Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester

Renaud Capucon | Violine
Foto: Francois Darmigny
Renaud Capucon | Violine
Foto: Francois Darmigny

Konzert - Strauss, Bruch, Wagner u.a.

Renaud Capuçon, Violine
Cristian Macelaru, Leitung


Richard Strauss (1864 - 1949)
Don Juan op. 20 – Tondichtung für großes Orchester

Im Werk von Richard Strauss erreichte die sinfonische Dichtung noch nach dem Ende der romantischen Musikepoche ihren letzten Höhepunkt. Der besondere Strauss-Stil bahnte sich bereits mit der sinfonischen Fantasie „Aus Italien“ an und kam in seiner dritten Tondichtung „Don Juan“ voll zum Durchbruch.
Während eines Italienurlaubs im Mai 1888, im Hof des Klosters San Antonio zu Padua, komponierte Strauss die ersten Takte zum „Don Juan“. Inspiriert hat ihn vor allem aber ein sehr deutscher Don Juan: Das gleichnamige Fragment von Nikolaus Lenau (1802 - 1850) ist Programm und Leitgedanke des Werks. Vier Jahre später hat sich Strauss mit der Idee einer Don-Juan-Oper getragen; nach einem zweiten Entwurf ließ er den Plan fallen und beließ es bei der sinfonischen Dichtung, die ein glänzender Durchbruch des Komponisten gewesen war. Von der Weimarer Uraufführung berichtete er: „Don Juans Erfolg war großartig, das Stück klang zauberhaft und ging ausgezeichnet und entfesselte einen für Weimar ziemlich unerhörten Beifallssturm. Die Musik des Don Juan stellt keine Illustration der Verse, sondern eine Parallelschöpfung dar. Der Held des Gedichts wird mit einem kühn ansteigenden Thema eingeführt. Stürmische Klanggestalten charakterisieren den Abenteurer; eine Kantilene der Solovioline schildert die schöne Frau, die dem Verführer verfällt. Das Bild einer neuen Liebesszene entsteht, ein zweites Don-Juan-Thema erklingt in den Hörnern, dann ward die Welt mir wüst umnachtet ... und kalt und dunkel ward es auf dem Herd. Doch der Abschluss bringt keine Katastrophe für den Helden, sondern nur ein Atemholen zu neuen Abenteuern.“ Heute glaubt man zu wissen, dass Strauss mit dem «Don Juan» kein festes, vorgegebenes Programm verfolgte, sondern dass sich seine programmatische Ausrichtung im Laufe der Komposition aus der vorgegebenen Titelfigur selbst entwickelte. Eine Handlung lässt sich hier insofern verfolgen, als das Werben, Gelingen und Scheitern der Liebesabenteuer in der Musik gut erkennbar ist. Das Werk ist einsätzig (Allegro molto con brio).
Spieldauer: ca. 20 Min.

Max Bruch (1838 - 1920)
Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26

Der 1838 in Köln geborene Max Bruch war Zeitgenosse vieler bedeutender Komponisten. Als er 1920 in Berlin starb, hatte der Skandal um Strawinskys „Le Sacre“ schon stattgefunden und stand Arnold Schönberg kurz vor der Entdeckung seiner epochemachenden Zwölftontechnik. Daher wurde Bruch noch in den 1860er Jahren als einer der führenden Musiker Deutschlands gefeiert, war aber am Ende seines Lebens in seinen künstlerischen Anschauungen weitgehend isoliert und wäre in seinem Wirken vergessen gewesen, wenn es nicht das Violinkonzert in g-moll op. 26 gäbe: Das eine Werk, dessen ungebrochene Beliebtheit leichzeitig die Verneinung fast aller anderen kompositorischen Leistungen des Musikers Bruch bedeutete, weil sein Schaffen fast ausschließlich darauf verengt wird. Dieses berühmte Violinkonzert, zwischen 1864 und 1867 komponiert und am 7.1.1868 in Bremen uraufgeführt – das nach eigener Absicht des Komponisten den Geist Mendelssohns beschwören soll – entstand unter erheblicher Mitwirkung von Joseph Joachim, dem führenden Geiger der damaligen Zeit und Freund von Johannes Brahms, der dem in der Geigentechnik nicht sonderlich erfahrenen Komponisten vor allem bei der Ausarbeitung des Soloparts mit Rat und Tat zur Seite stand. Zwei wichtige Charakteristika des Konzertes sind seine ungewöhnliche Form und sein thematischer Aufbau aus wenigen melodischen und rhythmischen Elementen. Die beiden ersten Sätze sind ganz auf den Schlusssatz hin konzipiert, zusammen dauern sie etwa so lange wie der Finalsatz. Von hier aus erklärt sich auch die Bezeichnung „Vorspiel“ für den Kopfsatz des Werkes. Nach dem Vorbild des Violinkonzertes von Mendelssohn geht der erste Satz („Introduktion, Allegro moderato“) ohne Pause in den zweiten Satz über („Adagio“). Alle drei Sätze haben Sonatenform, variieren diesen Formtypus allerdings jeweils auf geistvolle Weise. Zur Popularität des Bruchschen Konzerts hat insbesondere der zweite Satz in seiner liedhaften, etwas süßlichen Thematik und dem Pathos seiner Durchführungspassagen beigetragen. Die damals übliche Form des Sonatensatzes findet sich am reinsten im Finale. Dieses ist „Allegro energico“ ausgeprägt, obwohl seine Durchführung auf ein Minimum beschränkt wird. Das wirkungsvolle „ungarisierende“ Hauptthema des Satzes könnte von Joachim, dem gebürtigen Ungarn, inspiriert worden sein.
Spieldauer: ca. 25 Min.

Mel Bonis (1858-1937)
Salomé op. 100/2 aus: Trois femmes de légende

„Mel“ Bonis wurde als Mélanie Hélène Bonis 1858 geboren. Ihre Familie war in keiner Weise musikalisch „vorbelastet“, allerdings befand sich im Haushalt ihrer Eltern ein Klavier, auf dem sie stundenlang spielte und sich nach und nach die ersten Grundkenntnisse erarbeitete. Als ein Bekannter der Familie ihre musikalische Begabung entdeckt, setzt er sich dafür ein, dass sie Klavierunterricht erhielt, obwohl ihre Eltern dem skeptisch gegenüber standen. Als sie über einen anderen Bekannten César Franck kennenlernt, setzt der durch, dass sie das „Conservatoire Supérieur National“ besuchen darf. Sie studiert Harmonielehre und Klavierbegleitung, erhält während ihrer Studienzeit zahlreiche Preise. Zu ihren Mitschülern gehört Claude Debussy. Dennoch sehen ihre Eltern nach wie vor einen „weiblichen“ Beruf für sie vor: das Mädchen soll Näherin werden. Kurz danach muss sie das Konservatorium verlassen: sie verliebt sich in einen Kommilitonen der um ihre Hand anhält. Ihre streng katholischen Eltern weigern sich einen Musiker als Schwiegersohn zu akzeptieren und verbieten Mélanie das Konservatorium. 1883 drängt ihre Familie sie in die Ehe mit einem 22 Jahre älteren Witwer mit 5 Kindern: Albert Domange. Mélanie erzieht in den folgenden Jahren seine Söhne und wird Hausfrau. Gegen 1889 trifft sie ihren ehemaligen Verehrer wieder, der sie ermutigt weiter zu komponieren. Zwischen 1900 und 1914 entstehen ihre wichtigsten Kompositionen: Kammermusik, Klaviermusik, Orgelwerke, Lieder. Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges findet ihre Schaffenskraft zunächst ein Ende: Mel Bonis, die als sehr religiös galt, widmet sich nun karitativen Werken. Es entstehen nur wenige Werke. 1918 stirbt ihr Mann, 1932 ihr jüngster Sohn. Bonis Neigung zu Depressionen wird durch diese Ereignisse verstärkt, dennoch komponiert sie weiter. 1937 stirbt sie im Alter von 79 Jahren in ihrem Haus in der Nähe von Paris. Das Werk „Salomé“ aus dem Jahre 1909 gehört zu ihrem Kompositionszyklus „Trois Femmes de légende“ („Drei legendäre Frauen“). Die drei Werke lauten dementsprechend: „Ophélie“, „Salomé“ und „Le Songe de Cléopâtre“. Alle Stücke der „Femmes de légende“ verbindet eine musikalische
Grundstimmung: ihre tiefgründige, bilderreiche und lebensvolle Inspiration und ihr impressionistischer, mit Orientalismen gefärbter beschreibender Charakter. Mel Bonis’ Bild der biblischen Gestalt der Salomé ist stark orientalisch gefärbt. Das ganze Stück lebt vom Wechsel der Atmosphäre. Auf langsame Synkopen folgen leichtfüßige glissandi, quälende und geheimnisvolle Psalmodien begleiten sinnliche Passagen, überraschende Tempowechsel lassen Leidenschaft und Zerstörung der musikalischen Gestalt erahnen. Mel Bonis komponiert Salomé in zweiVersionen: eine für Klavier, eine für Orchester. Letztere kommt heute zur Aufführung.
Spieldauer: ca. 5 Min.

