen.
Seit der englischen Uraufführung 2013 ist das Stück ein Bühnenrenner, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und auch in Deutschland häufig aufgeführt. In der Werkstatt spielt jetzt Roland Riebeling, vielen bekannt als Norbert Jütte im Kölner „Tatort“, den namenlosen Erzähler. Von 2002 bis 2007 war er als Schauspieler fest am Bonner Theater engagiert. Inzwischen ist er hier regelmäßig als Regisseur tätig (u. a. bei der höchst erfolgreichen Produktion Istanbul). All das Schöne ist zwar ein Solostück, aber es lebt von der Kommunikation mit dem Publikum, das teilweise auch auf der Bühne platziert ist. Ein Stuhl und ein paar von der Decke hängende Erinnerungsstücke (Regie und Bühne: Alexander Vaasen) genügen für die Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen. Große äußerliche Verwandlungen sind nicht nötig. Das rosa T-Shirt des Kindes tauscht Riebeling als Erwachsener einfach gegen eine lässige Trainingsjacke (Kostüme: Kateryna Markush).
Einige Zuschauerinnen und Zuschauer bekommen vor der Vorstellung nummerierte Kärtchen mit den Glücksmomenten, die Hoffnung spenden und lesen sie auf Aufforderung des Erzählers vor. Manche holt Riebeling auch charmant nach vorne. Den Vater zum Beispiel, der die Rolle des Kindes übernimmt, das mit seinen dauernden „Warum“-Fragen nervt. Oder die freundliche Schulpsychologin und die Tierärztin, die dem geliebten kleinen Hund die finale Spritze gibt: die erste Erfahrung des Kindes mit Trauer und Tod. Oder später die Literaturprofessorin, die nach Goethes Werther befragt wird, der angeblich eine Selbstmordwelle auslöste. Bei der ausverkauften Premiere funktionierten diese improvisierten Interaktionen vorzüglich.
In der Bibliothek verliebt er sich in seinen Kommilitonen Ulli, den er später heiratet. Dann erste Berufserfahrungen, Erfolge, Scheitern, Neuanfänge. Mitunter auch Panikattacken, bei denen der Erzähler die Tonund Lichttechnik anschreit. Seine Liste hat die depressive Mutter am Ende doch nicht gerettet. Aber der Erwachsene holt sie wieder hervor und füllt sie weiter. Riebeling spielt das großartig mit dem Mut zum spontanen Risiko. Tiefgründig, bisweilen zu Tränen rührend, dann wieder mit hinreißender Leichtigkeit und einem Witz, der befreiendes Gelächter provoziert. Ein wunderbar sensibles Vergnügen, das nachwirkt. Jede Vorstellung wird wegen der Mitspielenden aus dem Publikum neu sein. Großer Premierenapplaus mit Standing Ovations für den fabelhaften Hauptdarsteller.

Freitag, 24.04.2026

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