Kölner Philharmonie

Les Siècles

Isabelle Faust & Alexander Melnikov
Foto: Marco Borggreve
Isabelle Faust & Alexander Melnikov
Foto: Marco Borggreve

Konzert - Ligeti & Mozart
Alexander Melnikov wird das Konzert am 24. September um 18 Uhr leider nicht spielen können. Für ihn übernimmt Jean-Frédéric Neuburger den Solopart in György Ligetis Klavierkonzert. Auch das restliche Programm des Kölner Sonntagskonzertes mit Isabelle Faust, François-Xavier Roth und Les Siècles bleibt unverändert.

Isabelle Faust, Violine
Jean-Frédéric Neuburger, Klavier
François-Xavier Roth, Dirigent


György Ligeti (1923 – 2006)

György Ligeti war ein österreichisch-ungarischer Komponist, der als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts und als populärer Repräsentant der Neuen Musik gilt. Er wurde am 28. Mai 1923 in Diciosânmartin (Siebenbürgen) im damaligen Königreich Rumänien geboren und verstarb am 12. Juni 2006 in Wien. Er hatte eine musikalische Ausbildung bei Sándor Veress, Pál Járdányi, Lajos Bárdos und Ferenc Farkas in Musiktheorie und Orgel am Konservatorium von Cluj, das durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch von 1940 inzwischen wieder zu Ungarn gehörte. Nach Abschluss des Kompositionsstudiums an der Budapester Musikhochschule (1949) wurde Ligeti an eben dieser Hochschule Lehrer für Musiktheorie. Nach dem Ungarnaufstand im Herbst 1956 floh Ligeti nach Wien, folgte dann einer Einladung Stockhausens nach Köln, wo er im Studio für elektronische Musik des WDR arbeitete und wurde als Mitarbeiter der Darmstädter Ferienkurse für neue Musik bekannt mit den Protagonisten der seriellen Musik. Ligeti ließ sich in Wien nieder und bekam seit 1967 die österreichische Staatsbürgerschaft. In den sechziger Jahren hielt er Kompositionskurse ab. 1973 wurde er zum Professor für Komposition an der Musikhochschule in Hamburg ernannt. Ligeti gilt als einer der bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts und als ein Erneuerer der Neuen Musik. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Ligeti durch die Verwendung seiner Musik im Film „2001: Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick.

Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten
Das Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten wurde zwischen 1969 und 1970 komponiert und am 1. Oktober 1970 von Friedrich Cerha, dem das Stück gewidmet ist, und seinem Ensemble "die reihe" uraufgeführt. Das Werk besteht aus vier Sätzen: I. Corrente (Fließend), II. Calmo, sostenuto, III. Movimento preciso e mecanico und IV. Presto. Es ist für Flöte (mit Piccoloflöte), Oboe (mit Englischhorn und Oboe d'amore), Klarinette, Bassklarinette, Horn, Tenorposaune, Cembalo (mit Harmonium), Klavier (mit Celesta) und Streichquintett geschrieben. Die Komposition verwendet mikropolyphone Texturen, die Ligeti folgendermaßen beschreibt: "Eine klar erkennbare Intervallkombination verschwimmt allmählich, und aus dieser Trübung kann man eine neue Intervallkombination erkennen, die Gestalt annimmt." Es zeigt jedoch auch eine Abkehr von dieser Art des Komponierens in Ligetis Musik und eine Hinwendung zu einem eher melodischen, eklektischen Stil. Das Werk fesselt Interpreten und Zuhörer unmittelbar und direkt, obwohl es extrem komplex ist. Ligeti behandelt darin jedes Instrument wie einen Solisten, so dass jeder einzelne Musiker im Ensemble dankbare Aufgaben hat. Ligetis Idee der Polymetrik und deren Umsetzung ist auf einfache Weise genial: Die Parallelität unterschiedlicher Tempi, hier kombiniert mit „superschnellen solistischen Aktionen“ (Ligeti), erzeugt genau den einzigartigen, immer wieder atemberaubenden schwebend-irisierenden Ligeti-Sound , für den der Komponist bis heute bewundert und verehrt wird.
Spieldauer: ca. 20 Min

