Inhalt
Marcel Johannes Kits, Violoncello
Maria Seletskaya, Dirigentin
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)
Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 (1788)
"Jupiter"
Mozarts letzte Sinfonie, entstanden in den Sommermonaten des Jahres 1788, bildet in ihrer Ausgewogenheit und musikalischen Geschlossenheit den Höhepunkt der klassischen Sinfonie vor Beethoven. Die Bezeichnung "Jupiter"-Sinfonie geht vermutlich auf Johann Peter Salomon, einen Konzertunternehmer und Geigenvirtuosen aus Bonn, zurück. Salomon ging 1781 nach London, wo er öffentliche Abonnementkonzerte organisierte. Als besondere Meisterleistung galt dabei immer der berühmte Finalsatz, dessen Coda fünf Themen kontrapunktisch miteinander verknüpft.
Das Hauptthema des Kopfsatzes "Allegro vivace" ist in sich dualistisch angelegt, kraftvoll beginnend und im zarten Streicherpiano antwortend. Die betonte Pause zwischen den beiden thematischen Bestandteilen wird im weiteren Fortgang des Satzes zu einem wichtigen Gestaltungselement, denn immer wieder bilden Pausen gliedernde Zäsuren für die musikalische Entwicklung. Zwei Seitenthemen treten zum Hauptthema, und an das zweite Seitenthema knüpft die Durchführung an. Eine Scheinreprise markiert den zweiten Teil der Durchführung, der besonders vom Kopfmotiv des Hauptthemas geprägt ist. Erneut taucht die Schlusswendung des zweiten Seitenthemas auf und führt schließlich zur "echten" Reprise. Den krönenden Abschluss des Satzes bilden einige festliche fanfarenartige Coda-Takte. Der zweite Satz "Andante cantabile" umfasst eine ganze Skala von musikalischen Empfindungen, von konzentrierter Innerlichkeit über leidenschaftliche und schmerzliche Trauer bis zum Erhabenen und Feierlichen. Formal ist auch dieser Satz als ein Sonatensatz gestaltet: Seine Besonderheit liegt darin, dass die Durchführung nach der zu wiederholenden Exposition nur 15 Takte umfasst, keinerlei motivisch-thematische Verarbeitung aufweist und dennoch die Funktion einer Durchführung voll erfüllt. Das folgende "Menuett (Allegretto)" fußt auf einem Thema voller sehnsüchtiger Chromatik und vermittelt doch den Eindruck schwereloser Grazie. Sparsame Fanfarenakzente gliedern den musikalischen Ablauf. Nach der Leichtigkeit seines Beginns überrascht das "Trio" in seinem Mittelteil durch energische Unterstreichungen, die das folgende Finalthema vorwegnehmen. Dieses Finale ("Molto allegro") gilt zu Recht als Mozarts bedeutendster und kunstvollster Sinfoniesatz. Hier gewinnt erstmals in der Geschichte der Gattung der Finalsatz eine gleichgewichtige, wenn nicht gar eine übergewichtige Stellung gegenüber dem Kopfsatz: "Mozart versucht und meistert darüber hinaus eine zuvor unlösbar erscheinende Aufgabe: die Synthese von Homophonie und Polyphonie, von Sonatensatz und Fuge, von Barock und Klassik oder - auf höchster Ebene - von "galant" und "gelehrt". Und das eigentliche Ereignis dieses Satzes ist nicht einmal die Tatsache, dass diese Aufgabe gelöst wird, sondern vielmehr auf welche atemberaubend selbstverständliche Art und Weise das alles geschieht: mit jener fast spielerischen, völlig gelösten Eleganz und Natürlichkeit, die höchste Kunstfertigkeit auf einmal ganz schlicht erscheinen lässt".(Werner-Jensen).
