Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Wild Boys im GOP Varieté-Theater - kultur 188 - Oktober/November 2024 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
kultur - Kritisches

Wild Boys im GOP Varieté-Theater - kultur 188 - Oktober/November 2024

Artistik und schwäbischer Charme
Noch bis zum 3. November herrscht eine prickelnde Atmosphäre aus schwäbisch-mütterlichem Charme und maskuliner Körperkunst im Bonner GOP.

Inhalt Die bekannte Komikerin und Kabarettistin „Rosemie“ (Rosemie Warth, *1965 in Bad Waldsee) präsentiert gemeinsam mit neun jungen Künstlern eine ungewöhnliche, fröhliche Show, die inzwischen ein Klassiker im GOP-Repertoire ist.
Die Bonn-Premiere fand am 6. September statt; die Uraufführung der Show jedoch schon im Jahr 2009 in München. Valentina Steinkühler, die heutige Künstlerische Direktorin von GOP showconcept, war damals Produktionsleiterin. Inzwischen tritt ein Sohn eines Künstlers aus der Cast der Uraufführung in der heutigen Show auf. Regisseur Karl-Heinz Helmschrot führt seit 15 Jahren Regie für Wild Boys. Wie er vor der Bonn-Premiere erläuterte, entstand die Show durch die Idee, „so etwas wie Chippendales auf anspruchsvoll zu machen“, indem man den attraktiven jungen Männern eine erfahrene Bühnenkünstlerin als „Mutter“ gegenüberstellt – als Hommage an die Leidenschaft des Theaters.
Rosemie erfüllt diese Rolle in einzigartiger Weise. Sie stellt sich als „Künstlerliebhaberin“ vor und präsentiert sich im munteren Wechsel schrullig, originell, lustig, liebenswert und manchmal sogar sexy.
Hinter der biederen Frisur und den konservativen Kostümen verbirgt sich eine Frau, die auch mal „groß rauskommen“ will und das im Zusammenspiel mit den „Wild Boys“ in einigen glamourösen Szenen auch tut. Da werden die Faltenkleider, die
Rosemie von Szene zu Szene in zahlreichen Farben präsentiert, einge tauscht für einen divahaften Aufritt im Abendkleid und mit spektakulärem Federkopfschmuck.
Die neun Wild Boys sind nicht nur gute Tänzer, die gern ihre Sixpacks unter der Anzugjacke hervorscheinen lassen, sondern ausgebildete Artisten, die ihr Können in dieser Show in Solo und Duo Nummern präsentieren. Rosemie umrahmt die Auftritte der Herren mit Moderationen sowie kabarettistischen und musikalischen Einlagen – besonders originell ist z. B. ihr Auftritt mit einem riesigen Alphorn, das sie jodelnd begleitet.
Sie stellt sich jedoch nicht selbst in den Mittelpunkt sondern präsentiert stolz „ihre Jungs“. Der Handstand-Künstler Mukhamadi Sharifzoda beweist enorme Kraft und Körperbeherrschung, insbesondere bei Figuren auf einer Hand und Bewegungen in Zeitlupe – in perfekt abgestimmten Lichtdesign, das ihn strahlend umrahmt.
Pavel Roujilo wirkt im schwarzen Kostüm mit Rollkragenpullover wie ein intellektueller Talkshow-Gast, erweist sich aber als grandioser Bälle-Jongleur.
Der vielseitige Tanzakrobat Wasili Urbach sorgt mit HipHop und Breakdance für gute Laune und präsentiert auch einen sehr coolen Moonwalk.
Rola-Rola nennt sich die Balance-Kunst, bei der der Künstler nicht nur auf einem auf einer Rolle aufliegenden Brett stehend das Gleichgewicht hält, sondern nach und nach immer mehr Gegenstände zusätzlich unter dem
Brett platziert. Maxim Kriger beherrscht diese Disziplin famos. Eric Seeger präsentiert zu Queen’s legendärem Song „Don’t stop me now“ rasante Nummern als Bodenakrobat und „Seilchenspringer“ bzw. eleganter ausgedrückt „am Jump Rope“.
Der junge Artist Svyatoslav Rasshivkin hebt an den Strapaten von der Bühne ab und beweist sich in der Höhe u. a. als anmutiger Spagatkünstler. Bis zu fünf Ringe hält der Hula-Hoop-Künstler Philipp Tigris gleichzeitig in Bewegung, wobei durch Reflexionen der Scheinwerfer in den Ringen faszinierende Lichteffekte entstehen. Dmitry Makrushin und Georgii Volkov zeigen als Duo DimaA beeindruckende Partnerakrobatik mit spektakulären Würfen.
Zum Finale verabschieden sich Rosemie und ihre Jungs vom Publikum mit einer Tanzeinlage zum Britney Spears-Song „Womanizer“.
Die Show ist unbedingt sehenswert – auch für Kleinkunstfreunde, die Rosemie mal ganz anders erleben möchten. J.S.

Dienstag, 27. Mai 2025