Baryton

kultur 106 - Mai 2014

Das Baryton (von italienisch Viola (di) bordone oder bardone) ist ein Streichinstrument des späten 17. Jahrhunderts, das vor allem im 18. Jahrhundert in Gebrauch war. Neben den zu streichenden Spielsaiten besitzt das Baryton Resonanzsaiten, die mit der linken Hand gezupft werden können und ihm einen deutlichen Nachhall verleihen. Es hat die Größe und Stimmung einer Tenor-Bass-Gambe und wird wie sie zwischen den Beinen gehalten. Außer den Spielsaiten aus Darm sind metallene Resonanz-, Bordun- oder Aliquotsaiten über die Decke des Instruments gespannt. Der Hals des Barytons weist an der Rückseite ein großes Fenster auf, durch welches die metallenen Saiten mit dem Daumen der linken Hand gezupft werden können. Die dadurch entstehenden Klänge sind dem eines Cembalos oder einer Mandoline ähnlich. Leopold Mozart nannte es „eines der anmuthigsten Instrumente“.
Das Baryton ist ein seltenes Instrument, das im ausgehenden 18. Jahrhundert in Süddeutschland und Österreich eine gewisse Verbreitung fand. Im Frühbarock und Barock wurde es außer in den Opern von Attilio Ariosti (1666 – 1729) kaum verwendet. Der prominenteste Barytonspieler war Nikolaus (Miklós) I. Fürst von Esterházy (1714 – 1790). Laut Anstellungsvertrag verlangte er von dem ab 1761 in seinen Diens­ten stehenden Joseph Haydn (1732 – 1809) regelmäßig Kompositionen „für die Gamba“. Haydn komponierte insgesamt 175 Werke mit Baryton, unter ihnen 126 Trios für Baryton, Viola und Cello.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwand das Baryton fast gänzlich. Im Rahmen der „ersten Renaissance historischer Instrumente und Aufführungspraktiken“ zu Anfang des 20. Jahrhunderts erfuhr neben der Viola da gamba auch das Baryton eine Wiederbelebung.
In den frühen 1960er Jahren entdeckte der ungarische Barytonist und Komponist Janós Liebner (*1923) in Wien das Manuskript einer Serie italienischer Canzonetti, signiert „Vincenzo Hauschka“, für diverse Singstimmen mit Barytonbegleitung, und führte einige in den Folgejahren öffentlich auf. In den darauffolgenden Jahren wurde etwa ein Dutzend zeitgenössischer Werke für Janós Liebner komponiert; unter anderen von Ferenc Farkas die Werke Sonatina all' antica (1962), Concertino (1964), fünf Troubadour-Lieder für Sopran und Baryton (1968) und Bakfark-Variationen für Baryton-Solo (1971). E.H.

Donnerstag, 16.10.2014

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