So gelacht ab 1/2 8 - Theater Palast - Kultur Nr.166 - Oktober 2021

So gelacht um halb acht
Foto: Stefan Mager
So gelacht um halb acht
Foto: Stefan Mager

Kreuzfahrt mit bester Laune und neuen Ideen

Das Publikum darf diesmal mitmachen. Auf den Tischen liegen Zettel, auf die man Fragen schreiben kann, die dann gesammelt und nach der Pause beantwortet werden. Beispielsweise „Wann werdet ihr das Godesberger Prinzenpaar?“ Verraten sei: Vorläufig nicht, denn die Malentes wollen ja auf ihrer vor drei Jahren eröffneten Bühne im wunderschönen alten Spiegelzelt am Hochkreuz Spaß machen. Und das endlich wieder regelmäßig.
Wenn der Stern von Mykonos auf den Mond von Wanne-Eickel trifft, gehen also in Bad Godesberg die Lichter an. Mit ­„I’m so excited, and just can’t hide it“ ­begrüßten Knut ­Vanmarcke und Dirk Vossberg-­Vanmarcke nach der langen Corona-Zwangspause ihr erwartungsvolles Publikum bei der ausverkauften Premiere ihrer „pompös persönlichen Personality-Show“. Sie haben die Zeit genutzt, um neue Shows zu entwerfen und sind für das Programm So gelacht ab ½ 8 tief in ihre Erinnerungen an über zwanzig Jahre gemeinsamer Show-Geschichte getaucht. In ihrer kleinen, nostalgisch tapezierten, mit Fotos von Hitparaden-Legenden geschmückten „Star-Garderobe“ zelebrieren sie skurrile Anekdoten, echte Wahrheiten und natürlich ihre sehr spezielle Kunst, mit kokettem Augenzwinkern musikalische Kostbarkeiten neu zu arrangieren und choreografisch zu kommentieren. Wunderbar schräg und mit genau der respektvollen Ironie, die jede Parodie zu einem schillernden Glanzstück macht.
Mit der stimmlich großartigen, ungemein beweglichen Stephanie Lamm haben sie sich voluminöse weibliche Verstärkung an Bord geholt. Die fabelhafte Sängerin mit Maite-Kelly-Organ gehört beinahe schon zur Malente-Familie und ist – in atemberaubenden Kostümen – immer wieder ein Ereignis. Es ist übrigens wahr, dass sie in der Pandemiezeit wieder in ihrem ehemaligen Beruf als Grundschullehrerin gearbeitet hat. An Bord ist auch korrekt, denn die Malentes begannen ihre Laufbahn auf Kreuzfahrtdampfern, wo die kürzlich verstorbene Traumschiff-Legende Heide Keller sie für das Kleine Theater Bad Godesberg entdeckte.
Ein bisschen Seemannsgarn darf also gesponnen werden, wenn Knut und Dirk, die diesmal vorwiegend sich selbst spielen, aus ihrem riesigen Reise-Schrankkoffer allerhand Requisiten und Kostüme zaubern. Die Kombination Bananenröckchen zu Smokinghose und Lackschuhen ist vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß, aber wirklich apart. Zwischen Hawaii und Alas­ka, Kanaren und Karibik haben sie alle Ozeane erkundet und musikalische Schätze gesammelt. Rosenmontag in Rio war ein Highlight, Silvester statt in Rio im schleswig-holsteinischen Neumünster hatte ebenfalls einen besonderen ­Charme. Vom kleinen Jungen hin­term Deich bis zu Roland Kaiser und Florian Silbereisen ist nichts sicher vor dem parodistischen Genie der Hausherren. Natürlich inklusive Loco Flanel, der ungekrönten Diva der B9.
Die deutsche Version des poetischen Songs „Catch a Falling Star“ als gruselig zu entlarven, macht Vergnügen. Eine liebenswürdige Ausgrabung ist die herzwärmende „Piccolissima Serenata“ von Renato Carosone, bevor es vom unsterblichen „Volare“ beflügelt nach Griechenland geht, wo Nana Mouskouri und Vicky Leandros im Hafen von Piräus die Weltreisenden erwarten. Nur das Überreichen von Blumen muss noch ein wenig geübt werden.
Beim Blick hinter die Kulissen erscheint auch Hausmeister Herr Klinger (Vorname unbekannt), nebenberuflich als Zauberkünstler tätig und guter Grund für die Frage nach dem am besten gescheiterten Auftritt aller Zeiten. „Warum habt ihr euch für die Bühne entschieden?“ – „Weil wir nichts anderes können.“ Diesmal beweisen sie das ganz persönlich mit feiner Selbstironie. Mit weniger schrillen Auftritten, jedoch mit einem gehörigen Schuss doppelbödiger Comedy und köstlich verquerer Intelligenz. Als „Konfetti für die Seele“ bezeichnete der WDR sehr treffend den unverwechselbaren Malente-Stil. Beglückter Premierenbeifall! E.E.-K.

Spieldauer ca. 2½ Stunden, inkl. einer Pause
Die nächsten Vorstellungen: Do.,Fr.,Sa.,So. bis 14.11.21

Freitag, 01.10.2021

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