Leonhart, Dorothea: Mozart - eine Biografie / Singer, Lea: Das nackte Leben - Liebe und Schicksal der Constanze Mozart

kultur Nr. 26 - April 2006

Aus der unübersehbaren Menge der Buchproduktionen über Mozart zum „Mozartjahr“ - 250. Geburtstag - habe ich zwei ausgewählt. Zufällig, weil ich sie beide geschenkt bekam. Aber - hätte ich Ihnen zwei vollkommen konträre Mozartbilder präsentieren wollen, so hätte ich sie nicht besser aussuchen können. Einig sind sich wohl alle Menschen, ob Musikkenner oder kaum solche, darin, dass es sich bei dem im Jahr 1756 geborenen Johann Chrysostomus Wolfgang Theophil Mozart, der sich ab 1783 Wolfgang Amadeus nannte, um ein Genie - sogar ein Jahrtausendgenie (wie man ihn heute bezeichnet) - handelte. Er wurde nur 35 Jahre alt. Er schuf ein unglaublich vielseitiges Werk, modern für seine Zeit, wegweisend und unerschöpflich bis heute. Er war weltberühmt als „Wunderkind“ und als Komponist, als Pianist gleichermaßen. Er muss sehr viel Geld verdient haben, hatte aber nie welches und seine Schulden waren legendär. Sein Grab ist unbekannt bis heute, ein Armengrab ohne Namen. Das sind die allseits bekannten Fakten, der Umriss einer Biografie.
Wenn man sich mit dem Menschen Mozart beschäftigt, wird es kritischer. Wer, wie war er? Klein, schmächtig, etwas albern, oft deftig in seinen Ausdrücken, gewiss kein Intellektueller. Wie auch? Er schrieb unaufhörlich Noten, Konzerte für Klavier und Violine, Messen, Kantaten, Sinfonien, Opern. Er spielte gern und viel Billard, trank gerne Punsch und tanzte die Nächte durch.
Die Frauen in seinem Leben? Man kennt sie: die Mutter, die Schwester, das „Bäsle“, und dann die „Weberischen“, vier Schwestern, die eine liebte, die andere heiratete er. So einfach? Er schrieb unentwegt Briefe, die ja vielleicht der ehrlichste Schlüssel zu seinem Wesen sind! Er hat seine Frau geliebt, sie gebar in neun Ehejahren sechs Kinder. Zwei Söhne haben überlebt, blieben ihrerseits kinderlos. Es gibt keine direkten Nachkommen von Wolfgang Amadeus.
Das Bild der Constanze polarisiert die Menschen bis heute, Jahrhunderte nach ihrer beider Tod. War sie flatterhaft, raffgierig, dumm und oberflächlich - wie in dem einen Buch von Leonhart? War sie liebevoll, sorgend, geplagt durch ständige Umzüge, Schwangerschaften und Geldnot, aber treu und ernsthaft - wie in dem anderen? Sie hat noch einmal geheiratet und ist alt geworden. Ihr zweiter Mann war ein dänischer Staatsbeamter und schrieb die erste Mozart-Biografie...
Zwei Bücher im „Mozartjahr“, zwei von unzähligen - man beleuchtet ihn von allen Seiten und versucht, zu ergründen, was es ausmacht, das Wunder Mozart. Aber - so dachte ich - das unbekannte Grab, ist es vielleicht ein Zeichen dafür, dass er unsterblich ist, Mozart, das Jahrtausendgenie?

Mozart
- eine Biografie von
Dorothea Leonhart,
Diogenes,
gebunden,
Oktober 2005,
400 S.,
22,90 €.


Das nackte Leben
- Roman. Liebe und Schicksal der Constanze Mozart,
von Lea Singer,
Deutsche Verlags-Anstalt,
gebunden,
September 2005,
384 S.,
18,90 €.

Donnerstag, 19.01.2012

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