Márai, Sándor: Wandlungen einer Ehe

kultur Nr. 1 - 11/2003

Ganz neu ist der soeben erschienene Roman des 1989 gestorbenen ungarischen Autors Sándor Márai nicht, geschrieben wurden die ersten beiden Teile 1931, den dritten Teil schrieb Márai später im Exil in Italien, das Buch erschien schon einmal 1948 in Deutschland.
Den Inhalt zu erzählen ist schwierig - oder einfach in drei Sätzen: ein Mann, zwei Frauen, drei Geschichten. Jede ist einzeln erzählt, erinnert.
Die erste Frau, Ehefrau des Mannes, jung, schön, gebildet, sensibel, fühlt sich nicht genügend geliebt und verzichtet schließlich, als sie die Besessenheit ihres Mannes von einer anderen Frau begreift.
Der Mann, klug, sehr reich und ohne wirkliche Aufgabe, ein Produkt seines Standes und seiner Zeit, er kann sich nicht und nie entscheiden und durchsetzen.
Die zweite Frau, zunächst Dienstmädchen im Elternhaus des Mannes ist die stärkste, die, die überlebt, und die, die ihre Geschichte Jahre später ihrem Liebhaber erzählt.

Doch nur die Handlung zu schildern, wird dem Buch nicht gerecht.
Das 461 Seiten dicke Buch behandelt eine ganze Epoche, eine untergegangene und nicht mehr wiederkehrende Welt, den Zerfall Europas und des Bürgertums. Es ist langsam erzählt, kein Buch voller "action", aber wenn man sich darauf einlässt - und das muss man und tut es gerne - verzeiht man ihm alle Längen und genießt ein sehr gescheites, "unmodernes" aber ungewöhnliches Buch.

Rita Hoffmann

Das Buch ist erschienen im Piper-Verlag, München, Preis 19,90 €.

Mittwoch, 05.01.2011

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