Gluck, Christoph Willibald (1714 -1787)

kultur Nr. 27 - Mai 2006

Der vor allem für die Komposition seiner Opern berühmte Christoph Willibald Gluck wurde als erstes von neun Kindern des Försters Alexander Gluck im oberpfälzischen Erasbach geboren. Da der Vater für seinen ältesten Sohn den über Generationen ausgeübten gleichen Beruf vorgesehen hatte, verließ Gluck bereits früh das Elternhaus, um seinen musikalischen Neigungen nachzukommen. Er war als Sänger und Cellist tätig, bevor er durch die Fürsprache des Fürsten Lobkowitz nach Wien kam. Hier verpflichtete ihn ein lombardischer Adliger 1736 für seine Privatkapelle in Mailand, wo Gluck bei G.B. Sammartini (1698 - 1775) Komposition studierte. Mit 27 Jahren brachte der Komponist mit großem Erfolg seine erste Oper "Artaserse" in Mailand heraus, der weitere Werke dieser Gattung folgten.
Nach einer dreijährigen Wanderschaft durch ganz Europa mit der Mingottischen Operntruppe, die u.a. auch Glucks eigene Werke aufführte, ließ sich der Komponist 1750 schließlich in Wien nieder. Hier heiratete er die deutlich jüngere, wohlhabende Marianne Perg und war bis 1764 Theaterkapellmeister. Die Komposition der Oper "Antigono" (1756) für Rom brachte ihm die Auszeichnung mit dem päpstlichen Orden vom Goldenen Sporn ein; seitdem nannte sich der Komponist Ritter von Gluck.
Unter dem Einfluss des und in Zusammenarbeit mit dem Wiener Hoftheaterintendanten Graf Durazzo und dem Dichter R. da Calzabigi (1724 - 95) entstand die Oper, die einen Wendepunkt in der musikalischen Geschichte darstellen sollte: "Orfeo ed Euridice" (1762). Ihr folgten "Alceste" (1767) und "Paride ed Elena" (1770). Diesen Werken war gemeinsam, dass sie ein neues, ausgeglichenes Verhältnis zwischen Text und Musik herstellen, das im Dienst der dramatischen Handlung steht. Die in den bisherigen Opernwerken großen, statisch angelegten und äußerst dominierenden Da-capo-Arien, welche die Kunst der exzentrischen Sänger in den Vordergrund stellten, ersetzte Gluck (neben anderen Neuerungen) durch Arien, die sich auf die Darstellung von Gefühlen konzentrieren. Gluck wandte sich gegen eine gekünstelte Musiksprache zugunsten eines natürlichen, empfindungsreichen Ausdrucks.
1774 zog Gluck nach Paris, wo er einige seiner Opern bearbeitete und "Iphigénie en Aulide" (1774), "Armide" (1777) und "Iphigénie en Tauride" (1779) neu komponierte. Hier entbrannte ein heftiger Streit zwischen den Anhängern Glucks und den Befürwortern der italienischen Opern des Komponisten N. Piccinni (1728 - 1800). In Kampfschriften wurde Gluck als "Barbaro tedesco" (deutscher Barbar) bezeichnet, der die Oper um den Gesang gebracht habe. Jean-Jacques Rousseau ergriff in diesem Streit Partei für Gluck und setzte sich in mehreren Schriften mit Details aus den Opern "Orfeo ed Euridice" und "Alceste" auseinander.
Seine letzten Jahre verbrachte Gluck wieder in Wien, wo er Kontakt mit W.A. Mozart hatte, dessen musikalisches Talent er anerkannte und förderte. Bereits im Jahre 1745 war Gluck übrigens G.F. Händel in London begegnet, den er Zeit seines Lebens hoch einschätzte.
Glucks musikalische Sprache sowie sein musikdramatisches Verständnis beeinflusste viele nachfolgende Komponisten, wie beispielsweise Mozart, L. Cherubini und R. Wagner. H. Berlioz illustrierte seine Instrumentations-Lehre zum großen Teil mit Beispielen aus Werken von Gluck.
Gluck war auch einer der ersten Komponisten, der die Aufführungen seiner Werke möglichst selbst leitete und von den beteiligten Künstlern eine aufwändige Probenarbeit verlangte.
Als bereits zu seinen Lebzeiten hochgeehrter Musiker starb Gluck im Alter von 73 Jahren nach einem Schlaganfall. E.H.

Zum Nachlesen:
Nikolaus de Palézieux, Christoph Willibald Gluck, Rowohlt.
Klaus Hortschansky (Hrsg.), Christoph Willibald Gluck und die Opernreform, Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Zum Nachhören:
Chr.W. Gluck, Orpheus und Eurydike, Vaclav Neumann, Ruth-Margret Pütz, u. a., Bc.
-, Paride ed Elena, Kozená, Gritton, Sampson, Webster, Gabrieli Consort & Players, McCreesh, Archiv.

Dienstag, 25.02.2014

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