Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester

Frank Peter Zimmermann
Foto: Hänssler
Frank Peter Zimmermann
Foto: Hänssler

Konzert - Williams, Respighi u.a.

Frank Peter Zimmermann, Violine
Stanislav Kochanovsky, Leitung


Ralph Vaughan Williams (1872-1958)
„Fantasia on a Theme by Thomas Tallis“ für Streichquartett und zwei Streichorchester

Der englische Komponist Ralph Vaughan Williams wurde am 12. Oktober 1872 in Down Ampney, Gloucestershire, geboren. Er erhielt seine Ausbildung am Trinity College in Cambridge und an der Royal Academy of Music in London. Zur Ergänzung seiner Studien ging er nach Berlin zu Max Bruch. In den Jahren von 1896 bis 1899 wirkte er als Organist in London und hielt anschließend in Oxford Vorlesungen. Früh erwarb er sich den Ruf als Musikwissenschaftler, der seinen Landsleuten das Erbe der alten englischen Musik bewusst zu machen wusste und ihre eigenen Kräfte innerhalb der Tradition wachzurufen suchte. Er beschäftigte sich daher intensiv mit der Sammlung von Volksliedern und deren Veröffentlichungen. Seiner Berufung als Komponist war er sich lange Zeit unsicher, sodass er 1908 nach Paris fuhr, um drei Monate lang bei Ravel zu studieren. 1910 begründete dann die Uraufführung der „Fantasia on a Theme by Thomas Tallis“ seinen Ruhm. 1919 wurde er Kompositionslehrer am Royal College of Music in London. Am 26. August 1958 starb er als einer der bedeutendsten englischen Komponisten seiner Zeit in London.
Vaughan Williams entwickelte eine sehr persönliche musikalische Sprache, die von einer Vorliebe für modale Harmonik und Ketten reiner Dreiklänge gekennzeichnet ist. Charakteristisch ist auch sein Hang zum Mystischen. Die Tonalität hat er nie verlassen, behandelt sie jedoch höchst eigenwillig. Weder seine Lehrer in Cambridge noch Max Bruch waren für seinen Stil bestimmend. Erst die Beschäftigung mit der englischen Volksmusik brachte ihn zu seinem eigenen Stil, der sich mit keiner zeitgenössischen Gattung vergleichen lässt. Formal knüpfte er dabei an Ravel an, Melos und Harmonik folgen jedoch eigenen Intuitionen.
1905/06 wirkte Vaughan Williams als Herausgeber des Kirchengesangsbuchs „The English Hymnal“, zu dem er auch vier eigene Liedvertonungen beitrug. Hierbei stieß er auf die Melodie des englischen Renaissance-Komponisten Thomas Tallis (1505-1585), die er in der „Tallis-Fantasie“ verarbeitete. Er komponierte sie für das Three Choirs Festival, ein Treffen der Kirchenchöre aus Glouceseter, Worcester und Hereford. Vaughan Williams bezog den Kirchenraum in das Werk ein: Er verlangt zwei Streichorchester und ein Solo-Streichquartett, die räumlich getrennt voneinander aufgestellt sind. Die „Tallis-Fantasie“ beschwört mit ihrer neomodalen Harmonik den Ton des 16. Jahrhunderts herauf, weist aber zugleich impressionistische Orchesterfarben auf. Das Thema von Tallis in phrygischer Tonart bestimmt die Harmonik. Mit großer Klangfantasie werden die drei Ensembles gegeneinander geführt. Die Eröffnungsakkorde suggerieren eine friedvolle Atmosphäre. Die Harmonien schreiten fast unmerklich voran, die melodischen Linien haben Zeit, sich zu entfalten, sich mit anderen zu verflechten. Nach dieser magischen Einleitung wird die Melodie zunehmend enthüllt, zunächst in Fragmenten, schließlich in den tiefen Streichern. Das Orchester nimmt die Meditation auf. Nach mehreren Verdichtungen und dynamischen Höhepunkten, die sich wechselnd als Klangstrom oder polyphones Geflecht präsentieren, wird das Stück beendet.

