Alle Jahre Lieder - Malentes Theater Palast - Kultur Nr.168 - Januar/Februar 2022

Alle Jahre Lieder
Foto: Barbara Frommann
Alle Jahre Lieder
Foto: Barbara Frommann

Gute Laune zum Weihnachtsfest

Richtig gemütlich soll’s werden, nachdem Weihnachten 2020 ziemlich freudlos vorbeiging. Familie Malente lädt noch bis zum zweiten ­Weih­nachtstag in ihr besonderes Christmas-Wunderland und hat ihr Wohnzimmer auf der Bühne ihres festlich geschmückten Spiegelzeltes aufgebaut mit roten Ohrensesseln, mehr oder weniger nostalgischen Fotos an der Wand, künstlich flackerndem Kamin und Tannenbaum im Lichterglanz. Natürlich wieder mit Unterstützung ihres bewährten Bühnenbildners Heiko de Boer. An einem Stand neben der Bühne backt Knuts Mutter (echt!) leckere Plätzchen (live!), und sogar der Familienhund hat seinen großen Auftritt. Alle Jahre Lieder heißt die neue Show der beliebten Spaßmacher am Hochkreuz unter dem Motto „Glühwein, Gags und Gute Laune“.
Die Freude ist also groß, wenn Dirk ­Vossberg-Vanmarcke und Knut ­Vanmarcke am Steuer eines halbwegs wintertauglichen Wagens ihre Version von „Driving Home for Christmas“ anstimmen. Ausgemacht war zwar wieder: „Wir schenken uns nichts!“. Aber wie jede und jeder wissen, bleibt es nie dabei. Also Online-Schnäppchenjagd bei Thomas Rath, oder als letzte Rettung vor den ultimativen Jingle Bells doch noch die Bahnhofsdrogerie. Die Hymne auf das Paradies der ­Falten­cremes lässt in der Choreografie von Marc Bollmeyer jedenfalls keine Wünsche offen. Ebenso das Festtagsbraten-Ballett. Der klassische Kartoffelsalat mit Würstchen zur Entlastung der gestressten Hausfrau wäre eine kulinarisch wenig elegante Notlösung. Loriots mörderisches Advents-Gedicht von der Förstersfrau erscheint etwas zu kannibalisch. Karpfen blau weckt Erinnerungen an tagelang blockierte Badewannen und eigenartige Verfärbungen mancher Familienmitglieder, die den Fischgenuss alkoholreich verstärkten. Weil die Malentes Weihnachten oft auf Kreuzfahrtschiffen unter tropischem Himmel verbrachten, mischen sich kokett zwei Ananas-Schwestern als fruchtige Klappmaul-Figuren ein (Puppen: Judith Mähler). In „Stadt.City.Ville.Bonn“ bleibt man indes bodenständig: „Gans oder gar nicht“, selbst wenn das zur Freude aller Tierschützer auf einen Tanz um die goldbraun glänzende, vegane Tofu-Gans hinausläuft.
Ganz gewiss darf beim köstlichen, mit allerhand witzigen Pointen garnierten Parcours durchs internationale Weihnachtsliedergut Stephanie Lamm mit ebenso üppiger Gestalt wie Stimme nicht fehlen. Sie gehört als ständiger Gast ohnehin schon fast zur Familie. Ihr Motto: „Life is better with ­Lametta“. Der Latinohit „Feliz Navidad“ bringt Beine und Hüften in Schwung. Bei der besinnlichen Hausmusik sorgt „Steffie Kapusta“ für stummes Gänsehaut-Feeling, während mutige Triangel-Talente im Publikum die Glöckchen- und ­Block­flötentöne unterstützen. Loco Flanel, die ungekrönte Königin der B9, zeigt als glitzernde Schneekönigin (fabelhafte Kostüme: Melanie Rosewick aus Hamburg, die dort regelmäßig große Musicals ausstattet) auf atemberaubenden High Heels ihre wohlgeformten Beine. Da kann selbst Freund Karl nicht widerstehen und schaut zum Klang der Marseillaise vom Himmel hoch kurz im Theater Palast vorbei.
Auch sonst sind viele liebe Bekannte der Einladung zum Fest im unverwechselbaren Malente-Stil gefolgt. Otto jodelt mit ostfriesischem Akzent. Marianne und Michael in fescher Alpenländer-Tracht sind von den Bergen herabgestiegen ins Rheinland, wo kein Schnee leise rieselt, aber Weihnachtszeit und Karneval sich nahtlos verbinden. Florian Silbereisen persönlich kündigt Frau Dr. Mireille Mathieu an – einen Ehrendoktor erhielt sie tatsächlich 2018 in Moskau. Ein paar bekannte Gags werden fürs fröhliche Festprogramm noch mal aufgewärmt, aber das Schwelgen in Erinnerungen gehört dazu, „when the snow falls wunderbar.“ Die Plüschpantoffeln sind angewärmt, der Weihnachtsmann ist unermüdlich unterwegs. Selbst das melancholische „Last Christmas“ kommt hier so herzerwärmend daher, dass einen Abend lang alle Sorgen wegschmelzen.
Jauchzender Premierenbeifall! E.E.-K.

Spieldauer ca. 2 Stunden, inkl. einer Pause
Die letzten Vorstellungen: 25.12. // 26.12.21

Samstag, 01.01.2022

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