2:22 – Eine Geistergeschichte - Deutsche Erstaufführung von Danny Robins im Kleinen Theater - kultur Nr. 199 - März 2026

Spannender Gespenster-Thriller „Geister sind dumm, ineffizient und unmenschlich“ – da ist Sam sich ganz sicher.

Er und seine Frau Jenny, seit kurzem Eltern eines Töchterchens, haben sich ein altes Haus gekauft. Ziemlich renovierungsbedürftig, aber mit idyllisch verwildertem Garten. Doch seit einigen Tagen hört Jenny nachts merkwürdige Geräusche im Kinderzimmer: Schritte und ein leises Weinen. Immer genau um 2:22 Uhr. Spukt da ein Geist herum?
Was ja in historischen britischen Gebäuden öfter mal vorkommen soll. Jenny und Sam haben also ein befreundetes Paar zum Dinner eingeladen, um gemeinsam der Sache auf den Grund zu gehen. Die 2021 in London uraufgeführte Ghost Story des englischen Dramatikers Danny Robins wurde 2022 für drei der begehrten Olivier-Awards nominiert und erhielt drei „WhatsOnStage-Awards“, darunter den für das beste neue Stück. Frank Oppermann, Leiter des Kleinen Theaters, schaffte es, die Rechte für die deutsche Erstaufführung des Sensationserfolgs zu ergattern. Am 2.2. kam 2:22 in Bad Godesberg heraus, wenige Tage vor der Premiere in Berlin. Oppermann hat die Gruselstory selbst inszeniert und auch die Kostüme gestaltet. Für das atmosphärisch dichte Bühnenbild mit noch nicht ganz fertig tapezierten Wänden und der unverzichtbaren elektronischen Uhr an der Rückseite hat Thomas Pfau gesorgt, bekannt als Ausstatter zahlreicher Bühnen- und TV-Produktionen. Auf der Bühne agiert dasselbe Schauspielerquartett, das in der vergangenen Saison bereits in Hitchcocks Krimiklassiker "Die 39 Stufen" glänzte. Es beginnt wie eine klassische Konversationskomödie mit intelligenten Dialogen, präzisen Charakterzeichnungen, sorgfältig gesetzten Spitzen und überraschenden Wendungen. Die Gespräche dominiert der nüchterne Wissenschaftler und Hobbyastronom Sam, der jede Form von Glauben strikt ablehnt. Yannick Hehlgans brilliert als eloquenter, philosophisch versierter Skeptiker, der für alles eine rationale Erklärung hat und den Gefühlen der anderen mit wenig Empathie begegnet. Leider will die digitale Assistentin Alexa nicht auf seine Befehle hören, und sein Smartphone hat er kürzlich bei einer Reise auf die bei Sternbeobachtern beliebte Kanalinsel Sark verloren. Anna Möbus verkörpert elegant die junge Mutter Jenny, die sich vor allem um das Wohlergehen der kleinen Phoebe sorgt, die sich immer mal wieder über das Babyfon meldet. Nach und nach eskalieren die Streitereien mit ihrem unerschütterlichen Gatten. Warum steht bei der Kälte dauernd das Fenster im Kinderzimmer offen? Und wie kommt später der mit Waschbenzin durchtränkte Teddy in die Toilette?
Marie-Theres Jestädt spielt beeindruckend Sams einstige Studienkollegin Lauren, die seinen verbalen Attacken entschieden gewachsen ist. Klug, beruflich erfolgreich und privat beziehungsgeschädigt, gehört sie klar zu Sams Anti-Glaubens-Fraktion. Ihren neuen Partner Ben – überzeugend verkörpert von Felix Hoefner – betrachtet sie eher als eine emotionale Zwischenlösung. Obwohl er flugs die Heizung repariert, behandelt Sam ihn mit demonstrativer Herablassung. Ben, katholisch erzogen, verfügt sogar über Erfahrungen mit Geisterbeschwörungen. Während draußen ständig die paarungswilligen Füchse schreien, geraten drinnen die Verhältnisse zunehmend in eine bedrohliche Schieflage. Derweil schreitet die Zeit unerbittlich fort, bis genau zum vorgesehenen Zeitpunkt etwas völlig Unerwartetes geschieht. Was selbstverständlich nicht verraten werden darf. Ein wenig aufdringlich sind die ständig symbolisch krachenden Donnerschläge mit FlackerlichtBlitzen. Das Unheimliche braucht keine zusätzlichen Effekte.
Begeisterter Premierenapplaus für eine entschieden sehenswerte, schauspielerisch famose, bis zum letzten Moment hochspannende Vorstellung.

Donnerstag, 16.04.2026

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