Ottorino Respighi (1879-1936)
„Concerto gregoriano“ für Violine und Orchester

Ottorino Respighi wurde am 9. Juli 1879 in Bologna geboren. Von 1891 bis 1899 studierte er am „Liceo musicale“ Violine, Bratsche, Klavier und Komposition. Anlässlich seines Wirkens bei einem Gastspiel als Erster Bratschist der italienischen Opernstagione in St. Petersburg nahm er noch fünf Monate lang bei Rimski-Korsakow Unterricht in Instrumentation. 1908/09 war er ein knappes halbes Jahr als Klavierbegleiter einer Gesangspädagogin in Berlin. Dort begegnete er Max Bruch, hatte aber nicht – wie häufig behauptet wird – Unterricht bei ihm. Nachdem er mehrere Jahre in einem Quartett gespielt hatte, wurde er Professor für Komposition am Konservatorium in Rom, welches er von 1924 bis 1926 auch leitete. Er bereiste als Pianist und Gastdirigent ganz Europa sowie Nord- und Südamerika. Am 18. April 1936 starb Respighi an einer Blutvergiftung in Rom als einer der bekanntesten italienischen Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Respighi schrieb u.a. einige Vokalwerke, Ballette, Sinfonische Dichtungen, Suiten, Instrumentalkonzerte, Kammermusik, Klavierstücke sowie Kantaten und Lieder. Sein Interesse an der alten Musik Italiens fand seinen Niederschlag in der Bearbeitung von Werken von u.a. Frescobaldi und Monteverdi. Seine Musik ist spätromantisch geprägt, aber sie enthält viele moderne Züge, insbesondere polytonale und polyrhythmische Abschnitte. Respighi nahm immer die Anregungen der Musik seiner Zeit schöpferisch auf – abgesehen von der Atonalität, die er ablehnte. Ihn beeindruckte neben der Musik früherer Jahrhunderte ebenso der französische Impressionismus. Seine Musik ist nie nur plakativ schildernd, sondern mit rein musikalischen Mitteln aus prägnanten Motiven zu riesigen Steigerungsgebilden aufgetürmt. Dazu kommt der beschwörende Charakter, das Hervorrufen vergangener Zeiten, die als Refugium der Sehnsucht fungieren.
Tiefgründige Klanglandschaften bietet sein „Concerto gregoriano“ von 1921: Es beschwört eine religiös-feierliche Welt des Mittelalters herauf – inspiriert durch seine Beschäftigung mit den altehrwürdigen Kirchentonarten und meditativen Melodien der Gregorianik, welche ihn damals „wie eine Sucht“ ergriffen hatte. Das Violinkonzert ist daher weitgehend eine lyrisch-kontemplative Komposition und zitiert im Mittelsatz die Ostersequenz „Victimae paschali laudes“ – doch am Ende schwingt es sich mit Anklängen an den berühmten „Salve Regina“-Gesang wie ein leidenschaftliches Glaubensbekenntnis hymnisch auf. Ein Kritiker charakterisierte den Geigenpart als den „eines Kantors in einer alten religiösen Zeremonie, wobei das Orchester den Chor der Gläubigen verkörpert“.

