Johann Nepomuk Hummel (1778 - 1837)

kultur 110 - November 2014


Der Komponist, Pianist und Klavierlehrer Johann Nepomuk Hummel wurde in Preßburg (Bratislava) geboren. Den ersten Musikunterricht erhielt er von seinem Vater Johannes, der seinen Lebensunterhalt als Violinist, Dirigent und Musikdirektor verdiente. 1786 zog die Familie nach Wien um, wo Johann Nepomuk bis 1788 von W. A. Mozart unterrichtet wurde. Bereits zu dieser Zeit galt Hummel als hochbegabt. Zusammen mit seinem Vater unternahm er bis 1793 eine mehrjährige Konzertreise, während der er öffentlich auftrat und Musikunterricht gab. Diese Reise führte sie 1790 auch nach London, wo sie beinahe zwei Jahre blieben. J. Haydn setzte sich dort für den jungen Pianisten ein. Nach dem ersten öffentlichen Konzert in London 1792 wuchs Hummels Ruf als außerordentlicher Interpret und man verglich ihn gelegentlich mit Mozart.
Nach der Rückkehr nach Wien setzte Hummel seine Studien bei J. G. Albrechtsberger und A. Salieri fort. 1795 war er vorübergehend auch Orgelschüler von J. Haydn. Auf dessen Empfehlung wurde Hummel 1804 als Konzertmeister der Kapelle von Nikolaus Fürst von Esterházy in Eisenstadt angestellt. Dort war er für die Leitung der großen Kapelle, die Komposition weltlicher und geistlicher Werke, das Unterrichten und die Sorge um die fürstliche Notenbibliothek verantwortlich. Nach seiner Entlassung im Jahre 1811 ließ sich Hummel für einige Jahre als privater Musiklehrer in Wien nieder. 1814 kehrte er erfolgreich auf die Konzertpodien zurück.
1826 wurde der Komponist Königlich Württembergischer Hofkapellmeister in Stuttgart. Drei Jahre später bekleidete er schließlich das Amt des Großherzog­lichen Kapellmeisters in Weimar, das er bis zu seinem Tode ausübte. In dieser Stellung wurde ihm ein jährlicher Urlaub von drei Monaten zugesichert, den Hummel meist im Frühjahr für Konzertreisen nutzte. 1828 lernte er in Warschau F. Chopin kennen. Im Jahr darauf reiste er nach Wien, um letztmals L. v. Beethoven zu sehen, zu dem er zeitlebens ein eher gespanntes Verhältnis hatte.
In Weimar zählte Hummel lange Jahre neben Goethe zu den Berühmtheiten der Stadt. Er scharte einen großen Kreis von Bewunderern, Schülern und Freunden um sich. Als Kapellmeister war er vor allem für die Leitung von Opern, u.a. von Auber, Halévy, Meyerbeer und Spohr, verantwortlich. Neben der Komposition von Werken verfasste Hummel auch eine Klavierschule, die er 1828 veröffentlichte. Diese „Ausführliche theoretisch-practische Anweisung zum Piano-Forte-Spiel“ widmete er Zar Nikolaus I. Das Unterrichtswerk besteht aus drei Bänden mit insgesamt mehr als 400 Seiten und über 2200 Übungen. Es spiegelt Hummels Ideal des leichten, flüssigen und eleganten Klavierspiels wider.
Sein Ruf als Pianist begann in den 1830er Jahren langsam zu schwinden. Dies war durch die Auftritte einer gefeierten jüngeren Virtuosengeneration bedingt; in London erschwerte ihm 1831 zudem der Auftritt ­

N. Paganinis den gewohnten Erfolg. Bis dahin zählte Hummel zu den führenden Pianisten in ganz Europa. Sein Spiel galt als leicht, graziös und klar. Darüber hinaus bewunderte man vor allem die freien Improvisationen, die Hummel in der Mitte oder am Ende seiner Konzerte darbot.
Die Klavier- und sonstige Instrumentalmusik bilden den Kern von Hummels Schaffen. In vielen seiner Klavierwerke stehen die Leichtigkeit und Brillanz des Spiels bei gleichzeitiger Virtuosität im Vordergrund. Herausragende Werke sind das dritte Klavierkonzert h-Moll op. 89, das Klaviertrio und die Klaviersonate fis-Moll op. 81.
Darüber hinaus schrieb der Komponist mit Ausnahme der Sinfonie Werke für fast alle Gattungen. Sein kirchenmusikalisches Œuvre entstand in der Zeit seiner Anstellung in Eisenstadt: Hummel komponierte zahlreiche Messen und ein Te Deum.
Der Komponist veröffentlichte seine Werke systematisch in zahlreichen Ländern. Er war äußerst geschickt im Umgang mit seinen Verlegern und hatte einen geschäftlichen Spürsinn, der ihm zeitlebens zu ansehnlichem Wohlstand verhalf. E.H.

Hörtipps:
- Klaviersonaten op. 20, 81, 106;
Stephen Hough, hyperion. Klavierkonzerte op. 85, 89.
- Hae-Won Chang, Budapest Chamber Orchestra, Tamas Pal, Naxos;
Missa solemnis, Te Deum, Alma virgo.
- Chorus Alea, Solamente Naturali, Didier Talpain, Brilliant Classics.

Donnerstag, 11.12.2014

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