Richard Strauss (1864 – 1949)
Tod und Verklärung op. 24

Die verbreitete Ansicht, diese 1888 begonnene und 1890 vom Komponisten selbst in Eisenach uraufgeführte Tondichtung spiegele eigene Krankheitserfahrungen wider, hat Strauss selbst ausdrücklich zurückgewiesen. Erst vier Jahre nach der Uraufführung entwickelte der Komponist in einem Brief an Friedrich von Hausegger ein Programm von Stationen eines Lebens- und Sterbensweges, das die Tondichtung in Musik übertragen habe: „Es war vor sechs Jahren, als mir der Gedanke auftauchte, die Todesstunde eines Menschen, der nach den höchsten Zielen gestrebt hatte, also wohl eines Künstlers, in einer Tondichtung darzustellen. Der Kranke liegt im Schlummer schwer und unregelmäßig atmend zu Bette; freundliche Träume zaubern ein Lächeln auf das Antlitz des schwer Leidenden; der Schlaf wird leichter; er erwacht; grässliche Schmerzen beginnen ihn wieder zu foltern, das Fieber schüttelt seine Glieder; als der Anfall zu Ende geht und die Schmerzen nachlassen, gedenkt er seines vergangenen Lebens: seine Kindheit zieht an ihm vorüber, seine Jünglingszeit mit seinem Streben, seinen Leidenschaften und dann, während schon wieder Schmerzen sich einstellen, erscheint ihm die Frucht seines Lebenspfades, die Idee, das Ideal, das er zu verwirklichen, künstlerisch darzustellen versucht hat, das er aber nicht vollenden konnte, weil es von einem Menschen nicht zu vollenden war. Die Todesstunde naht, die Seele verlässt den Körper, um im ewigen Weltraume das vollendet in herrlichster Gestalt zu finden, was es hienieden nicht erfüllen konnte.“ Die Stationen sind nach dem musikalischen Prinzip des Kontrastes disponiert und könnten deswegen auch mit ganz anderen Inhalten gefüllt werden. Geradezu naturalistisch ist hingegen das Pochen des Herzens wiedergegeben, das wie in einem musikalischen Kardiogramm gezeichnet wird. Die verschiedenen
Erinnerungsthemen sind, musikalisch und satztechnisch gesehen, Stufen auf dem Weg einer Entfaltung des Bläser-Hauptthemas, des „Ideal“-Themas, bis hin zu dessen vollendeter Gestalt. Dieses Thema zitiert Strauss später nicht nur in der Tondichtung „Ein Heldenleben“ noch einmal, sondern kurz vor seinem Tode auch in einem seiner letzten Lieder.
Spieldauer: ca. 27 Min.

Richard Wagner (1813 - 1883)
»Tannhäuser«-Ouvertüre
Dresdner Fassung

Es war 1842 auf einer Reise von Paris nach Dresden, als Richard Wagner das erste Mal in Eisenach die dortige Wartburg erblickte und sich von dem imposanten Bauwerk und der Landschaft inspirieren ließ. Der sagenumwitterte Sängerkrieg auf der Wartburg und die Ballade vom Tannhäuser boten für Wagner den idealen Stoff für eine romantische Oper. Allerdings dauerte es noch drei Jahre, ehe er die Oper 1845 in Dresden zur Uraufführung bringen konnte. Der Konflikt des Helden zwischen der erlebten sinnlichen Liebeswelt des Venusberges und der reinen erlösenden Liebe zu seiner Elisabeth, also den Zwiespalt zwischen gottloser und heiliger Liebe, ist das zentrale Thema der Handlung, welches Wagner auch später immer wieder aufgreifen sollte. Musikalisch werden in der Ouvertüre seiner fünften vollendeten Oper die bedeutenden Themen bereits eingeführt. So werden unter anderem die späteren Pilgerchöre und die Musik der Venusberg-Welt angedeutet, allerdings ohne einer Verarbeitung unterzogen zu werden. Wagner sollte seinen Tannhäuser mehrmals überarbeiten. So für eine Aufführung an der Pariser Opéra im Jahre 1861 (die aufgrund der „Modernität“ seiner Musik zu einem handfesten Skandal ausarten sollte) und für eine Aufführung in Wien im Jahre 1875. Die sogenannte Dresdner Fassung dient als Grundlage für das heutige Konzert.
Spieldauer: ca. 14 Min.


Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 30.05.2024 21:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn