Kerle im Herbst - Kleinen Theater - Kultur Nr. 179 - Sommer 2023

Überraschung aus der Vergangenheit

Mit der Komödie Kerle im Herbst von Katrin Wiegand hat das Kleine Theater die Saison auf seiner Open-Air-Bühne eröffnet. Das Publikum sitzt quasi im Garten vor der schattigen Terrasse von Manfreds Finca auf Mallorca. Mit seinen alten Schulfreunden Rolf und Wolfgang lebt er dort in einer munteren Rentner-WG und genießt mit ihnen den Herbst des Lebens. Zumal die drei rüstigen Endsiebziger immer was zum lustvollen Streiten und Sticheln finden.
Kein Zweifel: Sie sind immer noch tolle Kerle, ziemlich fit und selbst in legeren Sommer-Outfits ­(Kostüme: Burkhard Klein) noch recht ansehnlich. Auch wenn manches wohl endgültig der Vergangenheit angehört. Mit sorgsam gepflegten verbalen Kämpfen und heiteren Sottisen (manche knapp unter dem Hosengürtel) lässt sich‘s jedoch aushalten auf der Insel. Außerdem wacht die junge Haushälterin Dani ebenso charmant wie energisch über das Wohlbefinden des Trios. Blutdruck und Cholesterinspiegel hat sie stets im Blick. Wobei der Genießer Manfred leider mit gesunder Senioren-Schonkost vorliebnehmen muss, aber mit seinem geheimen Bier-Depot doch über die Runden kommt.
TV-Star Claus Wilcke (lesen Sie auch Seite 16-17), am Kleinen Theater immer wieder ein gerngesehener Gast, verkörpert liebenswürdig grantelnd den jovialen Golden Ager Manfred. Dieser war mal verheiratet, wenn auch nach Meinung seiner Freunde nicht mit der Richtigen. Macht nichts, die Ehe- und Familienphase ging ohne tiefere Spuren vorbei. Erwin Geisler, ebenfalls schon häufig im Kleinen Theater präsent, spielt formidabel den lebenslangen Junggesellen Rolf. Wahrscheinlich war dem verbissenen Fitness-Freak das Training für Marathonläufe und Radrennen einfach wichtiger als ein gemütliches Familienleben. Jedenfalls dreht er auf dem ­Drahtesel („Das ist kein Fahrrad, sondern eine Rennmaschine!“) gern sogar mal eine Runde durchs Publikum. Der famose Josef Tratnik ist der feinsinnige, schwule Lebenskünstler Wolfgang mit Glatze, modischer Brille und spitzer Zunge.
Doch dann bringt ein Brief von Karin ordentlich Bewegung in die Liegestuhl-Idylle. Karin: Das war doch die Schulkameradin mit den langen Beinen und der Traumfigur! Müsste nun langsam auch auf die Achtzig zugehen. Selbst Wolfgang hat damals für sie geschwärmt. Die alte Dame kündigt ihren Besuch auf Mallorca an und könnte jeden Moment auftauchen. Diese Aussicht bringt die Herren ordentlich auf Trab. Rolf durch die Steigerung seiner sportlichen Eskapaden (schön hämisch per Fernglas beobachtet von den beiden Terrassen-Verweilern) sogar an den Rand eines Herzinfarkts. Weitere Briefe folgen, aber Karin lässt auf sich warten. Doch welche Rolle spielt die hochschwangere Dani (bezaubernd: das Nachwuchstalent Ruth Weingarten) in der Geschichte? Eine gewisse Ähnlichkeit mit Karin hat sie ja. Mehr sei hier nicht verraten. Nur so viel: Ihr Baby wird gleich drei glückliche Urgroßväter bekommen. Für einen neuen Frühling ist es nämlich nie zu spät.
Wolfgang Bauer, der hier kürzlich seine musikalische Komödie Der Duft von Wirklichkeit auf die Bühne brachte, hat den erfrischenden Spaß voller prickelnder Pointen und einem Schuss leichter Melancholie mit flottem Tempo inszeniert. Im Contra-Kreis war das Stück 2017 bereits in der Regie von Horst Johanning zu erleben, ebenfalls mit einer Starbesetzung. Es ist bestes Schauspieler-Futter und mit dem unschlagbaren Typen-Trio der ­aktuellen Inszenierung bestens geeignet für einen milden Sommerabend draußen.
Für kühlere Temperaturen stehen wärmende Decken bereit, bei schlechtem Wetter wird drinnen im Theatersaal gespielt. E.E.-K.
Spieldauer ca. 2 Stunden inkl. Pause
Im Spielplan fast täglich bis zum 29.06.23

Dienstag, 01.08.2023

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