Das Blaue vom Himmel - Contra-Kreis-Theater - Kultur Nr. 180 - Oktober 2023

Das Blaue vom Himmel
Foto: Contra-Kreis-Theater
Das Blaue vom Himmel
Foto: Contra-Kreis-Theater

Lügner aus Leidenschaft

Bernard lügt ständig. Anscheinend gehört das zur DNA dieses gutaussehenden, charmanten, intelligenten und wohlhabenden (dank reicher Schwiegereltern!) Typen im besten Midlife-Alter. Der Schauspieler ­Marko Pustišek hat sich im Contra-Kreis die Rolle dieses genialen Architekten windiger Lügengebäude selbst auf den Leib inszeniert. Mit viel Tempo, Witz und perfekt explodierenden Pointen. Der selbstverliebte Bernard schwadroniert rücksichtslos Das Blaue vom Himmel. So lautet auch der deutsche Titel der Komödie des 1956 in Tunis geborenen, 2020 in Paris gestorbenen Dramatikers und Drehbuchautors Eric Assous. 2009 lief am Contra-Kreis bereits erfolgreich seine Komödie Achterbahn.
Im französischen Original heißt das Stück „Mein bester Freund“. Einen wie Bernard möchte aber wohl niemand zum Freund haben. Seinen gutmütigen Freund ­Philippe nutzt er schamlos aus und lässt ihn kaum einen Satz zu Ende bringen. Philippe, liebenswürdig verkörpert von Steffen Laube, kann einfach nicht Nein sagen und setzt dabei sogar die Beziehung zu seiner Verlobten Alice (höchst sympathisch: Birge ­Funke) aufs Spiel. Der wird die Sache irgendwann zu bunt, so dass sie angesichts der vermeintlichen Untreue ihres braven Freundes die Sachen packt und die gutbürgerliche gemeinsame Wohnung verlässt, die der ganzen Geschichte als Schauplatz dient.
Bernards Gattin Nelly ist offenbar Kummer gewohnt und nimmt dessen Eskapaden gelassen hin: „Es ist Liebe, wenn du nicht mehr weißt, warum“. Tina Seydel gibt die schlagfertige, selbstbewusste Frau mit unterkühlter Ironie. Das Objekt von Bernards aktuellem Begehren ist jung, sehr sexy (nur beim Sex scheint dieser Supermacho keinen Ton rauszubringen), heißt Soraya und droht, die Affäre auffliegen zu lassen, wenn nicht mehr für sie rausspringt. Barbara Maria Sava verkörpert sie mit osteuropäischem Akzent und wuchtigem physischem Einsatz. Doch selbst dem schamlosesten Wahrheitsverdreher geht irgendwann mal die Luft aus. Dann kann er immer noch schluchzend Mitleid einfordern. Die Situation erscheint zwar aussichtslos, aber jemand wie Bernard gibt niemals auf. Von Läuterung keine Spur. In einem großen Monolog preist er alle Lügen, die das Leben leichter machen. Schließlich gibt es feine Graustufen zwischen dem langweiligen Schwarz-Weiß von falscher Ehrlichkeit und freundlicher Fantasie.
Es ist eine geradezu klassische Boulevardkomödie mit allen Ingredienzien aus Betrug, Verwechslungen, kleinen Frivolitäten und wahnwitzigen Komplikationen. Ein herrliches Vergnügen, das bei der Premiere mit rauschendem Beifall und stehenden Ovationen belohnt wurde. E.E.-K.

Spieldauer ca. 2 Stunden inkl. Pause

Freitag, 01.12.2023

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Letzte Aktualisierung: 17.07.2024 12:01 Uhr     © 2024 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn