Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1

Die Frau ohne Schatten

Die Frau ohne Schatten
Foto: Matthias Jung
Die Frau ohne Schatten
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Die Frau ohne Schatten
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Die Frau ohne Schatten
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Oper in drei Akten von Richard Strauss Libretto von Hugo von Hofmannsthal
Oper - Richard Strauss

Inszenierung: Katharina Thoma
Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Irina Bartels
Video: Georg Lendorff

Personen der Handlung:
Der Kaiser
Die Kaiserin
Die Amme
Der Geisterbote
Der Hüter der Schwelle des Tempels
Die Stimme des Jünglings
Der Falke
Stimme von oben
Barak, der Färber
Die Färberin
Baraks Brüder (Der Einäugige, der Einarmige, der Bucklige)
Stimmen der Wächter
Kinderstimmen, Dienerinnen
Ort und Zeit der Handlung: Märchenland zur Märchenzeit

1. Akt:
Dröhnend klingen die Schritte des Geisterfürsten Keikobad, dem Vater der Kaiserin, die die Amme aufschrecken lassen. Doch ihr zeigt sich nicht der Fürst selbst, sondern sein Bote, um sie zu mahnen, dass sie nach elf Monden noch einen Mond Zeit hat, bis die Kaiserin einen Schatten wirft, also vermenschlicht und somit fruchtbar ist. Sonst müsse sie zurückkehren zu ihrem Vater und ihr Geliebter, der Kaiser, würde für immer versteinern. Die Amme, die alles Menschliche hasst, wünscht sich nichts mehr, als endlich vom Hof des Kaisers in ihre Welt zurückzukehren. Ihr Gehorsam zwingt sie jedoch der Kaiserin zu dienen. Der Falke erscheint und berichtet der Kaiserin vom drohenden Unheil und versetzt sie in Panik. Auf Drängen der Kaiserin nutzt sie mit der Amme die Gunst der Stunde, als der Kaiser auf der Jagd ist, und fliegt zur Erde. Sie gelangen in das Haus des Färbers Barak und seiner Frau. Die Färberin lässt sich von den Gästen umschmeicheln und nimmt diese als ihre Dienerinnen auf. Barak, der von seinen drei missgebildeten Brüdern und seiner giftigen Frau drangsaliert wird, wünscht sich nichts sehnlicher als ein schönes Familienleben, doch will die Färberin ihm keine Kinder schenken. Die Amme bietet der Färberin ein Leben in Reichtum an, wenn diese ihren Schatten und ihre ungeborenen Kinder abtritt. Die Färberin gefällt sich in der Rolle einer Frau mit Bediensteten, verweist ihren Mann des gemeinsamen Schlafzimmers und ist interessiert den Pakt einzugehen, den die Kaiserin zwiespältig sieht, bemerkt sie doch das Leid Baraks. Dieser kauert sich traurig zusammen, während die Wächter der Stadt einen Choral auf die Liebe singen.

2. Akt:
Die Amme verfolgt weiter ihren Plan den Schatten der Färberin zu gewinnen. Während Barak auf den Markt geht, zaubert sie einen Jüngling herbei und suggeriert der Färberin, dass sie auf Barak nicht angewiesen sei. Barak kehrt heim und bringt üppig Essen vom Markt mit. Der Jüngling verschwindet, der Färberin kommen Zweifel. Währenddessen bemerkt der Kaiser, dass Amme und Kaiserin heimlich den Palast verlassen haben, und er wittert Betrug. Die Eifersucht versetzt ihn in Raserei und er will die Kaiserin töten, kann dies jedoch nicht. Mittlerweile hat die Amme Barak ein Schlafmittel eingeflößt und dieser bleibt mit der Kaiserin allein zurück, während die Amme weiter an der Einwilligung der Färberin arbeitet. Barak schreckt auf, findet nur die Kaiserin vor, die tiefes Mitleid für ihn empfindet. Beide schlafen wieder ein und die Kaiserin träumt, ihr Mann sei versteinert und sie sei schuld daran.
Die Amme kehrt wieder zurück und mit ihr die Färberin. Diese verliert die Nerven und behauptet, sie habe eine Affäre mit dem Jüngling und gesteht, dass sie ihren Schatten verkaufen will. Barak und seine Brüder sind in heller Aufregung. Er befiehlt, sein Weib zu töten, da es irre geworden sei, und es wird immer turbulenter. Die Amme weiß sich nur noch mit Zauberei zu helfen. Der Himmel verdunkelt sich und plötzlich bricht ein mächtiger Fluss in das Haus und spült alle weg.

3. Akt:
Barak und sein Weib irren in unterirdischen Gefilden, ohne dass sie sich sehen. Der Gesang über ihre Liebe lässt das entzweite Paar ihre Fehler bereuen. Derweil ist die Kaiserin in das Geisterreich zurückgekehrt und erwartet das Gericht über den Kaiser. Die Amme will ihr folgen, doch die Kaiserin ist von der Boshaftigkeit und Janusköpfigkeit der Amme entsetzt und sagt sich von ihr los. Die Kaiserin betritt das Geisterreich, wo ihr Vater Keikobad nun über sie Gericht halten soll. Die Amme bleibt zurück und versucht zu verhindern, dass das Färberpaar zueinanderkommt. Als die Amme schließlich doch der Kaiserin folgen will stellt sich ihr der Geisterbote in den Weg und verkündet ihr ewige Verdammnis in der so verhassten Menschenwelt. Am Quell des Lebens findet sich die Kaiserin ein. Sie muss ansehen, wie die drohende Versteinerung des Kaisers immer näher rückt. Sie muss sich entscheiden, ob sie vom Wasser trinkt und einen Schatten erhält oder ob der Kaiser versteinern muss. Sie entscheidet sich gegen das Wasser. In dem Moment versagt die Versteinerung und zugleich wirft die Kaiserin einen Schatten, denn durch ihr Mitgefühl hat sie bewiesen, dass sie menschlich fühlen kann und in ihrer Fürsorge Mutter sein kann. Keikobad straft seine Tochter und ihren Geliebten nicht. Die Färberleute finden wieder zusammen und der Chor der ungeborenen Kinder jubelt aus der Ferne über die beiden glücklichen Paare.

Zum Werk:
Zu Unrecht bleibt die "Frau ohne Schatten" (oder "Fr. o. Sch.", wie Kenner sie gerne abkürzen) in den Spielplänen hinter den anderen Opern der kongenialen Zusammenarbeit von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal zurück. "Elektra" überzeugt durch ihre drastische Geschichte, „Ariadne“ durch die charmante Vermengung von Komik und Dramatik, der "Rosenkavalier" durch seinen Esprit und seine Leichtigkeit. Und die "Frau ohne Schatten"? Märchenhaft, rätselhaft, vermeintlich ohne jegliche Relevanz attestierten Kritiker Strauss, dass er mit dem 1919 uraufgeführten Werk jeglichen Anschluss an den Zeitgeist verloren habe. Dabei ist diese Einschätzung kaum wahr, denn die Musik, die Strauss geschrieben hat, ist vielleicht das Opulenteste und Farbenreichste des Komponisten und stilistisch ein Strauss in Reinkultur. "In diesem Orchester birgt sich das Märchen." gab der Strauss-Kritiker Julius Korngold aber letztlich doch zu, und in der Tat entfaltet die Musik schon in den ersten Takten ihren rauschhaften Sog, wenn das mächtige Motiv des Geisterfürsten Keikobad erklingt – vielleicht die einzige Figur in einer Oper, die ausschließlich durch das Orchester spricht und existiert und niemals die Bühne betritt. Dabei haben die agierenden Personen auf der Bühne die vielleicht anspruchsvollsten Partien der Operngeschichte zu bewältigen: Die Amme, die ihre Doppelzüngigkeit immer wieder durch halsbrecherische Phrasen und Tonsprünge zeigt und in dämonischer Tiefe leuchten kann, die Kaiserin, die raffinierte Koloraturen perlen lässt und das Färberpaar, das immer wieder zwischen der Einfachheit ihrer Figuren und den hohen Anforderungen des Komponisten und seines Riesenorchesters seinen musikalischen Platz finden muss. Apropos Farbigkeit im Orchester: Auch hier gibt es Ungewöhnliches, und so erklingen nach der Szene, in der die Kaiserin das Lebenswasser abgelehnt hat, eine Glasharfe und eine Glasharmonika - ein berückender Klang, wie nicht von dieser Welt. Aber die „Frau ohne Schatten“ ist auch inhaltlich weit mehr als ein buntes Märchen und schon gar nicht belanglos. Die Geschichte ist freilich etwas verklausuliert und so geht es nicht (nur) um das Erlangen von Fruchtbarkeit, sondern um das Erlangen von Mitgefühl, von Menschlichkeit und durchaus auch um die Frage, wie Menschen einander begegnen und wie Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Die Kaiserin muss die schwere Frage beantworten, ob sie ihr eigenes Glück über das von anderen stellt, ob sie verhindert, dass andere glücklich werden. Sie entscheidet mitfühlend, und gerade das ist es, was in diesem Werk die wahre Vermenschlichung ausmacht. Ein Gedanke, von dem man sich wünscht, dass er auch heute häufiger gedacht würde.




Sebastian Jacobs

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Letzte Aktualisierung: 27.02.2024 12:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn