Kölner Philharmonie

Wiener Philharmoniker

Frank Peter Zimmermann
Foto: Hänssler
Frank Peter Zimmermann
Foto: Hänssler

Konzert - Elgar & Dvorák

Frank Peter Zimmermann, Violine
Daniel Harding, Dirigent



Edward Elgar (1857 - 1934)
Konzert für Violine und Orchester h-Moll op. 61

Edward Elgar wurde 1857 in der Nähe von Worcester, einem durch sein Porzellan und die gleichnamige Sauce bekannten Ort in der mittelenglischen Grafschaft Hereford and Worcester, als Sohn eines Klavierstimmers und Musikalienhändlers geboren. Obwohl er keine geregelte musikalische Ausbildung erhielt und sich seine Kenntnisse und Fertigkeiten auf dem Gebiet der Musik autodidaktisch aneignen musste, konnte er sich schon mit jungen Jahren als Geiger, Organist, Fagottist, Dirigent und Musiklehrer seinen Lebensunterhalt verdienen. Nebenher komponierte er auch. Doch bis zum Jahre 1890 - er war damals dreiunddreißig - war er in seinen kompositorischen Bemühungen wenig erfolgreich. Auch ein Umzug in die Musikmetropole London brachte nicht den erhofften Durchbruch, und nach einem guten Jahr kehrte Elgar mit seiner Frau in die Provinz zurück aus der er stammte. In den folgenden Jahren erarbeitete er sich unter dem Einfluss der Musik von Johannes Brahms und Richard Wagner die Grundlagen eines persönlichen Stils, der ihn zum ersten englischen Komponisten von europäischem Rang nach Henry Purcell (1659 - 1695) machen sollte. Elgars Violinkonzert in h-moll – das erste wirkliche wichtige Violinkonzert eines Engländers – wurde Fritz Kreisler gewidmet, der die Uraufführung spielte. Die Partitur fängt mit einer Eintragung in spanischer Sprache an: „Aquí está encerrada el alma de ......“ („hier ist die Seele von ...... verwahrt“). Manche behaupten, dass Elgar dabei an Alice Stuart-Wortley, Tochter des englischen präraphaelitischen Malers Millais, gedacht hat. Zu diesem Zeitpunkt war sie nämlich Elgar und seiner Musik eng verbunden. Entscheidenden Anteil an der Entstehung des Werkes hatte jedoch auch W. H. Reed, der Konzertmeister des London Symphony Orchestra. Das Konzert ist ein schwieriges Virtuosenstück, in seinem Ausmaß dem Beethoven'schen Konzert ähnlich, dennoch reicher in seiner Instrumentierung. Der Allegro-Kopfsatz hebt mit einem ausgedehnten Orchestervorspiel an, in dem Elgar nicht weniger als sechs thematische Hauptgedanken vorstellt. Der langsame Satz (Andante) strahlt eine besondere Schönheit aus, und ist zweifellos das emotionale Herzstück des Konzerts, während das Allegro molto des Schlusssatzes ein einmaliges und zauberhaft wirkendes Merkmal beinhaltet - eine begleitete Cadenza, bei der die Streicher angewiesen sind, die pizzicato tremolando Passage mit den Weichteilen dreier Finger zu trommeln, während die Violine über Ideen, die aus den früheren Sätzen stammen, lange reflektiert. Edward Elgars Violinkonzert in h-Moll, op. 61, ist eine seiner längsten Orchesterkompositionen und das letzte seiner Werke, das einen unmittelbaren Publikumserfolg erzielte. Unter den Geigern gilt es wegen der ständigen Mehrfachstopps, der schnellen und unorthodoxen Saitenübergänge und der massiven, schnellen Verschiebungen auf dem Instrument als eines der schwersten Konzerte dieser Gattung.
Spieldauer; ca. 50 Min.

Antonín Dvorák (1841 – 1904)
Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 B 178
»Aus der Neuen Welt«

