kultur - Kritisches
Ramba Zamba - Sterben ohne Erben im Malentes Theater Palast - kultur 188 - Oktober/November 2024
Andalusisches Spektakel
Qué viva España! In Malentes Theater Palast geht es seit dem 12. September ziemlich spanisch zu.
Inhalt
Also: calor, fervor, amor und natürlich canciones und Pesetas. Die Hausherren, eigentlich bekennende Nordlichter, haben nämlich ihr Spiegelzelt in Beuel Pützchen kurz verlassen und sind
mutig weit in den Süden nach Málaga gereist. Mitgebracht haben sie nicht nur ein paar hübsche Requisiten, sondern auch noch eine verrückte alte Geschichte, aus der sie flugs das erste „Andalusical“ der Welt zauberten.
Ramba Zamba – Sterben ohne Erben heißt die neue musikalische Komödie aus der Feder von Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg Vanmarcke, wobei letzterer auch Regie geführt hat.
Wir schreiben das Jahr 1974 – Malente Freunde wissen, wer da zur Welt kam. Strahlendes Zentrum der Story ist der einstige Showstar Carmen Mota Rosita de la Cruz alias Loco Flanel, Besitzerin einer beliebten Bodega in Málaga namens „Club del Sol“, verheiratet mit dem ihr treu ergebenen ehemaligen Schiffskoch Juan Carlos Rodriguez. Umschwärmt wird die selbstbewusste Señora von den beiden Nachbarn, einem ältlichen Spielwaren und einem charmanten Blumenhändler. Nicht ganz so begehrt erscheint das entzückende Töchterchen Bellarosa, das Carmen mit in die Ehe gebracht hat. Immerhin gibt es einen liebenswürdigen jungen Esteban, der ihr sein Herz geschenkt hat, einen neuen Fernseher versprach und dann spurlos verschwand. Dann ist da noch die „bucklige Verwandtschaft“: Juan Carlos‘ ältere Schwester Mercedes Rodriguez de la Coche mit ihrem Gatten Adolpho, deren Erscheinen sich regelmäßig mit Blitz und Donner ankündigt.
Mit Carmens fröhlicher Geburtstagsfeier ist jäh Schluss, als ein Brief der Staatsanwaltschaft hereinflattert. Juan Carlos muss wegen zweifelhaften Finanzgebarens leider eine Weile hinter spanische Gardinen. Für das Ansehen von Carmens blühendem Geschäft nicht gerade förderlich. Doch gerade hat Juan Carlos‘ ehemaliger Kapitän ihn so inständig um Hilfe gebeten, dass er sich einfach nicht verweigern konnte. Also: „Bésame mucho“, und der Gatte macht sich davon.
Leider geht die „Santa Maria“ kurz vor Kuba unter, womit auch Juan Carlos‘ Leben ein trauriges Ende gefunden zu haben scheint. Dass Estebans plötzliches Abtauchen ebenfalls mit einem Knastaufenthalt zu tun hatte, ist nur eine der vielen amüsanten Volten des Dramas. Dass die strenge Mercedes aus purer Gemeinheit Carmen zum Geburtstag ein Los der staatlichen Lotterie geschenkt hat und „El Gordo“ trotzdem den Weg nach Málaga findet, ist ebenso sicher wie ihre Spekulation auf das Erbe des tragisch Verstorbenen. Jedenfalls kann niemand so schön bedrohlich mit den Kastagnetten klappern wie diese „Miss Marple aus Alicante“.
Dirk Vossberg Vanmarcke mimt sowohl den liebenswürdigen Juan Carlos als auch die böse Schwester und den schüchternen Verehrer aus dem Scherzartikelladen. Die ungemein bewegliche Stephanie Lamm, ständiger Gast bei den Malentes,
rockt als reizende Rosita mit ihrer grandiosen Stimme die Bühne und spielt auch den vor seiner strengen Frau kuschenden, feisten Onkel Adolpho. Ganz neu im Palast Team ist Dante Sáenz, gebürtiger Mexikaner, zum Musicaldarsteller ausgebildet in Wien.
Weshalb er als verirrter Pilger Spanisch mit österreichischem Akzent spricht und als Esteban mit tenoralem Schmelz alle Herzen erweicht.
Souveräne Herrscherin über alle Klamauk Klippen hinweg ist Knut Vanmarcke als temperamentvolle Carmen. Für die opulenten, maßgeschneiderten Kostüme hat wie immer Melanie Rosewick gesorgt.
Ansonsten zieht das tanz und sangesfreudige vierköpfige Ensemble allerhand Spanienklischees, samt Bolero, Tango und Flamenco so hinreißend durch den Kakao (pardon: Sangria), dass es am Ende nur mit Jennifer Lopez heißen kann: „Let’s Get Loud!“.
Tosender Premierenapplaus für das muntere Ramba Zamba. E.E. K.
mutig weit in den Süden nach Málaga gereist. Mitgebracht haben sie nicht nur ein paar hübsche Requisiten, sondern auch noch eine verrückte alte Geschichte, aus der sie flugs das erste „Andalusical“ der Welt zauberten.
Ramba Zamba – Sterben ohne Erben heißt die neue musikalische Komödie aus der Feder von Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg Vanmarcke, wobei letzterer auch Regie geführt hat.
Wir schreiben das Jahr 1974 – Malente Freunde wissen, wer da zur Welt kam. Strahlendes Zentrum der Story ist der einstige Showstar Carmen Mota Rosita de la Cruz alias Loco Flanel, Besitzerin einer beliebten Bodega in Málaga namens „Club del Sol“, verheiratet mit dem ihr treu ergebenen ehemaligen Schiffskoch Juan Carlos Rodriguez. Umschwärmt wird die selbstbewusste Señora von den beiden Nachbarn, einem ältlichen Spielwaren und einem charmanten Blumenhändler. Nicht ganz so begehrt erscheint das entzückende Töchterchen Bellarosa, das Carmen mit in die Ehe gebracht hat. Immerhin gibt es einen liebenswürdigen jungen Esteban, der ihr sein Herz geschenkt hat, einen neuen Fernseher versprach und dann spurlos verschwand. Dann ist da noch die „bucklige Verwandtschaft“: Juan Carlos‘ ältere Schwester Mercedes Rodriguez de la Coche mit ihrem Gatten Adolpho, deren Erscheinen sich regelmäßig mit Blitz und Donner ankündigt.
Mit Carmens fröhlicher Geburtstagsfeier ist jäh Schluss, als ein Brief der Staatsanwaltschaft hereinflattert. Juan Carlos muss wegen zweifelhaften Finanzgebarens leider eine Weile hinter spanische Gardinen. Für das Ansehen von Carmens blühendem Geschäft nicht gerade förderlich. Doch gerade hat Juan Carlos‘ ehemaliger Kapitän ihn so inständig um Hilfe gebeten, dass er sich einfach nicht verweigern konnte. Also: „Bésame mucho“, und der Gatte macht sich davon.
Leider geht die „Santa Maria“ kurz vor Kuba unter, womit auch Juan Carlos‘ Leben ein trauriges Ende gefunden zu haben scheint. Dass Estebans plötzliches Abtauchen ebenfalls mit einem Knastaufenthalt zu tun hatte, ist nur eine der vielen amüsanten Volten des Dramas. Dass die strenge Mercedes aus purer Gemeinheit Carmen zum Geburtstag ein Los der staatlichen Lotterie geschenkt hat und „El Gordo“ trotzdem den Weg nach Málaga findet, ist ebenso sicher wie ihre Spekulation auf das Erbe des tragisch Verstorbenen. Jedenfalls kann niemand so schön bedrohlich mit den Kastagnetten klappern wie diese „Miss Marple aus Alicante“.
Dirk Vossberg Vanmarcke mimt sowohl den liebenswürdigen Juan Carlos als auch die böse Schwester und den schüchternen Verehrer aus dem Scherzartikelladen. Die ungemein bewegliche Stephanie Lamm, ständiger Gast bei den Malentes,
rockt als reizende Rosita mit ihrer grandiosen Stimme die Bühne und spielt auch den vor seiner strengen Frau kuschenden, feisten Onkel Adolpho. Ganz neu im Palast Team ist Dante Sáenz, gebürtiger Mexikaner, zum Musicaldarsteller ausgebildet in Wien.
Weshalb er als verirrter Pilger Spanisch mit österreichischem Akzent spricht und als Esteban mit tenoralem Schmelz alle Herzen erweicht.
Souveräne Herrscherin über alle Klamauk Klippen hinweg ist Knut Vanmarcke als temperamentvolle Carmen. Für die opulenten, maßgeschneiderten Kostüme hat wie immer Melanie Rosewick gesorgt.
Ansonsten zieht das tanz und sangesfreudige vierköpfige Ensemble allerhand Spanienklischees, samt Bolero, Tango und Flamenco so hinreißend durch den Kakao (pardon: Sangria), dass es am Ende nur mit Jennifer Lopez heißen kann: „Let’s Get Loud!“.
Tosender Premierenapplaus für das muntere Ramba Zamba. E.E. K.
Dienstag, 27. Mai 2025