Konzert für Klavier und Orchester
Ligetis Konzert für Klavier und Orchester ist eine wegweisende und avantgardistische Komposition des 20.Jahrhunderts, die zu den bedeutendsten Werken des ungarisch-österreichischen Komponisten gehört. Ligeti komponierte dieses Stück zwischen 1985 und 1988 und es wurde 1988 uraufgeführt. Das Werk ist bekannt für seine unkonventionelle Herangehensweise an die Musik und seine avantgardistische Klangwelt. Ligeti löst sich in diesem Werk von traditionellen harmonischen und rhythmischen Strukturen und erforscht stattdessen neue Klangdimensionen und Klangfarben. Er beschreibt das Stück als sein „ästhetisches Credo“, was bedeutet, dass er bei der Komposition keine äußeren oder stilistischen Zwänge beachtete und stattdessen seine künstlerische Vision uneingeschränkt umsetzte. Das Werk besteht aus fünf Sätzen, die nahtlos miteinander verschmelzen und eine Gesamtdauer von etwa 25 Minuten haben. Während des gesamten Konzerts werden sowohl das Klavier als auch das Orchester herausgefordert, innovative Spieltechniken und Klangexperimente einzusetzen. Dies führt zu einer Tour de Force voller pianistischer Entdeckungen und unerwarteter Klanglandschaften. Der erste der fünf Sätze wurde von dem Ligeti-Experten Richard Steinitz als „eine schillernde Collage aus simultanen, aber separaten Prozeduren“ beschrieben - ein „launisches Kaleidoskop..., das auf Instabilität basiert“. Der zweite Satz bildet hierzu einen beträchtlichen Kontrast, wie schon die Vortragsanweisung Lento e deserto zeigt. Hier wird die Musik langsam und zurückhaltend und kann als ruhiger Gegenpol zu der vorherigen rhythmischen Intensität betrachtet werden. Auch wenn das fließende Vivace cantabile des dritten Satzes eine ganz andere Art der Bewegung präsentiert als das Lento, macht sich auch hier die Melancholie des zweiten Satzes bemerkbar. Der vierte Satz ist der fragmentarischste von allen. Ligeti selber wies auf seine fraktale Dimension hin - „dieselbe Formel, dieselbe Abfolge in verschiedenen Gestalten wiederholt“ doch die Musik kontert die Ähnlichkeiten auf verwirrende Weise mit gebrochenen Phrasen und immer härter werdendem Ausdruck. Erst in dem frisch fließenden, brillant instrumentierten Finale kehrt ein wenig von der Euphorie des Konzertbeginns zurück, auch wenn es dieser frohgemuten „Jam-Session“ angemessen erscheint, mit einem Auftakt zu schließen – als sei sie sich nicht sicher, ob das Ende positiv oder negativ sein solle. Das Konzert für Klavier und Orchester von Ligeti ist ein bedeutendes Werk der zeitgenössischen Musik, das Pianisten und Zuhörer gleichermaßen fasziniert und herausfordert. Es ist ein Meilenstein in Ligetis Gesamtwerk und hat seinen Platz im Repertoire vieler Pianisten und Orchester auf der ganzen Welt gefunden.
Spieldauer: ca. 25 Min.


Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

Konzert für Violine und Orchester Nr. 3 G-Dur KV 216
Unter den fünf Konzerten, die der junge Mozart als Konzertmeister der Salzburgischen Hofkapelle zwischen April und Dezember 1775 für die Violine komponierte, gelten das vierte in D-Dur (KV 218) und das fünfte in A-Dur (KV 219) unbestritten als Meisterwerke. Zudem tragen sie das Zeichen des Endgültigen, weil Mozart anach keine weiteren Violinkonzerte mehr schrieb. Doch auch das heute Abend zu hörende dritte Konzert gehört zu den besten Werken der Gattung Violinkonzert, hat seine Entstehungszeit überdauert und ist im Konzertrepertoire lebendig geblieben. Dieser erste Satz „Allegro“ ist der formalen Anlage nach dreiteilig und eröffnet das Konzert mit einer bezaubernden Melodie, die von der Violine vorgestellt wird. Die Musik ist voller Energie und zeigt Mozarts Fähigkeit, elegante Melodien mit virtuoser Technik zu verknüpfen. Der zweite Satz ist ein langsames, bewegendes Adagio. Hier zeigt Mozart seine lyrische Seite, und die Violine singt eine anrührende Melodie, begleitet von einem einfühlsamen Orchester. Dieser Satz ist das emotional Zentrum des Werkes. Der Schlusssatz (Allegro) in Form eines Rondos trägt ausgesprochen humoristische Züge. Auf das aus zweimal acht Takten bestehende Thema, vom kompletten Orchester vorgetragen, folgt nach einem weiteren Tutti-Abschnitt der längst überfällige Einsatz der Solovioline. Nach der Wiederholung des Themas erwartet man eigentlich eine weitere Episode. Statt dessen wechseln Takt, Tempo und Stimmung. Es erklingt ein serenadenartiges Andante in g-Moll. Doch dieses verstummt bald, und an seine Stelle tritt ein übermütiger „Gassenhauer“. Nach diesem übermütigen Intermezzo folgt wieder der Übergang zum anfänglichen Rondo. Der Abschluss des Satzes erscheint dann fast etwas hastig und überstürzt.
Spieldauer: ca. 20 Min.

Sinfonie D-Dur KV 385 »Haffner-Sinfonie«
Wenige Tage nach der Uraufführung seines Singspiels "Die Entführung aus dem Serail" am 16. Juli 1782 übernahm Mozart auf Bitten seines Vaters den Auftrag einer neue Serenade für die hoch angesehenen Familie Haffner in Salzburg. Dies geschah anlässlich der Nobilitierung des Sohnes Sigmund Haffner. Als „neu“ wusste diese Serenade deswegen gelten, weil Mozart bereits sechs Jahre zuvor anlässlich der Hochzeit der Tochter der Familie eine Serenade komponiert hatte, nämlich das später als Haffner-Serenade bekannt gewordene Stück (KV 250). Die schließlich nach Salzburg übersandte sechssätzige Serenade kürzt Mozart ein halbes Jahr später um zwei Sätze, gleichzeitig steigert er die Bedeutung der Ecksätze durch Hinzunahme von Klarinetten und Flöten und gewinnt so die Haffner-Sinfonie in der bekannt gewordenen Form. Das einleitende Allegro con spirito baut nach dem Vorbild Haydns im wesentlichen auf einem einzigen Thema auf,
das von einigen Nebengedanken umspielt wird. Flöten und Klarinetten werden in erster Linie zur Unterstützung der festlichen Grundstimmung des Satzes eingesetzt. Der in der handschriftlichen Partitur erst von späterer Hand als Andante bezeichnete langsame zweite Satz trägt ebenfalls Haydnsche Züge. „Die serenadische Frohlaune offenbart sich in den tänzelnden Geigen-Figuren, die wie im heimlichen Dialog die Melodie verspinnen und weitertragen“ (Theodor Kroyer). Die Heiterkeit des Wiener Liedes prägt das Menuetto, besonders sein Trio. Das Thema des Finale Presto steht der kurz zuvor entstandenen „Entführung“ nahe, indem es auf die bekannte Arie des Osmin zurückgreift „Ha, wie will ich triumphieren...“ Dieses Finale muss - so schreibt Mozart - „so geschwind als möglich gehen“.
Spieldauer: ca. 18 Min.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 30.05.2024 21:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn