Rezitativ

kultur 78 - Juli 2011

Ein Rezitativ (von ital. recitare = vortragen) ist ein Gesangsstück mit einer überwiegend durch Sprache und Deklamation bestimmten Melodiegestaltung. Im Stilbereich der Oper werden im Rezitativ die Reden der dramatischen Personen vorgetragen. Es steht dort im Wechsel mit den Arien, Duetten, Gesangsensembles, Chören und Instrumentalstücken. Während das Rezitativ die Handlung vorantreibt, werden in den Arien die Gemütsbewegungen der dramatischen Personen vorgetragen.
Der ursprünglich in Italien entwickelte Rezitativ-Stil hat sich auch in Deutschland und England durchgesetzt. Der deutsche Musikgelehrte Johann Adolf Scheibe bezeichnete das italienische Rezitativ 1745 als „singende Rede“, die „in der nachdrücklichsten und genauesten Nachahmung der Rede des Menschen“ steht. Das italienische Rezitativ wird zwar in einem festen Takt aufgezeichnet, der Sänger ist jedoch an die notierten Notenwerte insofern nicht gebunden, als er jederzeit das Tempo beschleunigen oder verlangsamen kann. Man unterscheidet das Secco-Rezitativ vom Accompagnato-Rezitativ. Ersteres wird lediglich von Basso continuo-Instrumenten (Violoncello, Violine, Orgel oder Cembalo, evtl. auch Fagott) begleitet; letzteres wird von einem Instrumentalensemble (Orchester oder kleinerer Instrumentengruppe) begleitet.
In Frankreich hingegen löste man sich schnell vom italienischen Vorbild. Im französischen Rezitativ sind Melodie und Rhythmus stark differenziert, an die sich der Sänger genau halten muss. Zur Begleitung wurde öfter das Orchester herangezogen und der Gegensatz zwischen Rezitativ und Arie war weniger ausgeprägt.
Im 17. Jahrhundert wurde das Rezitativ auch in die italienische Solokantate, das Oratorium und Passionsvertonungen übernommen. E.H.

Samstag, 04.02.2012

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