Antonín Dvorák gilt neben dem um eine knappe Generation älteren Bedrich Smetana als wichtigster Vertreter der tschechischen Nationalmusik im 19. Jahrhundert. Er wurde 1841 in Nelahozeves geboren, einem kleinen an der Moldau gelegenen Dorf nördlich von Prag. Nach einer zweijährigen Ausbildung an der Prager Orgelschule erhielt er das Abschlussdiplom und fand in Prag Unterkommen bei Verwandten. Seinen Unterhalt verdiente er als Mitglied einer Musikkapelle, die hauptsächlich Unterhaltungs- und Tanzmusik spielte. Mit der ganzen Kapelle wechselte Dvorák nach einiger Zeit zum Prager Interimstheater, spielte dort zwölf Jahre die erste Bratsche und lernte dabei die damals gängige Opern- und Konzertliteratur kennen. Auch die Uraufführung der „Verkauften Braut“ erlebte Dvorák als Bratscher im Orchestergraben. Seit 1862 komponierte er Kammermusik, Opern, Kantaten und Sinfonien – seit Ende der 1870er Jahre auch mit zunehmendem äußeren Erfolg, der es ihm erlaubte, sich ein Sommerhaus in Südböhmen zu kaufen, in dem er mit seiner Familie die Sommermonate zu verbringen pflegte. Seit 1891 wirkte Dvorák als Kompositionslehrer am Prager Konservatorium, im gleichen Jahr erhielt er sowohl von der tschechischen Universität Prag wie auch von der Universität Cambridge die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Von 1892 bis 1895 weilte Dvorák als Direktor des New Yorker Konservatoriums in den Vereinigten Staaten und komponierte dort unter anderem seine berühmteste Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Dvoráks letzte Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der Neuen Welt“ verdankt ihren originalen Untertitel nicht nur dem Umstand, dass sie das erste Werk ist, das der Komponist während seines Amerika- Aufenthaltes komponierte, sondern auch ihrem programmatischen Charakter, den Dvorák in einem Brief an einen Freund folgendermaßen bestimmte: „Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir, vor allem soll ich ihnen den Weg ins gelobte Land und in das Reich der neuen, selbstständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Kunst schaffen.“ Grundlage dieser nationalen Kunst müssten die Lieder der Indianer und vor allem der schwarzen Bevölkerung Amerikas sein. Wie sehr Dvorák die Erwartungen des amerikanischen Publikums erfüllte, zeigt die Reaktion der Presse auf die enthusiastisch aufgenommene Uraufführung der neunten Sinfonie am 16.12.1893 in der Carnegie Hall in New York. Von einer „Studie nationaler Musik“ war die Rede, „deren Themen durchdrungen sind vom Geist der N****- und Indianermelodien“. Zweifellos wird amerikanisches Kolorit in manchen Themen deutlich: in der Pentatonik der Melodien, in den synkopierten Rhythmen der Folklore-Anleihen, in bestimmten harmonischen Wendungen. Ebenso sehr bleibt Dvorák aber auch in seiner „amerikanischen“ Sinfonie seiner böhmischen Heimat und ihrer Volksmusik verpflichtet. Vielleicht verdankt die Sinfonie ihren fortdauernden Erfolg gerade der Tatsache, „dass der Komponist es verstanden hat, in seine unverwechselbare böhmische Muttersprache - sozusagen als Lehnwörter - das folkloristische Vokabular des Gastlandes zu integrieren“ (Kohlhase). Formal bietet die Sinfonie wenig Besonderheiten. Als Formmodell bleibt die Sonatenhauptsatzform für den Kopfsatz und das Finale bestimmend, während die Mittelsätze die übliche dreiteilige Gliederung aufweisen. Ungewöhnlich ist allerdings die im Kopfsatz (Adagio - Allegro molto) vorangestellte langsame Einleitung (Adagio), die den melancholischen Tonfall mancher späteren Teile der Sinfonie vorwegnimmt. Durch Themenwiederholungen erhalten Exposition und Reprise einen großen Umfang, während der Durchführungsteil des Kopfsatzes demgegenüber relativ knapp ausfällt. Mit am stärksten zur Popularität der neunten Sinfonie hat der zweite Satz (Largo) beigetragen. Die elegische Melodie des Englischhorns, das hier als führendes Instrument figuriert, der exponierte Einsatz der weich gestimmten Hörner, ein Mollteil, der eine von Seufzermotiven geprägte Melodik aufweist, all dies verdichtet sich zu einer stimmungsgeladenen Musik, die immer wieder auch Erklärungen einer programmatisch gemeinten Bedeutung provoziert hat. Von eigenem Reiz ist der Beginn des dritten Satzes, eines Scherzos (Molto vivace). Ein kurzes Thema wird viele Takte hindurch allein durch ein rhythmisches Ostinato der Streicher begleitet, vielleicht die kompositorische Imitation eines Indianertanzes. Der zweite Themenabschnitt und das Trio hingegen kehren ganz die böhmischen Charakteristika der Sinfonie hervor. Im Finalsatz (Allegro con fuoco) wird die thematische Verknüpfung der einzelnen Sätze noch einmal besonders sinnfällig, denn in dem Durchführungsteil dieses Satzes
werden die Hauptthemen aller drei vorangegangenen Sätze einbezogen. Gegen Ende des Satzes werden sie sogar alle noch einmal ausdrücklich zitiert, so dass der Zuhörer damit eine Rekapitulation der wundervollen Sinfonie erhält.
Spieldauer: ca. 40 - 45 Min.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 30.05.2024 21:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn