Berg, Alban (1885 -1935)

kultur 33 – Januar 2007

Mit dem Namen dieses österreichischen Komponisten sind zwei weitere untrennbar verbunden: Arnold Schönberg und Anton Webern. Diese drei Musiker bilden den Kern der sogenannten Zweiten Wiener Schule, die den Grundstein für die Entwicklung der modernen Musik legte. Alban Berg und Webern waren Schüler von Arnold Schönberg, die dessen Kompositionstheorie auf ihre je eigene Weise umsetzten und weitergaben. Es handelt sich dabei um die „Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“, die Schönberg um 1920 entwickelte; die so genannte Zwölftontechnik.
Der vielseitig begabte Alban Berg versuchte sich mit fünfzehn Jahren erstmals an der Komposition von Liedern. Bis ins Jahr 1908 entstanden ca. 140 Werke, von denen jedoch nur sehr wenige veröffentlicht wurden. Die Entscheidung, Komponist zu werden, wurde ihm im Jahre 1906 durch eine Familienerbschaft erleichtert.
Mit dem Ende seiner Lehrzeit bei Schönberg (1904-10) vollzog Berg bereits den Schritt zur Komposition in freier Atonalität. Die im Jahre 1912 in dieser Art komponierten "Fünf Orchesterlieder nach Ansichtskarten-Texten von Peter Altenberg" op. 4 riefen einen der größten Konzertskandale der Stadt Wien hervor. Das Publikum teilte sich damals in eine enthusiastische und in eine extrem ablehnende Partei. Bergs bekanntestes Werk in dieser Kompositionsweise ist die Oper "Wozzeck", mit der er internationale Berühmtheit erlangte.
Die Zwölftontechnik wendete Berg vollständig erst seit der 1925 vorgenommenen Überarbeitung seiner Liedkomposition "Schließe mir die Augen beide" (Theodor Storm) an. Weitere bekannte Zwölftonkompositionen sind die "Lyrische Suite" für Streichquartett, die Oper "Lulu" und das "Konzert für Violine und Orchester". Das Violinkonzert (1935), das für den amerikanischen Geiger Louis Krasner entstand, ist Bergs letztes vollendetes Werk. Die beigefügte Widmung „Dem Andenken eines Engels“ bezieht sich auf die kurz zuvor im Alter von 18 Jahren verstorbene Manon Gropius, die Tochter Alma Mahler-Werfels aus der Ehe mit dem Architekten Walter Gropius.
Bergs zweite Oper "Lulu" blieb leider unvollendet; sie ist nur bis zum zweiten Akt vollständig instrumentiert. Die Uraufführung dieser zweiaktigen Fassung erfolgte 1937 in Zürich. Der dritte Akt, der nur im Particell vorliegt, wurde 1979 von Friedrich Cerha vervollständigt und in dieser Fassung wurde die Oper im gleichen Jahr in Paris uraufgeführt.
Bergs insgesamt recht kleines (veröffentlichtes) kompositorisches Œuvre zeichnet sich durch eine starke Ausdruckskraft aus. Die konstruktive Strenge seiner Kompositionen verbindet sich dabei mit einer klanglichen Milde, die ihm oft den Ruf des „letzten Romantikers“ eingetragen hat. Der emotionalen Wirkung herausragender Stellen seiner Kompositionen, etwa im Violinkonzert, kann sich wohl kaum ein Hörer entziehen.
Seinem Lehrer Schönberg und seinem Freund Webern zeit seines Lebens eng verbunden, setzte sich Berg auch für seine Schüler und andere zeitgenössische Komponisten ein. Seine Lehrtätigkeit wurde von einer reichen publizistischen Arbeit begleitet, die zum Verständnis der neuen Kompositionsweisen beitragen sollte.
Als Opfer seines andauernden labilen Gesundheitszustandes starb Berg in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 1935 an den Folgen einer Blutvergiftung. E.H.

Zum Nachlesen:
Volker Scherliess, Alban Berg, rororo.
Erich Alban Berg, Alban Berg, insel.
Anthony Pople, Alban Berg, Laaber.
Theodor W. Adorno / Alban Berg, Briefwechsel 1925-1935.

Zum Nachhören:
Alban Berg, Lulu, Pierre Boulez, Oop, Deutsche Grammophon.
- Violinkonzert, Mutter, Levine, Chicago Symphony Orchestra, Deutsche Grammophon.
- Wozzeck, Grundheber, Behrens, Abbado, Deutsche Grammophon.
- 3 Orchesterstücke op. 6 / 7 frühe Lieder / Der Wein, von Otter, Abbado, Wiener Philharmoniker, Deutsche Grammophon.

Dienstag, 25.02.2014

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