Text: Christoph Prasser
Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 – 1893)
Variationen über ein Rokoko-Thema A-Dur op. 33 (1876/77) für Violoncello und Orchester
Erst 1862 nach einer Ausbildung an der Rechtsschule in Petersburg und nach einer Tätigkeit als Verwaltungssekretär im Justizministerium begann Tschaikowsky mit seinen musikalischen Studien am Petersburger Konservatorium. Anton Rubinstein, der berühmte Pianist und Komponist, war einer seiner Lehrer. 1865 schloss Tschaikowsky seine Studien ab und begann im folgenden Jahr eine Tätigkeit als Kompositionslehrer am neu gegründeten Konservatorium in Moskau, die er zwölf Jahre lang ausübte. Während dieser Zeit entstand eine Reihe von Kompositionen, die Tschaikowsky viel Anerkennung eintrugen. Nach dem Scheitern seiner Ehe fand der Komponist die Unterstützung einer Verehrerin, Nadeshda von Meck. Die von ihr ausgesetzte Jahresrente bot dem Komponisten zwischen 1877 und 1890 die materielle Sicherheit, die es ihm erlaubte, sich fortan ganz seiner Kunst zu widmen. Als Dirigent unternahm Tschaikowsky seit 1888 mehrere Konzertreisen durch verschiedene europäische Länder und nach Amerika. Wenige Tage nach der von ihm selbst geleiteten Uraufführung der sechsten Sinfonie starb er in Petersburg bei einer Choleraepidemie. Tschaikowskys kompositorisches Schaffen umfasst nahezu alle Bereiche der Musik. Darüber hinaus hat er sich auch als Musikkritiker und Musiktheoretiker einen Namen gemacht.
Tschaikowsky war ein glühender Verehrer Mozarts und der Musik seiner Zeit. Ausdruck dieser Verehrung sind die "Rokoko-Variationen", die zugleich eine besondere Herausforderung für jeden virtuosen Cellisten darstellen. Die Genese dieses Werkes zeigt, wie so häufig bei Tschaikowsky, die Unsicherheit gegenüber wohlmeinender und weniger wohlmeinender Kritik seiner Kompositionen. Dem Widmungsträger dieser 1876 in Moskau komponierten Variationen, dem deutschstämmigen Cellisten Wilhelm Fitzenhagen, gestattete Tschaikowsky, einige spieltechnisch begründete Änderungen am Solopart vorzunehmen. Doch zwei Jahre später wurde aus der wohlmeinenden Unterstützung besserwisserische Bevormundung. Während Tschaikowsky nämlich im Ausland weilte, bekam Fitzenhagen den Auftrag, die "Rokoko-Variationen" für den Druck vorzubereiten. Und nun konnte sich der Cellist nicht mehr bremsen: Er gruppierte Variationen um und strich sogar die achte Variation ganz. Tschaikowsky und sein Verleger waren zwar entsetzt, unternahmen aber nichts gegen diese selbstherrlichen Eingriffe des Herausgebers. Wenige Jahre später, als Fitzenhagen im Sterben lag, autorisierte der Komponist sogar noch die verfälschte Fassung aus Pietät gegenüber dem, wie er sich ausdrückte, "armen Fitzenhagen". So ergibt sich das Kuriosum, dass die "Rokoko-Variationen" bis heute fast immer nur in einer vom Komponisten vermutlich so nicht gewollten und erst nachträglich gebilligten Fassung zu hören sind.
Nach einer knappen Orchestereinleitung trägt das Solo-Cello das graziöse Thema im 2/4-Takt vor ("Moderato semplice"). Dieses klingt, als stamme es aus dem späten 18. Jahrhundert, obwohl es eine Erfindung Tschaikowskys darstellt. Nun folgen sieben Variationen (in der Originalfassung: acht), die ihrerseits durch wiederkehrende Orchesterstücke (Ritornelle) miteinander verbunden sind. In diesen Orchester-Ritornellen greift auch der Solist immer wieder in die musikalische Entwicklung ein. Da sie von ihrer musikalischen Substanz her alle aus dem ersten, auf das Thema folgenden Ritornell abgeleitet sind, ergibt sich neben den Variationen des Rokoko-Themas gewissermaßen eine zweite Variationenfolge mit Orchester und Soloinstrument. Zwei Variationen weichen von der Tempo und Charakterbezeichnung des Themas in besonderer Weise ab: die dritte Variation ("Andante sostenuto") in der verwandten Tonart C-Dur und die sechste Variation ("Andante"), die das Thema elegisch nach d-Moll wendet.
Text: Heidi Rogge
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 "Italienische"
Abgesehen von den zwölf Streichersinfonien der Jugendzeit hat Mendelssohn fünf von ihm selbst als vollgültig bezeichnete Sinfonien komponiert. Die Konzeption der vierten Sinfonie mit dem Beinamen "Italienische" fällt in das Jahr 1831, als Mendelssohn sich in Rom und Neapel aufhielt, von wo aus er seiner Familie berichtete: "Die Italienische Sinfonie macht gute Fortschritte: sie wird das lustigste Stück, das ich je gemacht habe. Bliebe ich so im Zuge, so machte ich die Italienische Sinfonie auch noch fertig." Aber er konnte die Komposition während seines Aufenthaltes in Italien doch nicht zum Abschluss bringen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin ließ er das Werk zunächst einige Zeit liegen. 1832 erhielt er dann ein höchst ehrenvolles und lukratives Angebot der Philharmonic Society in London, die ihn beauftragte, eine Sinfonie, ein Chorwerk und eine Ouvertüre zu liefern. Mendelssohn akzeptierte diesen Auftrag und nahm sich die unvollendete Partitur der "Italienischen" vor, die er im Winter 1832/33 fertig stellte. Am 13. Mai 1833 wurde das Werk unter seiner Leitung in London erfolgreich uraufgeführt. Dennoch trug sich der Komponist noch jahrelang mit Plänen zu einer Umarbeitung der Sinfonie, die auch zu verschiedenen Fassungen führte. Bis heute ist die Quellenlage ungesichert; die meistens gespielte Fassung stellt vermutlich die (chronologisch betrachtet) letzte dar, von der aber keineswegs gesichert ist, dass der Komponist sie als die endgültige ansah. Und nach der Uraufführung wurde die Sinfonie, die heute zu einer der beliebtesten überhaupt zählt, zu Lebzeiten von Mendelssohn nicht mehr gespielt. Sie blieb sogar verschollen, bis sie im Nachlass von Johannes Brahms gefunden und veröffentlicht wurde. Der erste Satz ("Allegro vivace") folgt weitgehend dem Formschema des Sonatenhauptsatzes. Allerdings greift schon die Exposition des schwungvollen Hauptthemas immer wieder auf die Durchführung vor, indem sie das Thema oder einzelne seiner Teile variierend bearbeitet. Das von den Holzbläsern zunächst vorgetragene Seitenthema vermag sich nicht weiter zu entfalten. In der Durchführung weicht Mendelssohn vom Formschema ab, indem er ein drittes Thema einführt. Die Reprise konzentriert sich, wie so oft bei Mendelssohn, auf die knappe Präsentation von Haupt und Seitenthemen. Demgegenüber gewinnt die Coda aufgrund ihres Umfangs und der Sorgfalt ihrer formalen Durcharbeitung größere Eigenständigkeit. Auch der zweite Satz ("Andante con moto") kann formal als Sonatensatz angesehen werden, dem allerdings der Durchführungsteil fehlt. Die Vorstellung des Hauptthemas in den Holzbläsern führt über eine Reihe von variierenden Bearbeitungen zum Seitenthema. Auf die wiederum verkürzte Reprise folgt erneut eine - diesmal allerdings knappe - Coda mit einem neuen Thema. Im dritten Satz ("Con moto moderato") präsentiert uns der Komponist ein heiteres Menuett mit einem thematisch kontrastierenden Trio-Teil und einer Coda, die auf Motive des Trios zurückgreift. Die mit dem Beinamen "Italienische" Sinfonie geweckten Hörererwartungen befriedigt am ehesten der vierte Satz ("Saltarello. Presto"). Mendelssohn selbst hat darauf hingewiesen, dass er für diesen Satz auf neapolitanische Volksmusik zurückgegriffen habe. Eine genauere Betrachtung im Großformatigen wie im Detail zeigt allerdings ein formales Raffinement im Umgang mit der Rondoform, der Themenverarbeitung und der Tonartenverschiebung, die über jede tonmalerische Nachahmung italienischer Folklore weit hinausgeht.
Text: Heidi Rogge
Genre:
Konzert
Spielstätte
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln
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