Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Elisabeth Einecke-Klövekorn trifft Charlotte Quadt - kultur Nr. 187 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
Interviews

Elisabeth Einecke-Klövekorn trifft Charlotte Quadt - kultur Nr. 187

Maddalena, Olga und Ruggiero

Inhalt Am Wochenende vor unserem Gespräch hat sie in der Bonner Kreuzkirche die Altpartie in der szenischen Aufführung von Bachs Johannes­Passion unter dem Titel „Macht mir den Himmel auf“ gesungen. Musikalisch geleitet wurde diese besondere Produktion von Karin Freist-Wissing. Bei der szenischen Aufführung von Bachs Matthäuspassion 2019 war Charlotte Quadt auch schon dabei. Sie ist begeistert von dem hervorragenden „Vox Bona“-Chor und dem unermüdlichen Engagement der Kirchenmusikdirektorin, die die Kreuzkirche zu einem lebendigen Kulturzentrum gemacht hat. Nun freut sich das ganze Ensemble auf die beiden Aufführungen in wenigen Tagen beim Bachfest in Leipzig.
Unmittelbar danach folgen in der Bonner Oper ihre Auftritte beim Jugendkonzert B+, dem Freitagskonzert „Götterfunken“ und der Sonntagsmatinee „Im Spiegel“. Im Zentrum aller drei Konzerte des Beethoven Orchesters Bonn unter der Leitung von Dirk Kaftan steht Beethovens 9. Sinfonie, die vor 200 Jahren in Wien uraufgeführt wurde. Es ist ihre erste Zusammenarbeit als Konzertsängerin mit dem Beethoven Orchester, mit dem sie an der Oper selbstverständlich bestens vertraut ist. Die Tenorpartie singt übrigens ihr Ehemann Sebastian Kohlhepp, der ihr auch schon in der Johannespassion als Evangelist zur Seite stand. Dass die beiden gemeinsam auf der Bühne erscheinen, ist angesichts ihrer diversen Engagements eher selten und deshalb umso schöner.
Die in Beuel („auf der Bonner Sonnenseite!“) geborene Mezzosopranistin Charlotte Quadt ist seit der Spielzeit 2023/24 festes Mitglied des Ensembles der Bonner Oper, wo sie als Gast zuvor schon seit nunmehr 13 Jahren zu erleben war. „Gern und viel gesungen habe ich schon als Kind. Angefangen hat es mit Disney-Filmen und Musicals. Mit meinem Bruder, der alles spielte, was Tasten hat, habe ich ein Musical-Duo gegründet. Wir sind dann bei Familienfeiern und kleinen Events in der näheren Umgebung aufgetreten und hatten viel Spaß dabei. Meine Eltern – besonders meine Mutter war künstlerisch sehr interessiert – haben uns enorm unterstützt. Ich bekam privaten Musikunterricht, lernte Jazz-Dance und Steppen und besuchte Konzerte und Theateraufführungen. Ein Schlüsselerlebnis war sicherlich Franziska Severins wunderbar märchenhafte Inszenierung von Humperdincks ‚Hänsel und Gretel‘. Ingrid Bartz, neben Susanne Blattert eins meiner frühen Vorbilder, sang damals den Hänsel. Natürlich habe ich nicht daran gedacht, dass ich später mal selbst diese Rolle spielen würde. Dass diese Kinderoper mein Lieblingsstück ist, liegt natürlich auch ein bisschen daran, dass der Komponist in Siegburg geboren wurde und somit quasi in meiner Heimat.“ 2017 sang sie den Hänsel am Landestheater Detmold, 2018 und 2021 in Bonn. Zuletzt in der modernen Neuinterpretation von Momme Hinrichs, die in der nächsten Spielzeit wiederaufgenommen wird – allerdings wird Charlotte Quadt wegen anderer Aufgaben diesmal nicht mitwirken.
Zum ersten Mal auf der Bühne gestanden hat Charlotte 1994 mit neun Jahren im Jungen Theater Bonn. Sie spielte in der Regie von Helmut Tromm das Mädchen Pünktchen in Kästners „Pünktchen und Anton“. Zum letzten Mal dort aufgetreten ist sie 2002 in dem Jugendstück „Crazy“ von Benjamin Lebert. „Ich steckte damals mitten im Abitur, aber als Moritz Seibert mich anrief und fragte, habe ich trotzdem zugesagt.“

Zu dieser Zeit hatte sie sich schon für den klassischen Gesang entschieden, doch Erfolge beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Bundesebene in der Kategorie Gesang Solo sowie ein Stipendium des Richard-Wagner-Verbandes ermutigten sie in ihrem Vorhaben, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen.
An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main studierte sie dann Gesang bei Thomas Heyer und besuchte Meisterkurse u. a. bei Ingeborg Danz, Helen Donath und Peter Schreier. Zuletzt wurde sie in Den Haag von dem amerikanischen Tenor James McCray unterrichtet. Neben Hochschulproduktionen hatte sie die Chance, schon während des Studiums wertvolle Erfahrungen an mit Frankfurt kooperierenden Häusern wie dem Badischen Staatstheater Wiesbaden und dem Staatstheater Darmstadt zu sammeln.
Ihren Einstand an der Oper Bonn gab sie 2010 als Einspringerin in „Carmen“. Sie spielte die Mercedes, eine Partie, die sie zu der Zeit auch in Darmstadt sang und noch viele Male in ihrer Laufbahn verkörperte. Seitdem war sie regelmäßig in Bonn zu Gast. Zahlreiche Engagements führten sie außerdem an andere Opernhäuser wie zum Beispiel an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf, das Theater Münster und das Theater Heidelberg. Die böse Schwester Tisbe in Rossinis „Cenerentola“ (Regie: Leo Muscato) sang sie in der Saison 2021/22 in Bonn und danach auch in Duisburg und in Köln. Großen Spaß gemacht hat ihr 2022 auch die Wiederaufnahme von Mozarts „Figaro“ in der Regie von Aron Stiehl, bei der sie ihr Debüt als Cherubino gab. „Welch eine herzerfrischende Inszenierung!“, sagt sie immer noch vergnügt.
Ein großer Erfolg war Tschaikowskijs „Eugen Onegin“. Charlotte war die lebenslustige junge Olga, die gern mit dem Fahrrad herumsaust. „Schlitten fahren durfte ich auch“, sagt sie fröhlich. „Radfahren mit dem weiten Tüllrock und diversen versteckten Hindernissen auf der Bühne war aber gar nicht so einfach.“
Kaum zu erkennen war sie hingegen als feister, eitler Höfling Narciso in ­Muscatos herrlich witziger Inszenierung von Händels „Agrippina“ in der vergangenen Spielzeit. Als Nächstes steht Händels Oper „Alcina“ auf ihrem Programm. Sie spielt den von Alcina verzauberten Ruggiero. Das Werk ist ihr sehr vertraut: In Münster hat sie 2017 mit großem Erfolg schon die tapfere Bradamante gesungen. Engagiert ist sie in der nächsten Spielzeit außerdem als Dritte Dame bei der Wiederaufnahme von Mozarts „Zauberflöte“ und in der neuen Familienoper „Die blaue Sau“, die im Mai 2025 ­herauskommt.
Sehr gern mal singen möchte sie irgendwann noch die Dorabella in Mozarts „Così fan tutte“ und die Titelpartie in Bizets „Carmen“. Ansons­ten ist ihr Terminkalender gut gefüllt mit Konzertverpflichtungen. „Es ist mir wichtig, beides zu machen: Theater und Konzerte. Die Stimme begreife ich als ganzheitliches Instrument und schätze die Arbeit mit unterschiedlichen Ensembles. Man muss breit aufgestellt sein.“ Musik des 20. und 21. Jahrhunderts hat sie zwar auch schon gesungen, aber ihre Vorliebe gehört der Klassik und dem Barock.
Dass sie, nachdem sie mehr als ein Jahrzehnt freiberuflich tätig war, nun fest in Bonn engagiert ist, gibt auch eine gewisse Sicherheit und entlastet von der vielen organisatorischen Arbeit, die die Selbstständigkeit mit sich bringt. Außerdem lässt es sich mit der Familie gut verbinden. „Corona hat uns vorsichtiger gemacht. Plötzlich stand man auf der Straße und wusste nicht, wie es weitergeht. Wir haben – soweit das möglich war – viel bei privaten Anlässen gesungen, um den Menschen irgendwie Hoffnung und Trost zu spenden.“
Ihren Mann hat sie bei einem Konzertprojekt an der Musikhochschule kennengelernt. 2014 haben sie geheiratet. Der Tenor Sebastian Kohlhepp ist seit 2017 freischaffend weltweit unterwegs und an den internationalen Opern- und Konzerthäusern zwischen Mailand, Wien und den Salzburger Festspielen ein gern gesehener Gast. „Mein Mann ist zwischen seinen Engagements trotzdem oft zuhause. Dass wir beide denselben Beruf haben, ist ein Vorteil. Wir kennen die Abläufe, die Höhen und Tiefen unseres Berufs und sind daran gewöhnt, antizyklisch zu arbeiten. Aber daheim schalten wir auch einfach mal ab und genießen mit den Kindern die Distanz vom künstlerischen Betrieb.“
Charlotte Quadt ist überzeugte Bonnerin, liebt den rheinischen Karneval – insbesondere natürlich die Beueler Weiberfastnacht – und freut sich darauf, hier mit frischem Elan noch viele Jahre das Kulturgeschehen mitzugestalten.

Donnerstag, 01. August 2024