Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Gemeinsam mit dem Bus ins Theater – jetzt auch aus Grafschaft - kultur Nr. 199 - März 2026 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
Interviews

Gemeinsam mit dem Bus ins Theater – jetzt auch aus Grafschaft - kultur Nr. 199 - März 2026

Porträt der Besuchergruppe Bad Neuenahr und ihrer Leiterinnen Claudia Meihs-Müller und Annemarie Bauer
Zu Beginn des Jahres 2024 gründete die Theatergemeinde BONN zwei neue Besuchergruppen: Für Bad Breisig und für Bad Neuenahr/Ahrweiler.

Die beiden Gruppenleiterinnen stehen vergnügt neben einem Schallplattenregal. | © privat
Die beiden Gruppenleiterinnen stehen vergnügt neben einem Schallplattenregal. | © privat
Inhalt Mit den Leiterinnen dieser Gruppe, Annemarie Bauer und Claudia Meihs-Müller, traf sich die kultur-Redaktion nun, um über die seit zwei Jahren bestehende Gruppe zu sprechen.

kultur: Liebe Frau Bauer, liebe Frau Meihs-Müller, wie kam es, dass Sie sich damals für den Aufruf der Theatergemeinde in den lokalen Mitteilungsblättern („Wer hätte Lust, mit einer Gruppe regelmäßig ins Theater zu fah ren und wer hätte Interesse, eine solche Besuchergruppe ehrenamtlich zu leiten?”) interessiert haben?
Meihs-Müller: Ich war früher selbstständig tätig und hatte keine Zeit, Kulturangebote zu nutzen. Das war 2024 schon anders. Nachdem sich das Leben nach der „Flut“ wieder beruhigt hatte, sehnte ich mich – wie viele – nach Abwechslung und Gesellschaft und hatte Interesse, mich zu engagieren.
Bauer: Ich war Mitglied der früheren Bad Neuenahrer Gruppe der Theatergemeinde. Eine weitere ehemalige Abonnentin hat mich auf den Artikel aufmerksam gemacht und ich hatte Interesse, mit Rat und Tat dabei zu sein. [Anm. d. Red.: Die Gruppe, zuletzt unter der Leitung von Frau Junk, existierte bis zum Ausbruch der Pandemie und ließ sich nicht reaktivieren.]
Kannten Sie einander bereits oder war es für Sie eine ganz neue Zusammenarbeit?
Bauer: Wir haben uns „über die Flut“ kennengelernt. Ich hatte mein Zuhause verloren und habe eine Weile bei Claudia [Meihs-Müller] gewohnt. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt.
Wie war der erste Theatertermin bzw. das erste Treffen mit der Gruppe? Waren Sie sehr aufgeregt? Kannten Sie einige der Teilnehmer:innen schon von woanders her?
Bauer: Das erste Stück, das wir gesehen haben, war „Die Legende von Paul und Paula“ im Schauspielhaus. Wir haben uns sehr gefreut, durch den Theaterbesuch mal wieder andere Dinge jenseits des Alltags zu sehen! Die Begegnung mit den Gruppenmitgliedern war unkompliziert.
Wie setzt sich die Gruppe derzeit zusammen?
Meihs-Müller: Es sind (Stand Januar 2026) 18 Mitglieder, hauptsächlich alleinstehende Seniorinnen. Sie genießen es, in der Gruppe zu sein und sich auch auf der Busfahrt miteinander zu unterhalten. Alle der jetzigen Mitglieder sind seit 2024 dabei.
Bauer: Ich bin die einzige aus der ehemaligen Gruppe von Frau Junk.
Wie machen Sie auf die Theatergruppe aufmerksam?
Meihs-Müller: Wir legen vor allem Prospekte aus und machen „Mund-zu-Mund-Propaganda“. Das klappt immer noch am besten.
Was bieten Bad Neuenahr-Ahrweiler und Umgebung an Kultur?
Bauer: Es gibt den Kulturverein Grafschaft mit Sitz in Lantershofen, der sich „Kulturlant“ nennt. Hier treten auf der Kleinkunstbühne des Winzervereins auch bekannte Kabarettisten auf. In der Seniorenresidenz Augustinum in Bad Neuenahr gibt es auch eine Bühne für Lesungen, Konzerte etc. Sonst gibt es nicht viel …
Derzeit hält Ihr Bus an sechs Stationen. Wo steigen die meisten Leute ein?
Bauer: Die meisten steigen am Bahnhof Bad Neuenahr ein, auch recht viele sind es am Ahrtor in Ahrweiler. Außerdem hält der Bus am Bahnhof in Ahrweiler, an der Hemmesser Kapelle in Bad Neuenahr, in Bad Bodendorf und nun an unserer ganz neuen Haltestelle im Innovationspark Grafschaft. Diese ist erst jetzt, im Januar 2026 hinzugekommen. Sie ist nun die erste auf unserer Route und wird hoffentlich von einigen neuen Mitgliedern genutzt werden. Wir freuen uns sehr über dieses neue Angebot in Kooperation mit der Caritas. Das Abo mit elf Vorstellungen in der Spielzeit 2025/2026 ist derzeit das umfangreichste Abo der Theatergemeinde Bonn. Wie haben Sie den Spielplan festgelegt? Machen Sie Abstimmungen anhand von Wunschzetteln?
Meihs-Müller: Die Teilnehmer/innen freuen sich alle auf die Theaterbesuche und haben genug Zeit – daher sind alle mit elf Vorstellungen, also jeden Monat, außer einem Monat Sommerpause, zufrieden. Wir fragen unsere Mitglieder nach ihren Vorlieben und stellen dann anhand des Spielzeitführers und der Terminübersicht einen Plan zusammen. Man muss einen „gesunden Mix“ aus dem Angebot der vielen Bonner Theater erarbeiten. In diesem Jahr waren alle besonders von „Tootsie“ und „Kardinalfehler“ begeistert.
Welches ist denn Ihr Lieblingstheater?
Meihs: Ich mag das Kleine Theater in Bad Godesberg besonders. Richtig gut hat mir dort die Kempowski-Saga mit „Tadellöser & Wolff“ gefallen. Und ich gehe gerne ins GOP.
Bauer: Ich gehe auch sehr gerne in Malentes Theater Palast – die beiden sind für mich ganz tolle Künstler!
Was war Ihr schönstes und was Ihr schlimmstes Erlebnis als Gruppenleiter?
Meihs-Müller: Ein nettes Erlebnis gab es zum Beispiel neulich: Da erhielt ich in der Nacht nach unserem Besuch im Contra-Kreis eine E-Mail von einem Mitglied: Sie habe ihren Beutel mit den „Theaterschuhen“ im Bus vergessen. Ich habe unseren Busfahrer Herrn Johann angerufen: Er hat die Schuhe tatsächlich gefunden und angeboten, sie zur nächsten Fahrt mitzubringen. Dann stellte sich heraus, dass er am nächsten Tag eine Gruppe von Polizisten nach Ahrweiler zum Weihnachtsmarkt fahren sollte. Wie passend: Er brachte die Tasche mit den Schuhen mit und überreichte sie mir an der Feuerwache Ahrweiler. Ich habe sie der Abonnentin dann nach Hause gebracht und die Freude war groß: So konnte sie die Schuhe an Weihnachten anziehen.
Bauer: Ja, unser Busfahrer Herr Johann ist toll – sehr menschlich, sehr genau, verantwortungsvoll. „Bitte Hinsetzen“, sagt er immer wieder streng, bevor er an den Haltestellen weiterfährt, damit da nichts schiefgeht.
Wieviel Arbeit macht die ehrenamtliche Tätigkeit als Gruppenleiterin? Teilen Sie die Arbeit auf oder macht „jede alles“?
Bauer: Wir machen alles zusammen und verabreden uns dafür. Wir geben auch immer nach den Vorstellungen Feedback an die Theatergemeinde.
Was ist das größte Problem bei der Tätigkeit?
Bauer: Das Aussuchen der Stücke – die Qual der Wahl, aber es macht ja auch Spaß!
Meihs-Müller: Ein Problem ist, dass es nicht noch mehr Teilnehmer:innen sind. Die Kosten für den großen Bus müssen ja finanziert werden.
Was motiviert Sie zu der Aufgabe?
Meihs-Müller: Wir werden „gut entlohnt“ durch den Besuch der Theatervorstellungen – die Abende tun wirklich gut.
Bauer: Und es ist ein Luxus, sich keine Gedanken um Parkplatz etc. machen zu müssen – das sehen auch die Mitglieder so.
Welche Frage möchten Sie noch gestellt bekommen? Was ist Ihnen ein Anliegen?
Meihs-Müller: Ich freue mich immer, wenn die Gruppe mit den Vorstellungsbesuchen zufrieden ist. Und ich hoffe, dass niemand „abspringt“. Die Gruppe wächst immer mehr zusammen je länger man sich kennt, das ist schön. Vielen Dank für das gute Gespräch!
Das Interview führte Juliane Schmidt-Sodingen.
Sie haben Interesse, Mitglied der Gruppe Bad Neuenahr / Ahrweiler / Bad Bodendorf / Grafschaft (Abo 250) zu werden? Tel. 0176 55227323 (Frau Bauer) oder 0170 2460102 (Frau Meihs-Müller).

Mittwoch, 22. April 2026