Modest Mussorgsky (1839-1881) / Maurice Ravel (1875-1937)
„Kartinki s vystavki“ („Bilder einer Ausstellung“) für Klavier. Bearbeitung für Orchester von Maurice Ravel (1922)

Schon der junge Mussorgsky war ein glänzender Pianist. Doch zunächst schlug er die Offizierslaufbahn ein und diente von 1856 bis 1868 in einem Petersburger Garderegiment. 1857 lernte er bei Hausmusik-Soireen den Pianisten und Dirigenten Mili Balakirew und den Militär-Ingenieur César Antonowitsch Cui kennen. Gemeinsam verschrieben sie sich dem Programm einer Erneuerung der russischen Nationalmusik aus dem Geist der Volksmusik. Seit 1867 wurde diese Gruppe, zu der 1862 auch noch der Chemiker Alexander Borodin gestoßen war, unter dem Namen „Mächtiges Häuflein“ bekannt. Das kompositorische Schaffen der Gruppe ist schmal, da die bürgerlichen Berufe der meisten Mitglieder wenig Zeit zu kontinuierlicher musikalischer Arbeit ließen. Auch Mussorgsky hinterließ nur ein größeres Orchesterwerk, und selbst dieses wird heute meist in der von Nikolai Rimskij-Korsakow überarbeiteten Fassung aufgeführt: die Fantasie „Eine Nacht auf dem Kahlen Berge“. Dasjenige Werk jedoch, das den Namen Mussorgskys bis heute am nachhaltigsten in den Konzertsälen bekannt gemacht hat, sind die suitenartig angelegten und ursprünglich für Soloklavier komponierten „Bilder einer Ausstellung“.
Das Werk entstand 1874 als Komposition für Klavier solo in Erinnerung an den im Sommer des Vorjahres verstorbenen Maler Victor Alexandrowitsch Hartmann, mit dem der Komponist eng befreundet war. Anfang des Jahres 1874 wurde in St. Petersburg eine Gedächtnisausstellung für den verstorbenen Künstler arrangiert, zu der Mussorgsky selbst – laut Katalog – das Bild der beiden polnischen Juden Samuel Goldenberg und Schmuyle aus seinem privaten Besitz beisteuerte. Zehn Bilder dieser Gedächtnisausstellung setzte Mussorgsky binnen weniger Wochen in Musik um. Die hochvirtuose, an Franz Liszts Satzkunst orientierte Komposition ist über weite Strecken von geradezu orchestraler Monumentalität. Diese Affinität der ursprünglichen Klavierkomposition zum Orchestralen animierte eine ganze Reihe von Komponisten und Dirigenten zur Ausarbeitung instrumentierter Fassungen. Die bekannteste und in ihren Klangeffekten raffinierteste Orchesterversion stammt von Maurice Ravel, die er 1922 im Auftrag des berühmten, damals in Paris wirkenden russischen Dirigenten Sergej Koussevitzky anfertigte.
Neben den zehn Klavierstücken, die sich programmatisch-deskriptiv auf die Bilder Hartmanns beziehen, enthält der Zyklus eine Einleitung „Promenade“ und einige Zwischenspiele, in denen das thematische Material der „Promenade“ verarbeitet wird. Folgende „vertonte Bilder“ ziehen am Zuhörer vorbei: Zunächst erscheint krummbeinig und hässlich der „Gnomus“. Ihm schließt sich „Il vecchio castello“ an, ein mittelalterliches Schloss. Es folgen die „Tuileries“, spielende Kinder im Streit, bevor in „Bydlo“ ein polnischer Ochsenkarren auf der musikalischen Szene erscheint. Die nächsten beiden Bilder stellen „Das Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen“ und die beiden gegensätzlichen Juden, den reichen Samuel Goldenberg und den armen Schmuyle, dar. Dann streiten sich auf dem Marktplatz von Limoges die Marktfrauen. Zum folgenden Bild („Catacombae. Sepulchrum romanum“) bemerkte Mussorgsky selbst: „Der schöpferische Geist des verstorbenen Hartmann führt mich zu den Schädeln und ruft sie an; die Schädel leuchten sanft auf.“ Das sich anschließende Bild „Die Hütte auf Hühnerfüßen“ zeigt die im russischen Volksglauben populäre Hexe Baba-Yaga – und das finale Gemälde vom „Großen Tor von Kiew" schildert Mussorgskys Assoziationen zu einem Stadttor-Entwurf von Hartmann.



Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 30.05.2024 21:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn