Oratorium

kultur 42 - Dezember 2007

Im Sprachgebrauch der römisch-katholischen Kirche ist ein Oratorium ein geweihter Raum, ein Betsaal; auch ein Zusammenschluss von Weltpriestern. Als Gattungsbegriff in der Musik versteht man im allgemeinen darunter ein mehrteiliges Musikstück auf der Grundlage eines umfangreichen, zumeist geistlichen Textes. Diesen Text singen in der Regel mehrere Solisten und ein Chor im Wechsel, begleitet von einem Orchester. Die Aufführung findet außerhalb der Liturgie statt und ist im Gegensatz zur Oper nicht szenisch.
Die Stoffe zu diesen Werken stammten ursprünglich überwiegend aus dem Alten Testament, z.B. Jephta, Balthazar. Die musikalische Vorstellung tugendhafter Handlungen und abschreckender Beispiele sollte dazu beitragen, die Gläubigen zu bessern und sie für Werke der Buße und Nächstenliebe bereit zu machen. Carissimis Oratorienkunst, die am Anfang der Geschichte dieser Gattung steht (um 1640), zielt stets auf die Verständlichkeit und Kraft des Wortes und dessen unmittelbare Wirkung auf den Hörer.
G.F. Händel begann sein Oratorienschaffen 1708 mit italienischen Werken (z.B. "La Resurrezione") und wurde später in London der Schöpfer des Oratoriums in englischer Sprache. Das erste englische Werk war 1732 ­"Esther"; das im allgemeinen als bedeutendste angesehene Werk "Der Messias" (1742). Es bildet einen Höhepunkt in der Geschichte der Gattung und übte auf viele Komponisten einen großen Einfluss aus, unter ihnen J. Haydn - der mit "Die Schöpfung" (1798) einen bedeutenden Beitrag leistete - und F. Mendelssohn-Bartholdy, dem Komponisten des "Paulus" (1836) und des "Elias" (1846). Viele Komponisten setzten sich mit dieser Musikgattung auseinander und erprobten zunehmend individuelle Lösungen. Unter den „moderneren“ Versionen befinden sich Werke wie "Le Roi David" von A. Honegger und "Die Jakobsleiter" von A. Schönberg.

Samstag, 04.02.2012

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