Hausmeister Krause: Du lebst nur zweimal - Contra Kreis Theater - Kultur Nr.170 - April 2022

Hausmeister Krause: Du lebst nur zweimal
Foto: Contra-Kreis-Theater
Hausmeister Krause: Du lebst nur zweimal
Foto: Contra-Kreis-Theater

Hausmeister Krause ist wieder da

Wenn Dieter etwas hoch und heilig „beim Tode Bodos“ schwört, wird es ernst. Die sterblichen Reste seines geliebten Dackels befinden nun in einer Urne auf einem sorgsam geschmückten Hausaltar im kleinbürgerlichen Wohnzimmer der Familie Krause. Aber wenn Dieter Krause mit treuherzigem Blick und zerknittertem Gesicht von der Wolfsnatur aller Hunde predigt, scheint eine Dackelseele unter seinem legendären Hausmeis­terhut zu wohnen. Tom Gerhardts ewiger Spießer ist also zurück­gekehrt auf die Bühne. Nachdem der Kölner Komödiant im Contra-Kreis zuletzt mehrfach als liebenswürdiger Trottel Mathias Bommes sein Unwesen trieb, ist er nun wieder in die Rolle des ­Haus­meisters Krause geschlüpft, die er über ein Jahrzehnt lang in der gleichnamigen Sat.1-Serie verkörperte. Sein neues Stück Hausmeister Krause: Du lebst nur zweimal hat er sich zusammen mit Franz Krause auf den Leib geschrieben und auch selbst inszeniert. Seine Fans dankten es ihm bei der Premiere gleich zu Beginn mit einem Auftrittsapplaus.
Sein Kampf mit dem Bügelbrett und dem Kabel des Bügeleisens hat einen guten Grund: Der Vorstand des Dackelclubs KTC 1881 e.V., dem Krause seit Urzeiten als Schriftführer und Kassenwart dient, tagt bei ihm zu Hause. Das könnte ihn seinem eigentlichen Lebensziel, der Präsidentschaft des Vereins, ein Stück näher bringen. Dass er darüber seinen 20. Hochzeitstag vergessen hat (seine leidgeprüfte Gattin Lisbeth hat ohnehin fest damit gerechnet), ist kein Wunder. Doch Töchterchen Carmen wittert ein Wunder, denn im Kühlschrank warten leckere Schnittchen und obendrein ein Sekt mit Adelsprädikat. Womit eine Reihe von fatalen Missverständnissen beginnt, die Krause an den Rand des Herzinfarkts treiben, bis schließlich sogar ein Notarzt eingreifen muss. Unmissverständlich klar ist nur: Krause ist der Typ, der bis zur Peinlichkeit servil vor jedem kleinen Vorgesetzten buckelt und nach unten feste tritt. Intrigant, reichlich bildungsfern (trotz großer Sprüche beispielsweise vom unaufhaltsamen „Rad des Schicksals“), furchtbar wehleidig mit Hang zur Gewalt. Glücklicherweise ist die Munition seiner Jagdflinte bald alle, aber die Idee mit dem „elektrischen Stuhl“ beweist hohe kriminelle Energie. Dem Schauspieler Tom Gerhardt gelingt es dennoch immer wieder, für dieses Geschöpf aus der Schreckenskammer aller Klischees die Sympathie des Publikums zu erobern.
Beinahe die Schau stiehlt ihm diesmal jedoch Stephan Bieker als stotternder, dicklicher kleiner Underdog Herbert. Der strahlt so selig, wenn er für seinen Freund und Gebieter Dieter kleine Dienstleistungen verrichten darf, dass man echt Mitleid empfindet für seine grandiose Beschränktheit. Außerdem ist er verknallt in die hübsche Carmen, mit solidem Lokaldialekt, freizügigem Outfit und herzhaftem Familiensinn gespielt von Luana Bellinghausen. Das glitzernde „Juicy“ auf der Rückseite ihrer Jeans (Garderobe: Anja Saafan) beweist mehr als nur modisches Selbstbewusstsein. Der erwartungsfrohen Lisbeth hilft sie gern ins mittlerweile etwas eng gewordene Hochzeitskleid. Antje Lewald gibt tapfer Dieters enttäuschte Gattin, die angesichts der Eskapaden ihres Angetrauten die Koffer packt. Die Sache mit der polnischen Putzfrau Marielka (ebenfalls Luana Bellinghausen) ist nur der letzte Funke, der die durchaus noch attraktive Lisbeth zur Weißglut treibt.
Stefan Preiss glänzt als freundlicher Hausverwaltungs-Angestellter ­Makielski, aber vor allem als Dackelclub-Präsident Karl mit schwarzen Kunstlederhosen zur ordensgeschmückten Uniformjacke, zackigem Auftreten und markigen Sprüchen. Dieser Horrortyp könnte glatt noch Karriere im rechtsradikalen Milieu machen. Es geht in dem irren Theater-Schwank jedoch nur um ein arg durchsichtig konstruiertes zweifaches Doppelspiel mit leidlich friedlichem Ausgang. Trotz des reißerischen Titels – im Hause Krause gibt’s keinen 007-Martini, sondern urdeutschen Weinbrand. Zeit zum Sterben ist auch noch nicht, nur zum Totlachen, bis der Arzt kommt. Für Freunde feinsinnigen Humors eher ein Härtetest, aber ein toller Schwank voller unwiderstehlichem dramatischem Wahnsinn. Fulminanter Beifall für das muntere Darsteller-Team. E.E.-K.

Spieldauer ca. 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Freitag, 01.04.2022

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