Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1

Ines

Katharina Schmitt | Regie
Foto: Merav Maroody
Katharina Schmitt | Regie
Foto: Merav Maroody

Oper in einem Prolog und fünf Bildern Libretto von Katharina Schmitt Uraufführung
Oper - Ondrej Adámek
Eine Liebesgeschichte und die Welt nach einer Atomkatastrophe

Ein junger Mann, eine Frau, die an einer ungeklärten Krankheit stirbt, von fremden Stimmen besessene Figuren – eine Liebesgeschichte und die Welt nach einer Atomkatastrophe.

Ausgehend von der INES-Skala, die zur Festlegung von Störfällen in Kernkraftwerken gilt (International Nuclear and Radiological Event Scale), entwickeln der Komponist Ondr?ej Adámek und die Librettistin und Regisseurin Katharina Schmitt mit „INES“ in ihrer zweiten gemeinsamen Arbeit ein Musiktheaterstück am Ende des Anthropozäns.

O wird von einer unbändigen Trauer erfüllt, denn seine Geliebte E ist tot. Er kann sie nicht mehr hören, sich nicht mehr an ihr Gesicht erinnern und will am liebsten selbst zum Schatten werden.

Der Orpheus-Mythos, der mit Monteverdis „L’Orfeo“ die Form der Oper selbst begründete, erzählt zugleich eine der berührendsten Liebesgeschichten aller Zeiten – die Geschichte von Orpheus, der seine Geliebte Eurydike an das Reich der Schatten verliert, dem es jedoch gelingt, mit seinem Gesang Pflanzen und Tiere, sogar die Götter zu bezwingen und Eurydike aus der Unterwelt zu holen. Auf dem Weg zurück ans Licht dreht sich Orpheus, trotz eines Verbots, nach Eurydike um und verliert sie ein zweites Mal.

Zwischen absoluter Stille und ohrenbetäubendem Lärm, Atomwinter und Hitze, gleißendem Licht und absoluter Dunkelheit singen die Figuren in „INES“ über menschliche Grenzen und die Schwierigkeiten, diese zu überwinden. Ondr?ej Adámek lässt uns dabei hören, wie sich die Stimme, ja alle menschlichen Sinne durch den atomaren Unfall verändern, wie O von der Sprech- zur Singstimme findet und E ins Stimmenmeer im Jenseits zerfällt. Auch die Einheit von Ort und Zeit scheint aufgelöst, die Liebenden auf ewig voneinander getrennt. Denn während O sich in der linear ablaufenden Zeit der Lebenden befindet, geht E in der Zeitlosigkeit der Toten auf und muss mitansehen, wie ihr Körper zur unbeweglichen und durchsichtigen Hülle wird.

Als große Choroper konzipiert, weist „INES“ über das Prinzip des Einzelnen hinaus, wie uns Katastrophen seit jeher als Kollektiv unmittelbar betreffen und sich Themen wie Erinnerung, Traumata, Vergessen und Tod stetig wiederholen.

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Letzte Aktualisierung: 22.02.2024 21:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn