Kölner Philharmonie

Chamber Orchestra of Europe

Sir Simon Rattle
Foto: Julia Wesely
Sir Simon Rattle
Foto: Julia Wesely

Konzert - Bartók & Brahms

Sir Simon Rattle, Dirigent



Béla Bartók (1881-1945)
Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta Sz 106

Bartóks Werk entstand 1936 im Auftrag des Basler Dirigenten und Mäzens Paul Sacher für das Basler Kammerorchester. Die ungewöhnliche Besetzung – geteiltes Streichorchester, Schlagzeuggruppe mit Klavier und Celesta – ist nicht Effekt, sondern konstitutives Formprinzip. Die Streicher sind antiphonal auf zwei Gruppen verteilt, was räumliche Dialoge ermöglicht. Das viersätzige Werk folgt einer symmetrischen Anlage. Der erste Satz ist eine streng gearbeitete Fuge, deren Thema schrittweise aufgebaut wird und sich in klanglicher Verdichtung steigert. Trotz kontrapunktischer Technik bleibt die Harmonik modal gefärbt und von Bartóks charakteristischen Intervallstrukturen geprägt. Der zweite Satz kontrastiert durch rhythmische Schärfe und perkussive Energie. Hier treten Schlagzeug und Klavier deutlich hervor; asymmetrische Metren und synkopierte Figuren verweisen auf Bartóks Auseinandersetzung mit südosteuropäischer Volksmusik, ohne direkt folkloristisch zu zitieren. Im dritten Satz entsteht ein weit gespannter, klanglich reduzierter Raum. Die Celesta – mit ihrem metallisch schimmernden Ton – prägt die Atmosphäre nachhaltig. Der Satz ist durch langsame Entwicklungen, schwebende Klangflächen und eine kontrollierte Dynamik gekennzeichnet. Er
wurde unter anderem durch seine Verwendung in Filmkontexten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, doch seine Struktur erschließt sich erst im genauen Hören der motivischen Transformationen. Das Finale greift motorische Impulse auf und führt die zuvor eingeführten Elemente zusammen. Rhythmische Präzision und kontrapunktische Verdichtung bestimmen den Verlauf bis zu einem energischen Schluss.

Johannes Brahms (1833-1897)
Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Brahms’ Vierte Symphonie entstand in den Jahren 1884/85 und wurde 1885 unter der Leitung des Komponisten in Meiningen uraufgeführt. Sie ist die letzte seiner vier Symphonien und zeichnet sich durch eine auffallende Konzentration auf motivische Arbeit aus. Der erste Satz beginnt mit einem absteigenden Terzmotiv, das strukturbildend für weite Teile des Satzes wird. Brahms verzichtet auf ausladende thematische Kontraste zugunsten einer dichten motivischen Verflechtung. Die Sonatenform wird dabei nicht demonstrativ exponiert, sondern aus dem Material heraus entwickelt. Der zweite Satz (Andante moderato) steht in E-Dur und arbeitet mit einer archaisch anmutenden, modalen Thematik. Die Orchestrierung bleibt vergleichsweise dunkel gefärbt; Holzbläser und Hörner prägen das Klangbild. Im dritten Satz ersetzt Brahms das traditionelle Menuett durch ein energisches Allegro giocoso. Es ist der formal offenste Satz der Symphonie und nutzt eine erweiterte Orchesterbesetzung mit Piccoloflöte und Triangel, was dem Klangbild eine neue Helligkeit verleiht. Der Finalsatz stellt eine Besonderheit dar: Brahms wählt die Form einer Passacaglia, also einer Variationenreihe über einem wiederkehrenden Bassmodell. Das Thema basiert auf einer Chaconne aus einer Kantate von Johann Sebastian Bach. In 30 Variationen entfaltet Brahms ein dichtes Geflecht aus kontrapunktischen Techniken und orchestraler Differenzierung. Die Entscheidung für diese barocke Form am Ende einer romantischen Sinfonie verweist auf Brahms’ bewusste Rückbindung an historische Modelle.
Die Vierte wirkt in ihrer Grundtonart e-Moll und in ihrer formalen Strenge oft herber als ihre Vorgängerinnen. Sie verzichtet weitgehend auf programmatische Deutungen und konzentriert sich auf strukturelle Geschlossenheit. Die Gegenüberstellung von Bartók und Brahms zeigt zwei unterschiedliche Formen des
Traditionsbezugs. Brahms integriert barocke Variations- und kontrapunktische Techniken in die spätromantische Sinfonik des 19. Jahrhunderts. Bartók greift ebenfalls auf kontrapunktische Verfahren zurück, verbindet sie jedoch mit moderner Harmonik, rhythmischer Komplexität und einer erweiterten Klangvorstellung.
Beide Werke zeichnen sich durch eine hohe konstruktive Dichte aus. Während Brahms innerhalb des sinfonischen Standardorchesters arbeitet und historische Formen transformiert, erweitert Bartók das Orchester räumlich und klanglich.
Sebastian Jacobs

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Letzte Aktualisierung: 17.03.2026 15:01 Uhr     © 2026 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn