Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Für Sie ausgelesen von Hartmut Löschcke:Die Kröte von Simone Hirth - kultur Nr. 198 - Januar 2026 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
Literatur

Für Sie ausgelesen von Hartmut Löschcke:Die Kröte von Simone Hirth - kultur Nr. 198 - Januar 2026

Ein Leben mit Kröte
„Das hat die Welt gebraucht: noch ein Buch über irgendwelche weiblichen Befindlichkeiten!“ Die Kröte über „Die Kröte“.

Inhalt Ja, da ist sie nicht ins Leben der Protagonistin getreten, sie hat sich reingeschleimt. Es ging schon unglücklich los im Leben von Milena: eigentlich sollte sie Malina heißen, aber ihrer Mutter fiel nach der komplizierten Geburt der Name nicht ein, als die Hebammen schnell einen in Akten schreiben mussten, um Verwechslungen zu vermeiden. Deshalb hat Milena zwar den Roman von Ingeborg Bachmann zuhause, hat ihn aber nie gelesen. Und nun ist ihr das Smartphone in den Teich geglitten. Nur die Kröte kann helfen. Aber sie lässt sich nicht wieder abschütteln und verändert ihr und ihrer Tochter Lotte das Leben. Wie wird man eine Kröte, die jede Handlung, jede Emotion, jeden Gedanken hinterfragt, oft sogar ins Lächerliche zieht, die an allem rüttelt, was sie für stabil und sicher hielt und am liebsten Maßstäbe frisst, wieder los?
Im Laufe der Neuerzählung des Froschkönigs erfährt die Leserschaft, dass diese eine Art Verteidigungsrede ist: der (Herr) König hat sie verklagt, Milena erzählt vor Richter Doktor Grimm. Doch wie eine Kröte erklären, die niemand sieht? Vielleicht gelingt es mit dem „Chor der Dichterinnen“, die ihr in wichtigen Momenten ihre Poesie leihen? Solange die Worte nicht ausgehen, ist die Geschichte nicht zu Ende.
Simone Hirth legt einen hochpoetischen, nicht immer leicht zu verfolgenden Text vor, der viele Überraschungen enthält, von denen Leserinnen noch mehr entdecken werden als ich als Rezensent.

Montag, 13. April 2026