Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Elisabeth Einecke-Klövekorn trifft Anna Sophia Baumgart: Regisseurin, Theatermacherin, Politikerin und vor allem Brückenbauerin - kultur Nr. 200 - April 2026 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
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Elisabeth Einecke-Klövekorn trifft Anna Sophia Baumgart: Regisseurin, Theatermacherin, Politikerin und vor allem Brückenbauerin - kultur Nr. 200 - April 2026

Gerade kommt sie von einer Probe im Kleinen Theater. Dort führt sie Regie bei dem Krimiklassiker „Bei Anruf Mord“, der am 2. April seine Premiere feiert.

Anna Sophia Baumgart trägt eine schwarze Brille und lächelt freundlich in die Kanmera (Portaitfoto). | © privat
Anna Sophia Baumgart trägt eine schwarze Brille und lächelt freundlich in die Kanmera (Portaitfoto). | © privat
Inhalt Zwei Tage später steht ein weiterer Hitchcock-Thriller auf dem Spielplan: „Die 39 Stufen“. Diese Krimikomödie hat sie 2024 zusammen mit dem Theaterleiter Frank Oppermann so erfolgreich inszeniert, dass die Produktion seitdem mehrfach
wieder ins Programm genommen wurde. Das Kleine Theater bezeichnet sie als ihre eigentliche künstlerische Heimat vor Ort. Seit Oppermann 2019 dieses Haus übernahm, ist sie dem traditionsreichen Spielort in besonderem Maß verbunden. Neben ihrem vielfältigen künstlerischen Engagement ist Anna Sophia Baumgart seit der letzten Kommunalwahl auch Stadtverordnete im Rat der Stadt Bonn, Bezirksverordnete in Bad Godesberg und kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion.
Geboren wurde sie 1977 in Bad Godesberg und wuchs mit ihren zwei Brüdern an der Koblenzer Straße am Kurpark auf. Kultur und Politik waren in ihrer Familie stets sehr präsente Themen. Rudolf Meffert, ein Cousin ihres Vaters, war langjähriger Bonner Bürgermeister und setzte sich besonders für Bad Godesberg ein. Im Kleinen Theater und in den damaligen Kammerspielen sammelte Baumgart ihre ersten prägenden Theatererfahrungen und entdeckte ihre Leidenschaft für die Bühne. Den Anfang machte übrigens ein Abonnement bei der Theatergemeinde, das ihr mit acht Jahren die Welt des Theaters eröffnete.
Ihr Abitur machte sie am Erzbischöflichen Clara-Fey-Gymnasium, das damals noch eine von Ordensschwestern geführte reine Mädchenschule war. Baumgart begann danach ein Jura-Studium in Heidelberg und absolvierte zahlreiche Praktika bei verschiedenen Medien in mehreren Städten. Doch das Theater zog sie stets unwiderstehlich an. An der Arturo-Schauspielschule in Köln absolvierte sie eine Schauspielausbildung und stand danach an unterschiedlichen Theatern als Schauspielerin auf der Bühne.
Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter zog sie wieder in ihre alte Heimat zurück. Seit 2010 lebt sie mit ihrer Familie in Rüngsdorf. Kurz vor der Geburt der dritten Tochter schloss sie 2012 ihr Studium im Fachbereich Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft
an der Universität Köln mit dem Magister ab. Ergänzend studierte sie Philosophie und Pädagogik und ent wickelte auf der Grundlage verschiedener Kommunikationsfortbildungen ein eigenes Persönlichkeitstraining. Ihr zentrales Interesse galt jedoch weiterhin
der Bühne und der kulturellen Bildung. Mehrfach inszenierte sie, während ihre Töchter heranwuchsen, Theaterstücke an Kindergärten und Schulen und gab Schauspielunterricht. Aktuell betreut sie noch Theaterprojekte an der Gertrud-Bäumer-Realschule und am Friedrich-List-Berufskolleg in Bad Godesberg. 2016 gründete sie dann das Projekt „EinSatz – Der Theaterraum“ an der Plittersdorfer Straße. Hier entstand ein kleiner, lebendiger Kulturort. Baumgart unterrichtete Schauspiel, bot ihr Persönlichkeitstraining an und organisierte abends mit Kolleginnen und Kollegen aus der Bonner Kultur szene Lesungen, Musikauftritte, Theaterstücke und weitere anregende Veranstaltungen.
Dann kam Corona, aber die Idee zum „KulturBad“ in den seit langem leerstehenden Räumen des Rüngsdorfer Panoramabades war da bereits geboren. Ziel war es, diesen besonderen Ort mit dem spektakulären Blick auf den Rhein und das Siebengebirge ganzjährig zu beleben und dabei Kultur und Sport für Menschen aller Generationen auf kreative Weise zu verbinden. Im Dezember 2020 wurde der gemeinnützige Verein „Rüngsdorfer Kultur-Bad e.V.“ gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte u. a. der Bonner GMD Dirk Kaftan. Schirmherr wurde Christian Blüm, Mitglied der Kölschrock-Band „Brings“. Baumgart ist seitdem ehrenamtliche Vorsitzende und künstlerische Leiterin. Es verging noch einige Zeit, bis alle baurechtlichen Hindernisse beseitigt waren. 2023 konnte endlich der Mietvertrag
unterschrieben und mit Hilfe von Spenden sowie vielen Veranstaltungen auf dem Vorplatz die Sanierung in Angriff genommen werden. Inzwischen hat sich das KulturBad als spannende neue Location etabliert. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 76 Kulturveranstaltungen, dazu zahlreiche Sportkurse. Das Programm ist bewusst breit angelegt: Konzerte unterschiedlichster Stilrichtungen, Theater, Lesungen, Kabarett, Workshops und Projekte für Kinder und Jugendliche.
Auch prominente Künstlerinnen und Künstler waren hier inzwischen zu Gast. Soeben begonnen hat die Zusammenarbeit mit dem Jungen Theater Bonn. Künftig sollen dort Kurse für Kinder und Jugendliche und „JTB-Summerschools“ stattfinden –
Abkühlung im Schwimmbad inklusive.
2024 rief Baumgart dann zusammen mit zwei Kollegen das „KulturFestival Bad Godesberg“ ins Leben, das im Juni 2026 zum dritten Mal stattfindet. An drei Tagen gibt es an mehr als 20 Orten ein buntes Programm.
Zu ihren weiteren künstlerischen Aktivitäten gehört der UKB-Chor, die „starke Stimme der Universitätsklinik Bonn“, getragen von dem Verein „UKB Musik“. Dabei handelt es sich um ein ambitioniertes Laien-Ensemble, das regelmäßig Konzerte
veranstaltet. „Der Chor tritt aber nicht nur auf großen Bühnen auf, sondern auch direkt auf den Stationen – ein besonderes Erlebnis für die Patientinnen und Patienten. Rund 120 Mitarbeitende aus allen Berufsgruppen vom Krankenpfleger bis zur Professorin singen mit. Ein besonderer Höhepunkt waren unsere beiden ausverkauften Weihnachtskonzerte 2025 in der Kreuzkirche. Dafür wurde eigens ein Projektorchester mit rund 80 Musikerinnen und Musikern zusammengestellt.“ Baumgart ist da mit 20 Wochenstunden als „Artistic Director“ angestellt und kümmert sich als Regisseurin vor allem um das Ensemble-Training und die Inszenierungen der Auftritte. „Es geht dabei auch um die Zusammenführung von Wissenschaft und Kunst unter dem Motto ‚Noten und Neuronen‘. Unter dem Titel ‚Medizin der Zukunft‘ steht ja auch das Wissenschaftsjahr 2026. Dabei macht ein interdisziplinäres Ensemble die Musik selbst zum Forschungsgegenstand und zum Demonstrationsobjekt für medizinische Prävention von dementiellen Erkrankungen.“
Nebenbei ist die überzeugte Katholikin Botschafterin der Stiftung Gemeindepsychiatrie Bonn-Rhein-Sieg. Ihr christlicher Glaube spielte auch eine Rolle bei ihrem Eintritt in die CDU, bei der sie das „C“ gern wieder stärker gewichtet sehen möchte. Seit 2023 ist Baumgart persönliche Wahlkreisreferentin des Bonner Landtagsabgeordneten Dr. Christos Katzidis. Im selben Jahr wurde sie zur Vorsitzenden des CDU-Ortsverbandes Villenviertel/Rüngsdorf gewählt. Sie entschloss sich, nun auch selbst bei der Kommunalwahl 2025 für den Stadtrat zu kandidieren – mit dem erklärten Ziel, der Kultur eine starke Stimme zu geben.

