Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester

Yulianna Avdeeva
Foto: Yulianna Avdeeva
Yulianna Avdeeva
Foto: Yulianna Avdeeva

Konzert - Beethoven, Schmidt u.a.

Yulianna Avdeeva, Klavier
Manfred Honeck, Leitung


Erwin Schulhoff (1894 - 1942)
Fünf Stücke für Streichquartett
in einer Bearbeitung für Orchester
Das Konzert des heutigen Abends wird mit einer Bearbeitung der „Fünf Stücke für Streichquartett“ des deutsch-böhmischen Komponisten Erwin Schulhoff aus dem Jahre 1923 eröffnet. Das ursprünglich für Streichquartett geschriebene Werk wurde von Manfred Honeck und Tomáš Ille für Orchester bearbeitet. Erwin Schulhoff, Spross einer Prager deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie war lange Zeit vergessen. Erst in den letzten Jahren werden seine interessanten Vermittlungen zwischen Jazz und Klassik neu entdeckt. Als bekennender Kommunist und sowjetischer Staatsbürger (er starb in einem Internierungslager) wird Schulhoff oft auf seine Kontakte mit dem Dresdner Dadaismus und dem Künstlerkreis um Otto Dix von 1919 bis 1922 reduziert. Aber nur wenige Komponisten jener Zeit waren so breit aufgestellt und derart experimentierfreudig wie Erwin Schulhoff. Er setzte große Erwartungen in das revolutionäre Potenzial moderner Musik und erhoffte eine Erneuerung des zur Dekadenz verkommenen bürgerlichen Musiklebens. In von ihm organisierten „Fortschrittskonzerten“ wurden Alban Berg, Schönberg, Webern und Skrjabin gespielt. Die „Fünf Stücke für Streichquartett“ entstanden 1923 kurz vor seiner Rückkehr nach Prag. Es handelt sich um eine Folge prägnanter Sätze, in denen Schulhoff nach allen Regeln der Kunst mit bekannten Tanzformen experimentiert. Ein ironischer Seitenhieb gegen den Wiener Walzer macht den Anfang, auch wenn es eine Herausforderung sein dürfte, zum ersten der Fünf Stücke zu tanzen. Denn Schulhoff stülpt dem Tanz kurzum einen 4/4-Takt über. Jedoch nicht ohne die verschmitzte Anweisung mitzugeben, das Stück sei ungeachtet der Taktvorzeichnung „stets als 3/4 zu spielen“.
Die Serenade an der zweiten Stelle erinnert nur noch wenig an leichte Unterhaltungsmusik. Sie gibt sich nämlich weniger als heiteres Abendständchen, denn als unheimliches Dämmerungsszenario mit schemenhaft dahinschwebenden Gestalten im 5/8 Takt, unterbrochen von heftigen „Einbrüchen“. Fahl endet der Spuk mit einer Sul-ponticello-Variante des Themas begleitet von Pizzicato-Figuren. Stilsicher trifft der Deutsch-Böhme Schulhoff, der als siebenjähriges Wunderkind am Klavier den Prager
Konservatoriumsprofessor Dvorák tief beeindruckte, den charakteristischen volkstümlichen Tonfall im Satz „Alla Czeca“. Sekundreibungen und Quart- und Quintklänge verleihen dem Satz einen derben Anstrich. Im Kontrast hierzu erklingt anschließend der in seinem erotisch-exotischen Gehalt geradezu parodistische Tango. Und auch für die rasante Tarantella zum Schluss bräuchte man äußerst flinke Füße, wollte man dazu ernsthaft das Tanzbein schwingen

Die Uraufführung der Fünf Stücke fand im August 1924 im Rahmen des Festivals der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik in Salzburg statt. Für den zu diesem Zeitpunkt 30-jährigen Schulhoff bedeutete sie den Durchbruch.
Spieldauer: ca. 15 Min.

Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58
Die fünf Klavierkonzerte Beethovens markieren eine nachhaltig wirksame Phase in der Entwicklung der Gattung Klavierkonzert, die vom frühklassischen Instrumentalkonzert des 18. Jahrhunderts zum großen Virtuosenkonzert des 19. Jahrhunderts führt, bei dem der Solist dem gesamten Orchester als dominierender Antipode gegenübertritt. Dabei repräsentieren die beiden ersten Konzerte Beethovens Entwicklung zum Typus des sinfonischen Konzerts, den die drei folgenden, in sehr unterschiedlicher Weise allerdings, entfalten und damit weit in die Zukunft vorausweisen. Beethovens dreisätziges 4. Klavierkonzert entstand 1805 in Wien, parallel zu seiner Oper „Fidelio“ und zur 5. und 6. Sinfonie. Erste Skizzen finden sich aber bereits in einem Notizbuch aus den Jahren 1802/03 – Beethoven trug ja seine kompositorischen Ideen meist lange mit sich herum, bis er sie schließlich niederschrieb. Die Uraufführung war in jener berühmten öffentlichen Akademie im Theater an der Wien, bei der bereits die 5. und 6. Sinfonie, Teile der C-Dur-Messe und die Chorfantasie op. 80 dem Wiener Publikum erstmals vorgestellt wurden. Das 4. Klavierkonzert gilt als der Höhepunkt der Gattung in der spezifisch Beethovenschen Prägung, die als ein Ergebnis einer Vermittlung von konzertantem und sinfonischem Prinzip neigt.
Das 4. Klavierkonzert beginnt zunächst mit einer Überraschung: Entgegen aller damaligen Konventionen setzt im ersten Satz (Allegro moderato) nicht das Orchestertutti ein, um sich mit den Themen zu präsentieren, sondern der Solist macht, piano und dolce, den Anfang mit einer fünftaktigen Variante des ersten Motivs. Sodann, noch seltsamer, antworten die Streicher pianissimo in der sehr weit entfernten Tonart H-Dur. Nach diesen höchst originellen 13 Takten, die später in leicht veränderter Form
auch die Reprise einleiten werden, beginnt erst die „normale“ Orchesterexposition. Ein annähernd gleiches Gegengewicht zum 1. Satz bildet das umfangreiche, heiter kapriziöse Final- Rondo (Rondo. Vivace). Dazwischen steht, ebenso kurz wie ausdrucksvoll, ein langsamer Satz (Andante con moto), der so ausschließlich aus der Idee des hochdramatischen, kontrastierenden Dialogs komponiert ist (Klavier und Orchester spielen nie zusammen), dass man glauben könnte, Beethoven habe hier im Extrem das nachgeholt, was er in den Ecksätzen gerade vermieden hatte, nämlich das ältere Prinzip des „Konzertierens” als eines „Wettstreits” zwischen Solist und Orchester.
Spieldauer: ca. 25 Min.

Franz Schmidt (1874 - 1939)
Sinfonie Nr. 4 C-Dur
„Wenn einer Schmidt heißt, soll er nicht Künstler werden!“. Die harschen Worte seines Klavierlehrers Theodor Leschetitzky müssen auf eigentümliche Weise gewirkt haben: Franz Schmidt war jede Künstlerattitüde fremd, jedes Kokettieren mit seinen Fähigkeiten als einer der besten Pianisten seiner Zeit und immerhin Solocellist der Wiener Philharmoniker. Am 22. Dezember 1874 in Preßburg, dem heutigen Bratislava, geboren, zog Schmidt schon als Jugendlicher in das nahe gelegene Wien, um seine bereits als Kind begonnene pianistische Ausbildung fortzusetzen. Durch Leschetitzkys Äußerungen gekränkt, begann er bei Ferdinand Hellmesberger Cello zu studieren, was er mit so großer Bravour meisterte, dass er bereits mit 22 Jahren Mitglied des Hofopernorchesters wurde. Entscheidender für seinen kompositorischen Werdegang dürfte allerdings die sehr kurze Lehrzeit bei Anton Bruckner gewesen sein. Tatsächlich war er nach dem frühen Tod Gustav Mahlers der für seine Zeitgenossen wichtigste Komponist Österreichs; auch die Mitglieder der Neuen Wiener Schule zollten dem stilistisch eher konservativen Franz Schmidt Respekt. Schönberg förderte Schmidt-Aufführungen in seinem „Verein für musikalische Privataufführungen“. Schmidt setzte sich sowohl als Leiter der Wiener Musikakademie als auch als Rektor der Fachhochschule für Musik und darstellende Kunst immer wieder für die damalige Avantgarde ein. Franz Schmidts Musik wird noch heute in seiner Heimat relativ häufig aufgeführt, außerhalb Österreichs hat sie es dagegen eher schwerer. Als kontraproduktiv scheint sich dabei ausgerechnet sein berühmtes Zwischenspiel aus dem 1. Akt der 1914 uraufgeführten Oper „Notre Dame“ auszuwirken, das sich inzwischen längst von seinem Schöpfer gelöst hat. Franz Schmidts 4. Sinfonie in C-Dur wurde aus schmerzlichem Anlass komponiert. Sie war als Trauermusik für seine im Wochenbett verstorbene Tochter Emma gedacht. Schmidt nannte die Sinfonie ein „Requiem für meine Tochter“. Das Werk wurde in den Jahren 1932 bis 1933 komponiert und 1934 in Wien uraufgeführt. Die Sinfonie besteht aus vier ineinander übergehenden Sätzen, die ohne Pause gespielt werden. Die Bezeichnungen der vier Sätze lauten: Allegro molto moderato, Adagio, Molto vivace und Tempo I. Die vierte Sinfonie beginnt und endet mit einem einsamen Trompetensolo, von dem der Komponist meinte, es sei „die letzte Musik, die man ins Jenseits mitnimmt“. Das Werk ist als eine große, pausenlos ablaufende Einheit komponiert, ein gigantischer Sonatensatz, der (etwa nach dem Vorbild von Franz Liszts Klaviersonate h-Moll) alle Sinfoniesätze in sich zusammenfasst. Der inhaltliche Höhepunkt des Werkes ist der gewaltige Trauermarsch das Adagios.
Spieldauer: ca. 50 Min.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 30.05.2024 20:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn