Kölner Philharmonie

Kölner Kammerorchester

Kammerorchester Köln
Foto: Matthias Baus
Kammerorchester Köln
Foto: Matthias Baus

Konzert - Mendelssohn-Bartholdy & Pärt

Juliane Banse, Sopran
N.N., weitere Solisten
WDR-Rundfunkchor
Christoph Poppen, Dirigent

Programm:

Felix Mendelssohn-Bartholdy
Choralkantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ WoO 5

Arvo Pärt
Silouan's Song „My soul yearns after the Lord...“

Felix Mendelssohn-Bartholdy
Choralkantate „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“

Arvo Pärt
Festina lente

Felix Mendelssohn-Bartholdy
115. Psalm „Non nobis Domine“ op. 31

Arvo Pärt
Psalom

Felix Mendelssohn-Bartholdy
42. Psalm „Wie der Hirsch schreit“ op. 42


Zu den Komponisten und Werken:

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

Felix Mendelssohn Bartholdy entstammte einer reichen, kulturell interessierten und engagierten jüdischen Familie. Alles, was in Berlin oder als Besucher dieser Stadt Rang und Namen hatte, traf sich im Palais der Mendelssohns, wo die beliebten „Sonntagsmusiken“ stattfanden. Hier konnten der junge Felix und seine nicht minder begabte Schwester Fanny mit ersten Werken experimentieren. Gleichwohl jedoch sollte er zunächst Bankier werden, allenfalls Jurist. Dennoch erhielt er die beste musikalische Ausbildung, u.a. bei Carl Friedrich Zelter. Mendelssohn war ein musikalisches Wunderkind. Bereits der 16-Jährige war als Pianist, als Komponist und als Dirigent eine Berühmtheit. 1836 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig, 1843 übernahm er am neu gegründeten Leipziger Konservatorium eine Kompositionsklasse. Besonderes Ansehen genoss er jedoch als Orchestererzieher und Organisator. Er betrieb als erster eine systematische Pflege alter Musik, setzte einen Pensionsfond für die Musiker des von ihm viele Jahre geleiteten Gewandhausorchesters durch und entdeckte und förderte junge Talente wie das „Geigen-Wunder“ Joseph Joachim. Durch den plötzlichen Tod seiner Schwester Fanny erschüttert, starb er 1847 in Leipzig an den Folgen eines Gehirnschlags.
Vielfältig waren die Anregungen, von denen sich Mendelssohn zu seinen Werken inspirieren ließ – seien es die Geister- und Feenwelt des Shakespeareschen „Sommernachtstraums“ oder Landschaftserlebnisse. Aber er war auch ein tief religiöser Mensch. Trotz der jüdischen Herkunft seiner Familie wuchs er christlich auf, wurde protestantisch getauft und auch konfirmiert. Außerdem war er Mitglied in der von Carl Friedrich Zelter geleiteten Berliner Singakademie, wo er auch seine ersten Chorwerke aufführen lassen konnte. Im Alter von 13 Jahren vertonte er zum Beispiel bereits das bildhafte Abendgebet „Jube Domne“ für zwei vierstimmige Chöre. Oft versah er seine Werke mit Kürzeln wie „L. e. g. G.“ (Lass es gelingen, Gott) oder „H. D. m.“ (Hilf Du mir). Der Choral „Verleih uns Frieden“ entstand 1831 auf einen Text von Martin Luther, dessen Dichtung Mendelssohn geradezu magisch angezogen hat, wie er einmal schrieb: „Wie da jedes Wort nach Musik ruft, wie jede Strophe ein anderes Stück ist, wie überall ein Fortschritt, eine Bewegung, ein Wachsen sich findet, das ist gar zu herrlich.“ Ein Jahr später, 1832, schrieb er mit „Ach Gott, vom Himmel sieh' darein“ seine letzte Choralkantate – und gerade in diesem Werk scheint er mit der musikalisch-dramatischen Behandlung eines geistlichen Textes einen Weg in die Zukunft gefunden zu haben. Das gelang ihm auch mit seinen zahlreichen Psalmvertonungen, deren Texte aus dem Alten Testament stammen. In den Jahren von 1830 bis 1835 schuf er die Musik für den 115. Psalm („Non nobis Domine“). 1837 folgte die Vertonung des 42. Psalms „Wie der Hirsch schreit“, welche der Komponist selbst für eines seiner gelungensten Stücke hielt – und auch Robert Schumann sah darin die „höchste Stufe, die die neuere Kirchenmusik überhaupt erreicht hat“ und lobte die geniale Mischung aus musikalischer Kraft und Innerlichkeit.

Arvo Pärt (*1935)

Der 1935 in Estland geborene und 1980 ausgebürgerte Komponist bekam zu Zeiten der Sowjetunion nur schwer Zugang zu den musikalischen Entwicklungen in der westlichen Welt und war den ideologischen und kulturellen Zielsetzungen der kommunistischen Partei unterworfen. Deshalb erregte er mit seinem zwölftönigen Werk „Nekrolog“ das Missfallen der Behörden, die in ihm einen „gefährlichen“ Komponisten erkannten. Als Tonmeister beim estnischen Rundfunk schrieb Pärt auch Filmmusik. Seine Lust am Experimentieren schlug sich in vielfältigen Kompositionstechniken nieder – wie Zwölftonmusik, Klangflächentechnik, Aleatorik und vor allem Collagetechnik mit Zitaten und Stilkopien. Sein Werk „Credo“, mit dem er offen Bekenntnis zum Christentum ablegte, wurde als politische Provokation gewertet, weshalb er noch schärfer beobachtet und bevormundet wurde. Pärt ging daraufhin in die innere Emigration und wandte sich auf der Suche nach der ihm eigenen musikalischen Sprache dem Studium der mittelalterlichen Musik zu; er wollte „neu gehen lernen“. Die Zeit des Verstummens dauerte bis 1976, dann meldete er sich mit einem neuen Kompositionsstil, den er „Tintinnabuli“ (lat. Glöckchen) nannte, zurück: „Ich arbeite mit einer sehr geringen Anzahl von Elementen – mit einer Stimme, mit zwei Stimmen. Ich baue sie aus den primitivsten Materialien auf: mit dem Dreiklang, mit einer bestimmten Tonalität. Die drei Noten eines Dreiklangs sind wie Glocken.“ Diese reduzierte, kontemplative Kompositionstechnik fand ihren ersten Niederschlag in dem Klavierstück „An Alina“, in dem „Cantus in memoriam Benjamin Britten“ und in dem Werk „Fratres“.
„Musik mit Seele“ – so bezeichnet Arvo Pärt die Zeit der gregorianischen Gesänge, die er oft in seinem spirituellen Stil reflektiert. Sein 1991 entstandenes Stück „Silouan’s Song“ basiert auf einem Gebet des Heiligen Silouan, dessen Schriften von großer poetischer Kraft sind. Pärt übertrug die Zeilen dieses Mönches und Mystikers allerdings in den Duktus eines reinen Streicherensembles – die meditative Musik spricht hier also aus den Worten, die sie in sich birgt: „Meine Seele sehnt sich nach dem Herrn, und unter Tränen suche ich ihn.“ Der Titel des 1986 komponierten Werkes „Festina lente“ leitet sich aus dem Oxymoron „Eile langsam“ ab, das von verschiedenen historischen Persönlichkeiten verwendet wurde. Der Name kann als verschlüsselter Hinweis auf Form und Bedeutung der Komposition verstanden werden. Sie wurde nach dem Prinzip eines Proportionskanons verfasst: Drei Instrumentengruppen beginnen gleichzeitig zu spielen, tragen die Melodie aber in drei verschiedenen Tempi vor. Die am schnellsten gespielte Melodie wird sieben Mal wiederholt. Nach einer kurzen Coda verblasst die Musik und verklingt ins Nichts. Das Werk „Psalom“ entstand 1995 in der Streichorchester-Version und ist vom lobpreisenden 113. Psalm des Alten Testaments inspiriert. Das in Pärts Glöckchen-Stil ausgeführte Geschehen ordnet die unbetonten Silben (der mitgedachten Verse) der Melodie, die betonten Silben dem ihr zugeordneten Terzgang zu. „Beide Elemente“, so der Komponist, „existieren unabhängig von der Bedeutung des Wortes.“

Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 30.05.2024 21:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn