kultur - Kritisches
Beam mich hoch, Scotty! im Bon(n)RaumTheater - kultur 188 - Oktober/November 2024
Heitere Mars-Expedition
Die Eintrittskarte gilt gleich auch als Flugticket zum Mars. Wahrscheinlich muss man mit dem Aufbruch in ferne Galaxien aber noch ein
bisschen warten.
Inhalt
Auch wenn manche schon von einer zweiten Erde irgendwo im Universum träumen, weil die erste bald nicht mehr bewohnbar sein könnte. Das legendäre Raumschiff Enterprise, das einst
durchs Weltall düste, hat längst ausgedient. Selbst das zum geflügelten Wort aufgestiegene Kommando „Beam mich hoch, Scotty!“ soll in der Kultserie nie vorgekommen sein. Egal, mit dem TV-Star-Trek hat die
Weltraum-Farce, die Ende September in der Regie des Theaterleiters Johannes Prill im kleinen Bon(n)RaumTheater ihre Uraufführung feierte, ohnehin wenig zu tun. Eher etwas mit einem bekannten amerikanischen
Milliardär und Trump-Fan. Ins alte Haus der Luft und Raumfahrt an der Godesberger Allee, wo einst Astronauten für ihren Trip ins Weltall vorbereitet wurden, passt die Story um Elona Maske und ihre Mars-Mission
freilich perfekt.
Wir schreiben das Jahr 2176, die Klimakatastrophe hat den Planeten Erde fest im Griff. Mitunter verkündet die quäkende Stimme der Dame vom Amt für Lebensglück mehr oder minder frohe Botschaften. Die Kommandeurin Elona (Adama Mansare) im feschen Military-Look ist noch ziemlich high von ihrer SpaceX-Fotosafari mit zahlenden Touristen, zumal man sich unterwegs die doppelte Ration Happy-Pillen und eine Menge Champagner gegönnt hat. Außerdem ist Weihnachten, draußen herrschen Backofentemperaturen. Das bodenständige alte Faktotum Jonathan Gutknecht (Andreas Schneiders), der noch so etwas Exotisches wie ein Buch mit sich trägt, trauert den vielen ausgestorbenen Arten nach und verbreitet wenig gute Laune. Zudem ist soeben die Happy-Fabrik einer Sturmflut zum Opfer gefallen. Die Pille „Bittere Realität“ ist leider wenig gefragt.
Ein Grund mehr für Elona, die Kolonisierung des roten Planeten in Angriff zu nehmen und ihn in einen blauen zu verwandeln. Sieben Tage sollten dafür reichen, hat ja schon mal jemand geschafft. Ein Reisegefährte – Voraussetzung „gesunder Größenwahn“ – ist schnell gefunden. Dr. Frederic Frost (Arie Jaspers) verspricht mit Pflanzensamen und Bestäubungsdrohnen blühende Landschaften. Dass die Ausrüstung ansonsten nur bedingt marstauglich ist, macht nichts. Flugs ist die Crew am Ziel. Elona muss sich für die Bilder von ihrem Triumph nur noch schnell eine neue Frisur zulegen, dann kann sie ihre Flagge medienwirksam auf dem eroberten Stern hissen. Womit der Hauptreisezweck schon mal erledigt ist. Aber was treibt dort die merkwürdige Frau mit Sonnenbrille und altmodischem Strohhut, die zu Beginn schon ihrer Geige flirrende Sphärenklänge entlockte? Rosa Blumenreich (Alexandra Suhr) ist schon da und verwehrt den Erdflüchtlingen streng den Zutritt. Ihren Müll sollen sie bitte auch wieder mitnehmen.
Das Publikum sitzt um die Spielfläche herum, die schlichte Ausstattung beschränkt sich auf wenige Requisiten und verzichtet auf technische Spielereien. Alles ist pure Illusion. Die in der Schweiz lebende Autorin Simone Füredi, bisher als Dramatikerin außerhalb ihrer engeren Heimat noch nicht in Erscheinung getreten, hat die hübsche Satire verfasst. Wirklich witzig ist der Text von Kristina Kühne auf dem Programmzettel.
Freundlicher Applaus für eine kurze Abenteuerreise. E.E.K.
durchs Weltall düste, hat längst ausgedient. Selbst das zum geflügelten Wort aufgestiegene Kommando „Beam mich hoch, Scotty!“ soll in der Kultserie nie vorgekommen sein. Egal, mit dem TV-Star-Trek hat die
Weltraum-Farce, die Ende September in der Regie des Theaterleiters Johannes Prill im kleinen Bon(n)RaumTheater ihre Uraufführung feierte, ohnehin wenig zu tun. Eher etwas mit einem bekannten amerikanischen
Milliardär und Trump-Fan. Ins alte Haus der Luft und Raumfahrt an der Godesberger Allee, wo einst Astronauten für ihren Trip ins Weltall vorbereitet wurden, passt die Story um Elona Maske und ihre Mars-Mission
freilich perfekt.
Wir schreiben das Jahr 2176, die Klimakatastrophe hat den Planeten Erde fest im Griff. Mitunter verkündet die quäkende Stimme der Dame vom Amt für Lebensglück mehr oder minder frohe Botschaften. Die Kommandeurin Elona (Adama Mansare) im feschen Military-Look ist noch ziemlich high von ihrer SpaceX-Fotosafari mit zahlenden Touristen, zumal man sich unterwegs die doppelte Ration Happy-Pillen und eine Menge Champagner gegönnt hat. Außerdem ist Weihnachten, draußen herrschen Backofentemperaturen. Das bodenständige alte Faktotum Jonathan Gutknecht (Andreas Schneiders), der noch so etwas Exotisches wie ein Buch mit sich trägt, trauert den vielen ausgestorbenen Arten nach und verbreitet wenig gute Laune. Zudem ist soeben die Happy-Fabrik einer Sturmflut zum Opfer gefallen. Die Pille „Bittere Realität“ ist leider wenig gefragt.
Ein Grund mehr für Elona, die Kolonisierung des roten Planeten in Angriff zu nehmen und ihn in einen blauen zu verwandeln. Sieben Tage sollten dafür reichen, hat ja schon mal jemand geschafft. Ein Reisegefährte – Voraussetzung „gesunder Größenwahn“ – ist schnell gefunden. Dr. Frederic Frost (Arie Jaspers) verspricht mit Pflanzensamen und Bestäubungsdrohnen blühende Landschaften. Dass die Ausrüstung ansonsten nur bedingt marstauglich ist, macht nichts. Flugs ist die Crew am Ziel. Elona muss sich für die Bilder von ihrem Triumph nur noch schnell eine neue Frisur zulegen, dann kann sie ihre Flagge medienwirksam auf dem eroberten Stern hissen. Womit der Hauptreisezweck schon mal erledigt ist. Aber was treibt dort die merkwürdige Frau mit Sonnenbrille und altmodischem Strohhut, die zu Beginn schon ihrer Geige flirrende Sphärenklänge entlockte? Rosa Blumenreich (Alexandra Suhr) ist schon da und verwehrt den Erdflüchtlingen streng den Zutritt. Ihren Müll sollen sie bitte auch wieder mitnehmen.
Das Publikum sitzt um die Spielfläche herum, die schlichte Ausstattung beschränkt sich auf wenige Requisiten und verzichtet auf technische Spielereien. Alles ist pure Illusion. Die in der Schweiz lebende Autorin Simone Füredi, bisher als Dramatikerin außerhalb ihrer engeren Heimat noch nicht in Erscheinung getreten, hat die hübsche Satire verfasst. Wirklich witzig ist der Text von Kristina Kühne auf dem Programmzettel.
Freundlicher Applaus für eine kurze Abenteuerreise. E.E.K.
Dienstag, 27. Mai 2025