Wir kennen uns übrigens schon seit der Zeit, als Baumgart noch Studentin war.
„Liebe Anna, Kultur und Bildung sind für dich Herzenssachen, und Kommunikation gehört zu deinem beruflichen Profil. Aber Zeit ist nun mal begrenzt. Wie willst du all deine Ehrenämter stemmen?“
„Natürlich zähle ich auf Leute wie dich und viele Mitstreiter über alle Parteigrenzen hinweg. Ohne persönliches Engagement geht gar nichts. Gerade jetzt, wo so viele Fragen zur Zukunft der Bonner Bühnen noch offen sind. Selbstverständlich setze ich mich für Bad Godesberg ein, aber ich verstehe mich als Brücke zwischen den Stadtteilen, zwischen Theater und Musik, Kunst und Wissen, zwischen den Generationen, also eigentlich als Vermittlerin für meine Kulturthemen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern insgesamt. Deshalb habe ich gern Verantwortung übernommen.“
„Dein Herz schlägt aber für Bad Godesberg?“
„Klar, aber vor allem brauchen wir wirklich realistische Perspektiven, damit Bonn insgesamt wieder strahlt. Das gelingt nur, wenn viele vorhandene Kompetenzen in den Prozess eingebunden werden und wir offen miteinander kommunizieren.“
„Was bedeutet für dich persönlich die Theatergemeinde Bonn?“
„Die begleitet mich eigentlich schon seit meiner Kindheit. Als ich wieder zurückkam, habe ich regelmäßig deine Sonntags-Matineen ‚Nachgefragt‘ in den Kammerspielen besucht. Ich erlebe euch als Impulsgeber für den lebendigen Austausch und als soziales Netzwerk, das viele kulturelle Erlebnisse vermittelt. Es ist schön, dass es euch jetzt seit 75 Jahren gibt. Und vor allem sage ich euch: DANKE.“

Donnerstag, 23. April 2026