Playback - GOP Variete Theater - Kultur Nr, 179 - Sommer 2023

Ein Festival der Multitalente

Wer für diese Show eine Kritik schreiben soll, hat es nicht leicht! Mehr als üblich ist Multitasking bei der Wahrnehmung gefragt, denn hier steht nicht nur die Artistik im Mittelpunkt. Die Inszenierung ist eine Revue mit den bekanntesten Schlagern und Songs der letzten rund 30 Jahre. Doch nicht Gesang ist die Kunst, sondern es gilt für die Artisten, zu jedem Song eine Performance darzubieten in?„Playback” – auch „Lip Sync” genannt, also die täuschend echte Bewegung der Lippen zur Musik inklusiver passender Mimik. Dies geschieht im GOP Varieté-Theater natürlich nicht bequem vor einem Mikrofonständer stehend, sondern eingebunden in eine zum Song passende ­Artis­tik-, Tanz- oder Zaubereinummer, mal solo, mal als Duo oder Trio, mal als ganzes Ensemble.
Eine Rahmenhandlung gibt es in der von Regisseur Detlef Winterberg entwickelten Show nicht, die Nummern gehen elegant ineinander über. Als Showmaster steht jedoch der Aerial-Pole-Artist Simon-James Reynolds auch mit Tanz- und Schauspieleinlagen im Zentrum des Geschehens.
Mit Joel Greys „Willkommen! And bienvenue! Welcome!” begrüßt das Ensemble das Publikum im „Cabaret”.
Während der Show kommt wohl jede/-r öfter kurz ins Grübeln:?„Welcher Song ist das jetzt gerade – den kennt doch jeder, aber wie heißt er noch mal ...?”. Das Spektrum reicht von „I Will Survive” (Gloria Gaynor), „The Time of My Life” (Bill Medley und Jennifer Warnes), „Don’t Stop Me now”?(Queen), „Candyman” (Christina Aguilera), „Whenever, Wherever” (Shakira), „Everybody” (Backstreet Boys), „Umbrella” (Rihanna), „Je ne parle pas français” (Namika), „All by Myself”?(Celine Dion) bis zu „Livin’ La Vida Loca” (Ricky Martin) – oder auch bis zu Arien aus Carmen oder Die Zauberflöte. Das gesamte Ensemble tanzt zu?„Zusammen” von den Fantastischen Vier, bevor zum Finale Reinhard Meys „Gute Nacht Freunde” für einen stimmungsvollen Ausgklang sorgt. Die Ensemble-Choreografien hat Ingrid ­Korpitsch (selbst auch erfahrene Luftartistin und Akrobatin)?mit den Artis­ten entwickelt.
In einer Solonummer fasziniert der Berliner Equilibristik-Künstler ­Andalousi Elakel mit einem Sessel als Ausgangspunkt für seine kreative Balance-Kunst.
Beinahe unglaublich erscheint, wie schnell das ungarische Magierpaar Sebastian und Kristina in seiner „Quick-Change”-Nummer Dutzende von ­Kos­tümen in Sekundenschnelle wechselt. Auch ein aus dem Publikum auf die Bühne geladener Gast wird rasant in der aus einem Stoffschlauch bestehenden Kabine „umgezogen”.
Das Partner-Akrobatik-Duo Ian und Charlotte präsentiert atemberaubende Balance- und Wurfnummern, bevor die beiden gemeinsam mit Akrobat Martin als Trio Banquine die Zuschauer mit ihrer Banquine-Nummer zum Seemannslied „Wellermann” (Santiano &?Nathan Evans) in Schwung bringen und anschließend Martin Regouffre mit dem Diabolo für noch schnellere, meisterhafte Schwünge sorgt.
Zum von Sebastian Drozdz entwickelten Bühnenbild gehört ein zentral platzierter Pavillon aus einem Metallgestänge, das in verschiedenen Farben angestrahlt (sehr kreatives Lichtdesign unter Verwendung von Moving Lights und Projektionen: Daniel Hensche) immer wieder andere Stimmungen vor den Augen der Zuschauer entstehen lässt. Die auf den ersten Blick simple Hintergrundkulisse mit einer Pusteblumenoptik erwacht mittels des Lichtdesigns ebenfalls zum Leben:?In Farbe getaucht lassen die Blumen zauberhafte Funken in den Farben der Scheinwerfer überspringen. ­
Paula Avala bietet nicht nur faszinierende Luftakrobatik am Reifen, sondern gemeinsam mit Reynolds auch schauspielerische, teils clowneske Einlagen. Auf einem „erschreckend” kleinen Podest zeigt das Duo Skating Phoenix rasante Rollschuhartistik – auch dies selbstverständlich mit gleichzeitiger „Lip Sync”-Kunst.
Wo da noch Luft zum Atmen bleibt, sowohl bei den Darstellern als auch beim Publikum??Das ist fraglich bei vielen rasanten Nummern, in denen trotz alledem die Synchronisation unglaublich gut gelingt. Finden Sie es heraus bei einem Besuch dieser quicklebendigen, virtuosen Show, bei der jede/-r Zuschauer/-in selbst entscheiden kann, ob er/sie all die vielseitigen künstlerischen Leistungen gleichzeitig entdecken oder einfach entspannt das kurzweilige Gesamtspektakel genießen möchte. Mitsingen, Mitklatschen und Mitfeiern sind ausdrücklich erlaubt! J.S.
Spieldauer ca. 120 Minuten inkl. Pause
Die nächsten Termine: bis 9.07. jeweils Mi. bis So.

Dienstag, 01.08.2023

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