Ferenc Farkas (1905 - 2000)

kultur 106 - Mai 2014

Der ungarische Komponist und Pianist wurde in Nagykanizsa geboren. Von 1921 an studierte er für sechs Jahre an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Budapest bei Leò Weiner und Albert Siklòs. Anschließend war er als Dirigent und Pianist am dortigen städtischen Theater tätig. Während dieser Zeit arbeitete er mit dem Djaghilev-Ensemble zusammen und lernte wichtige zeitgenössische Werke kennen.
Von 1929 – 31 besuchte Farkas die Meisterklasse von Ottorino Respighi an der Accademia di Santa Cecilia in Rom. 1932 – 36 komponierte er in den Städten Wien und Kopenhagen für den Filmregisseur Pàl Fejös. Aus dieser Zusammenarbeit gingen beispielsweise die Filme Frühlingsstimmen und Sonnenstrahl, beide aus dem Jahr 1933, hervor. Gleichzeitig arrangierte Farkas Stücke, leitete Proben und dirigierte. Im Jahr 1934 sammelte er darüber hinaus Volksmusik in Südungarn.
Zurück in Ungarn war er Professor und Musikdirektor in Budapest, Kolozsvàr und Székesfehérvàr; er war Chorleiter des Nationaltheaters in Kolozsvàr und später der Budapester Oper. Im Jahre 1946 gründete er das Konservatorium in Székesfehérvàr, das er einige Jahre leitete.
Von 1949 bis zu seiner Pensionierung 1975 war er Professor für Kompositionslehre an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Budapest. Dort unterrichtete er unter anderen György Ligeti, György Kurtàg und Miklòs Kocsàr. Farkas verfass­te zahlreiche Artikel, hielt Vorträge und war mehrmals Jurymitglied nicht nur ungarischer, sondern auch internationaler Musikwettbewerbe. Der Komponist erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter ihnen den Kossuth-Preis (1950) und den Gottfried von Herder-Preis (1979). 1984 wurde er Cavaliere dell‘ Ordine della Repubblica Italiana.

Farkas arbeitete und bildete sich sein ganzes Leben lang. Er interessierte sich auch für die bildenden Künste und für die Literatur der Vergangenheit und hatte eine herausragende allgemeine Bildung. Farkas vertonte ca. 130 Dichter in etwa einem Dutzend europäischer Sprachen.
Durch seine vielseitige praktische Tätigkeit in den verschiedenen musikalischen Bereichen erreichte er eine souveräne Technik in allen Gattungen der Musik. Er ist ein herausragender Repräsentant der Komponisten des 20. Jahrhunderts seines Landes. Farkas ist ein vielseitiger und beliebter Tondichter und legendärer Lehrer vieler moderner Komponisten. Während seiner 80-jährigen Schaffenszeit erreichte er eine außergewöhnliche Bekanntheit.
Seine Musiksprache wurde von der ungarischen Volksmusik, der Musiktradition Italiens und der Zwölftonmusik beeinflusst. Farkas Arbeit ist durch eine Faszination für Harmonie und Schönheit gekennzeichnet. Er nahm moderne Einflüsse auf und wandelte sie in seinen Werken in eine verstehbare Sprache um.
Sein Schaffen umfasst Opern, Operetten, Ballette, Film- und Bühnenmusik, Orches­terwerke, Konzerte, Kammermusik, Kantaten, Oratorien, Messen, Chorwerke und Lieder. Er komponierte für diverse Besetzungen vom Solo zum Oktett. Farkas komponierte auch für seltenere Instrumente wie beispielsweise das Baryton (s.u.) und das Alphorn. Sein Formenreichtum ist herausragend unter seinen Zeitgenossen. Seine mehr als 700 Werke zeichnen sich durch Stilsicherheit, virtuoses Können sowie reiche melodische und rhythmische Erfindung aus. E.H.


Hörtipps:
- Orchestral Music, Music for Chamber Orches­tra, Toccata Classics.
- Complete Wind Quintets, Toccata Classics.

Mittwoch, 08.10.2014

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