Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester

Hanna-Elisabeth Müller | Sopran
Foto: Chris Gonz
Hanna-Elisabeth Müller | Sopran
Foto: Chris Gonz

Konzert - Gottwals & Mahler

Hanna-Elisabeth Müller, Sopran
Wiebke Lehmkuhl, Alt
Rundfunkchor Berlin
WDR Rundfunkchor
Cristian Macelaru, Leitung



Alma Mahler (1879 – 1964)/Clytus Gottwald (1925 – 2023)
Die stille Stadt aus »Drei frühe Lieder« transkribiert für Chor a cappella

Alma Mahler, geborene Alma Schindler, war eine herausragende österreichische Persönlichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Ihr Leben war geprägt von einem außergewöhnlichen musikalischen Talent und einer Vielzahl von Beziehungen zu einigen der bedeutendsten Künstler ihrer Zeit. Ihre bekannteste Ehe war die mit Gustav Mahler, der ihr leider auch anriet, das Komponieren zugunsten seiner Karriere aufzugeben. „Die Stille Stadt“ ist ein Lied von Alma Mahler, einer österreichischen Komponistin und Musikerin des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das Lied wurde im Jahr 1901 komponiert und ist eines ihrer bekanntesten Werke. Es gehört zum Repertoire der spätromantischen Musik und ist ein eindrucksvolles Beispiel für die lyrische Ausdruckskraft der Musik von Alma Mahler. Die heute zur Aufführung kommende Version des Liedes ist allerdings einer Bearbeitung von Clytus Gottwald. Gottwald, ein deutscher Komponist und Dirigent, ist ekannt für seine avantgardistischen Ansätze in der Chormusik. Eine seiner bemerkenswerten Interpretationen ist seine Chorversion von Alma Mahlers „Die Stille Stadt“. Sie zeigt seine innovative Herangehensweise an die Musik und seine Fähigkeit, traditionelle Werke in zeitgenössische Klänge zu verwandeln. In Gottwalds Bearbeitung wird der ursprüngliche Liedtext von Alma Mahler beibehalten, jedoch wird die Singstimme durch einen Chor ohne instrumentale Begleitung (a cappella) ersetzt. Dieser Ansatz eröffnet neue klangliche Möglichkeiten und verleiht dem Lied eine völlig neue Dimension. Die Stimmen des Chores vermitteln zusätzliche Schattierungen von Emotionen und Stimmungen, indem sie harmonische Texturen und Cluster verwenden, die in der traditionellen Liedinterpretation nicht vorhanden sind. Dies schafft eine zusätzliche Tiefe und vermittelt eine beunruhigende, fast surreale Atmosphäre.
Spieldauer: ca. 3’30 Min.

Gustav Mahler (1860 – 1911)
Sinfonie Nr. 2 c-Moll für Sopran, Alt, gemischten Chor und Orchester
»Auferstehungssinfonie«

Gustav Mahlers lange Zeit populärste Sinfonie, die 1888 bis 1894 in Prag, Hamburg und am Attersee entstandene „Zweite“ (wegen ihres Schlusschores auch „Auferstehungssinfonie“ genannt), bildet den Auftakt zu einer Trias von Sinfonien, die in enger Beziehung zu Mahlers Liedern nach Gedichten aus der romantischen iedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ stehen. Das Menschheitsproblem von Tod und Auferstehung wird in einem gewaltigen sinfonischen Fresko beschworen, das nach dem Vorbild Beethovens die menschliche Stimme als „ultima ratio“ der musikalischen Verkündigung aufruft. Die Entstehungsgeschichte der gesamten Sinfonie erstreckt sich über mehrere Jahre, bedingt durch Mahlers Arbeitsbelastung als Dirigent. Er komponierte das Werk zwischen 1888 und 1894. Im September 1888 war die Instrumentation des ersten Satzes, der bereits den Titel „Totenfeier“ trug, abgeschlossen. Der Antritt der Stelle des Operndirektors in Budapest und die anschließende Übersiedlung nach Hamburg scheinen Mahler von der Weiterarbeit an der Symphonie abgehalten zu haben. So entstanden der zweite und dritte Satz erst 1893, und die gesamte Symphonie wurde erst 1894 vollendet. Die Idee zum Schlusssatz, der den Auferstehungsgedanken vertont, kam Mahler nach eigener Aussage 1894 bei der Trauerfeier für seinen Kollegen Hans von Bülow in der Hamburger Michaeliskirche. Gleichzeitig vertonte Mahler die Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“, von denen er das Lied „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ nur instrumental, das Lied „Urlicht“ auch vokal in der infonie verwendete. Das Werk besteht aus fünf Sätzen und hat eine Aufführungsdauer von ca. 80 Minuten. Der erste Satz nimmt in der Symphonie eine exponierte Stellung ein. Die sogenannte „Totenfeier“ ist der erste der beiden monumentalen Rahmensätze. Sein Gegenstück ist der Schlusssatz mit dem Titel „Auferstehung“. Nach Fertigstellung der ersten Fassung trug der Kopfsatz zunächst den Titel „Sinfonie in c-Moll“. Später änderte Mahler den Titel in „Todtenfeier“ und führt den Satz auch unabhängig von der gesamten Sinfonie unter diesem Namen auf. Trotz seiner Ausdehnung bleibt das Sonatenschema erhalten. Allegro maestoso „mit ganz ernstem und feierlichem Ausdruck“ bricht in Celli und Kontrabässen das in wilden Sechzehnteln um Quinte und Oktave kreisende Hauptthema herein, dem als Kontrast ein hymnisch aufsteigendes Thema der Violinen gegenübergestellt wird. Die Durchführung wiederholt sich in Variationen. Die Durchführung beginnt mit einem klagenden Trompeten- und Posaunenthema, in das das Dies Irae-Motiv aus der Trauersequenz einfließt. Dreimal setzt eine gewaltige dramatische Steigerung ein, der jedes Mal ein Zusammenbruch folgt. Die Reprise, die durch die Wiederkehr des Hauptthemas, diesmal in den Bässen und Violinen, deutlich gekennzeichnet ist, verläuft gleichmäßig. Das aufsteigende Seitenthema kann die Düsternis nicht aufhellen, der Satz sinkt in Piano- und Pianissimo-Regionen ab, um schließlich mit einem plötzlichen, in chromatische Triolen einbrechenden Schlag zu enden. Der Tod scheint sein letztes Wort gesprochen zu haben. Ein nach einer vorgeschriebenen Pause von „mindestens fünf Minuten“ „sehr gemächlich“ ansteigendes As-Dur-Andante von wiegendem Ländler-Charakter hat episodische Bedeutung: ein idyllischer Ruhepunkt inmitten des erregenden Geschehens. Eine aus der Ländlermelodie entwickelte, schwärmerisch aufschwingende Violinmelodie unterstreicht diesen Zug vorübergehender Entspannung. Sie wird bereits durch das folgende, von den Pauken intonierte Scherzo gefährdet, eine Bearbeitung des Wunderhorn-Liedes von der vergeblichen Fischpredigt des heiligen Antonius. Die rollenden Sechzehntel der Violinen erzählen von der Sinnlosigkeit des Weltlaufs. Wie eine Art Perpetuum mobile durchziehen sie den ganzen Satz. Ein signalhaftes Motiv der Blechbläser ertönt brutal dazwischen. Vor der im Nichts endenden Reprise steigert sich die Durchführung zu einem Ausbruch verzweifelter, grell dissonanter Schärfe des vollen Orchesters.
Ohne Zäsur folgt dem ausklingenden Pianissimo das Lied „Urlicht“ - ein Gedicht aus „Des Knaben Wunderhorn“ -, das die Altistin zu feierlichen Bläserklängen intoniert. Das Lied steigert sich zu bittender, vertrauensvoller Inbrunst: „Ich bin von Gott und will wieder zu Gott“. Die schwärmerische Kantilene des Satzschlusses eht über in den „wilden“ Beginn des Finales, dessen ständig wechselnde Ausdruckssphären das freie Sonatenschema verschleiern. Hornrufe und thematische Vorgriffe auf die spätere Auferstehungsmelodie, das Auftauchen des sich hartnäckig behauptenden „Dies-Irae“-Motivs, Sinnbild des Todes, prägen die Exposition. Ein gewaltiges Crescendo des Schlagzeugs kündigt den Durchführungsteil an, in dem sich das thematische Material zu dramatischen Ballungen verdichtet. Das „Dies Irae“ wird zu einem energischen Marsch. In das erregte Auf und Ab der symphonischen Entwicklung mischt sich schließlich ein Fernorchester mit „in weiter Ferne“ postierten Trompeten und Schlagzeug. Die auf die Spitze getriebene dynamische Steigerung beruhigt sich wieder, und aus der Ferne rufen Trompeten zum „großen Appell“, wie Mahler es nannte. Wie aus einer anderen Welt erklingt ein einsamer Vogelruf der Piccoloflöte, und dann intoniert der A-cappella-Chor in gehauchtem misterioso Klopstocks Ode „Aufersteh'n, ja aufersteh'n“, eine der packendsten Stellen nicht nur der Mahlerschen Sinfonik. In unaufhaltsamer Steigerung, im Wechsel von Altsolo, Sopransolo und Chor über den von Mahler erweiterten Klopstock-Text, über das unisono vorgetragene Bekenntnis „Sterben werd' ich, um zu leben“, schwingt sich die Musik zu prophetischen Höhen auf. Das brausende Orgel-Plenum weist in die Sphäre des Sakralen. Ein gigantisches musikalisches Spektakel, das in der Musikgeschichte kaum Vergleiche hat und den Abschluss eines grandiosen sinfonischen Meisterwerks markiert.
Aufführungsdauer: ca. 80 Min.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 30.05.2024 21:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn