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Richard Wagner (1813–1883)

Siegfried

Zweiter Tag des Bühnenfestspiels "Der Ring des Nibelungen"

Siegfried | © Teresa Rothwangl
Siegfried | © Teresa Rothwangl

Inhalt

Libretto: Richard Wagner nach Stoffen der germanischen und nordischen
Sagenüberlieferung, insbesondere der Völsunga-Saga, der Edda, der Thidrekssaga
und des mittelhochdeutschen Nibelungenlieds

Musikalische Leitung: Felix Bender
Inszenierung: Paul-Georg Dittrich
Bühne: Pia Dederichs / Lena Schmid
Kostüme: Mona Ulrich
Licht: Andreas Grüter
Dramaturgie: Stephan Steinmetz

Personen
Siegfried, Sohn Siegmunds und Sieglindes
Mime, Ein Nibelung und geschickter Schmied, der Siegfried aufzieht.
Der Wanderer, Wotan, der oberste Gott, der sich auf seiner Wanderung durch die Welt als Beobachter zurückgezogen hat
Alberich, Mimes Bruder und ehemaliger Besitzer des Rings.
Fafner, Der einstige Riese, der sich nach dem Erwerb des Rheingoldschatzes in einen Drachen verwandelt hat und den Ring bewacht.
Erda, Verkörperung uralter Weisheit und des Wissens um die Zusammenhänge der Welt.
Brünnhilde, Walküre und Tochter Wotans.
Ein Waldvogel

Handlung
Siegfried bildet den dritten Teil von Richard Wagners vierteiligem Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen. Während Das Rheingold und Die Walküre die Vorgeschichte der Götter- und Heldensaga erzählen, konzentriert sich Siegfried auf die Entwicklung des jungen Helden, der – ohne soziale Prägung und ohne Angst vor Autoritäten – zum Gegenpol der alten Weltordnung wird. Siegfried wächst bei Mime auf, der ihn zwar großgezogen hat, ihn jedoch zugleich für seine eigenen Ziele benutzen möchte. Um den von Fafner bewachten Ring zu gewinnen, benötigt Mime einen Helden, der den Drachen töten kann. Siegfried, der seine Herkunft nicht kennt und die Welt unmittelbar und instinktiv wahrnimmt, erkennt die Unaufrichtigkeit seines Ziehvaters und zwingt ihn, das Geheimnis des zerbrochenen Schwertes Nothung preiszugeben. Anders als Mime gelingt es ihm, dieWaffe seines Vaters Siegmund neu zu schmieden. Mit Nothung tötet Siegfried den Drachen Fafner und gelangt dadurch in den Besitz des Rings und des Tarnhelms. Durch das Blut des Drachen erhält er die Fähigkeit, die Sprache der Natur zu verstehen. Der Waldvogel warnt ihn vor Mimes Verrat und führt ihn schließlich zu Brünnhilde, die auf dem von Feuer umgebenen Felsen schläft. Auf dem Weg dorthin begegnet Siegfried dem Wanderer, hinter dessen Gestalt sich Wotan verbirgt. Der Gott versucht, den jungen Helden aufzuhalten, doch Siegfried zerbricht mit Nothung dessen Speer – ein symbolischer Bruch mit der alten göttlichen Ordnung. Schließlich durchquert Siegfried den Feuerkreis und erweckt Brünnhilde.
Ihre Begegnung bildet den emotionalen Höhepunkt der Oper: Zwei Figuren, die außerhalb der bisherigen Machtstrukturen stehen, erkennen in ihrer Liebe eine neue Möglichkeit menschlicher Existenz.

Entstehung und Wirkung
Die Entstehung von Siegfried ist eng mit Wagners lebenslangem Projekt des Ring des Nibelungen verbunden. Ursprünglich plante der Komponist lediglich ein Drama über den Tod Siegfrieds (Siegfrieds Tod). Während der Arbeit wurde ihm jedoch deutlich, dass die Vorgeschichte des Helden und die Ursachen der Handlung
umfassender dargestellt werden mussten. Daraus entwickelte sich zunächst Der junge Siegfried und schließlich die eigenständige Oper Siegfried als dritter Teil des Zyklus. Wagner begann die Komposition nach einer längeren Unterbrechung 1856, stellte die Arbeit jedoch 1857 nach dem zweiten Akt ein. In dieser Phase entstanden mit Tristan und Isolde und später Die Meistersinger von Nürnberg Werke, die seine musikalische Sprache entscheidend weiterentwickelten. Erst 1869 nahm Wagner die Arbeit an Siegfried wieder auf und vollendete die Oper 1871. Dadurch verbindet das Werk unterschiedliche Entwicklungsstufen seines Kompositionsstils. Die Uraufführung erfolgte 1876 im eigens errichteten Bayreuther Festspielhaus im Rahmen der ersten vollständigen Aufführung des Ring des Nibelungen. Musikwissenschaftlich gilt Siegfried als ein Schlüsselwerk für das Verständnis von Wagners Musikdrama. Die Oper zeigt besonders deutlich seine konsequente Weiterentwicklung der Leitmotivtechnik: Wiederkehrende musikalische Themen stehen nicht nur für Personen oder Gegenstände, sondern für abstrakte Ideen wie Macht, Schicksal, Erinnerung oder Erkenntnis. Die Motive verändern sich dabei im Verlauf der Handlung und erhalten durch neue Zusammenhänge immer wieder veränderte Bedeutungen.

Der Komponist und seine Musik
Richard Wagner gehört zu den einflussreichsten und zugleich umstrittensten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Sein Ziel war die Erneuerung des Musiktheaters durch die Verbindung von Musik, Dichtung, Schauspiel und Bühnenbild zu einem umfassenden Kunstwerk. Mit dem Begriff des „Gesamtkunstwerks“ ormulierte er ein Ideal, das die Trennung einzelner Kunstformen überwinden sollte. Musikalisch steht Siegfried zwischen romantischer Oper und modernem Musikdrama. Wagner löst traditionelle Nummernformen wie Arien und Ensembles zunehmend zugunsten eines durchkomponierten musikalischen Flusses auf. Das Orchester übernimmt dabei eine erzählerische Funktion: Es kommentiert nicht nur die Handlung, sondern macht innere Vorgänge und verborgene Bedeutungen hörbar. Gleichzeitig besitzt die Oper eine besondere klangliche Vielfalt. Die Schmiedeszene mit ihren markanten Rhythmen, das poetische „Waldweben“ und die große Begegnung zwischen Siegfried und Brünnhilde zeigen unterschiedliche Facetten von Wagners Tonsprache. Hinter der scheinbar einfachen Heldenhandlung steht ein komplexes philosophisches Modell: Der junge Siegfried verkörpert die Hoffnung auf einen Neubeginn, während Wotan und die Götterwelt für eine überholte Ordnung stehen. Damit nimmt Siegfried innerhalb des Ring des Nibelungen eine zentrale Stellung ein. Die Oper erzählt nicht nur die Geschichte eines Helden, sondern beschreibt den Übergang von einer von Macht und Besitz bestimmten Welt zu einer neuen Vorstellung von Freiheit und menschlicher Selbstbestimmung.

Genre:
Oper

Spielstätte

Opernhaus Köln
Offenbachplatz 1
50667 Köln
Linien 1, 7, 9, 136, 146 bis Haltestelle Neumarkt
Linien 3, 4, 5, 16, 18 bis Haltestelle Appellhofplatz

Die Eintrittskarte ist Fahrausweis im erweiterten VRS-Netz (2. Klasse) ab 4 Stunden vor der Veranstaltung bis Betriebsschluss in der Nacht.

Tickets & Termine

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