kultur - Kritisches
Furzipups, der Knatterdrache - Junges Theater Bonn - kultur Nr. 187
Unverschämtes Vergnügen
Furzipups, der Knatterdrache
| © Benjamin Westhoff
Inhalt
Es ist überhaupt nicht lustig, wenn man genau das nicht kann, was alle jungen Drachen können müssen. Statt Feuer kommt bei ihm nur Dampf raus, und das auch noch an der falschen Stelle. Deshalb heißt es auch: „Furzipups, der Knatterdrachen, hatte selten was zu lachen“. Viel zu lachen hat hingegen das Publikum im Jungen Theater Bonn bei den witzigen Wortspielen und lustigen Reimen im kunterbunten Drachenreich. Marcel Höfs hat die Geschichte vom kleinen Drachen Rolli Rauch, dem das Feuerspeien einfach nicht gelingen will, ganz neu für die Bühne bearbeitet und die Uraufführung höchst vergnüglich inszeniert. Kai Lüftners beliebte Bilderbücher um den Knatterdrachen Furzipups, wunderschön illustriert von Wiebke Rauers, lieferten den Stoff für das fröhliche Abenteuer. Höfs hat dazu die Dialoge verfasst, die mitreißende Musik und die Liedtexte hat der Komponist Matthias Kaufmann eigens für diese Version geschrieben. Ausstatterin Katharina Savvides hat eine schillernde Vulkanlandschaft mit rot flackernden Lavaströmen (tolles Licht: Jens Naujocks) auf die Bühne gezaubert und die farbenfrohen Kostüme entworfen. Für schwungvolle Bewegung sorgt die Choreografie von Marina Rosenstein.
Ungemein sympathisch verkörpert Gurmit Bhogal den zierlichen Glutigel Gisbert, der die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer in das Geschehen einführt und immer zur Stelle ist, wenn’s brenzlig wird. Nur um Freundschaft wirbt er vergeblich. Die selbstbewussten Musterschüler Berta Brutzel und Benno Brenndy – „Wir sind die heißesten Feuerdrachen und machen krasse Sachen“ – beachten ihn kaum. Und Rolli hat andere Sorgen. Statt Feuer und Rauch zu spucken wie alle ordentlichen Knall- und Knisterdrachen, kriegt er nur peinliche Pupser hin. Alle seine Anstrengungen gehen also buchstäblich nach hinten los. „Furzipups“ nennen ihn spöttisch seine Artgenossen. Thomas Kahle spielt überaus eindringlich den Außenseiter, der sich trotz allem nicht unterkriegen lässt. Melina Jagodzinska und Axel Becker verkörpern außer Berta und Benno auch die anderen Figuren im Drachenland. Herrlich komisch ist der pompöse Auftritt von Tante Rotzi mit einem Einkaufswagen mit superscharfem Futter. Was jedoch keinen Funken aus Furzipus‘ Maul erzeugt, sondern den dampfenden Rumor in seinen Eingeweiden noch weiter anregt. Die ärztlichen Bemühungen von Dr. Brodelblitz und
Dr. Schmurgelschmauch nützen ebenso wenig wie schmerzhafte Bäder in der glühend heißen Lava.
Doch es müssen nicht immer Flammen und Rauch sein. Selbst weniger angesehene Fähigkeiten können zum Erfolg führen. Bei der Vulkaniade, dem größten Konzert-Event im ganzen Feuerland (der ESC lässt grüßen), siegt ein fabelhaftes neues Trio: ein furzender Drache, ein rülpsender Igel und ein hicksendes Huhn. Die Sympathie aller kleinen und großen Theaterbesucher haben sie in einer turbulenten Stunde mit viel Gesang und Tanz ohnehin schon gewonnen. Und der schüchterne Glutigel hat nun viele Freunde.
Klar: Die frechen kleinen Tabubrüche mit üblicherweise eher nicht erwünschten Geräuschen und Gerüchen machen Riesenspaß. Die Botschaft überzeugt: Es ist nicht so schlimm, wenn man nicht allen Anforderungen genügt. In manchen Schwächen steckt auch eine Stärke. Mit der Moral muss man sich hier allerdings kaum aufhalten. Die Inszenierung nimmt geschickt die Sehgewohnheiten der Kinder auf und ist ein Feuerwerk der guten Laune voller amüsanter Überraschungen. Mit einem großartigen Darstellerquartett (alle sind Mitglieder des fest engagierten JTB-Profi-Ensembles), das mit hinreißender Spiellust aus falschen Pupsern echte Funken schlägt. Stürmischer Premierenapplaus.
Die Aufführung wird empfohlen für Publikum ab drei Jahren. Noch ein kleiner Tipp: „Kunstfurzer“ findet man sogar bei Wikipedia.
E.E.-K.
Ungemein sympathisch verkörpert Gurmit Bhogal den zierlichen Glutigel Gisbert, der die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer in das Geschehen einführt und immer zur Stelle ist, wenn’s brenzlig wird. Nur um Freundschaft wirbt er vergeblich. Die selbstbewussten Musterschüler Berta Brutzel und Benno Brenndy – „Wir sind die heißesten Feuerdrachen und machen krasse Sachen“ – beachten ihn kaum. Und Rolli hat andere Sorgen. Statt Feuer und Rauch zu spucken wie alle ordentlichen Knall- und Knisterdrachen, kriegt er nur peinliche Pupser hin. Alle seine Anstrengungen gehen also buchstäblich nach hinten los. „Furzipups“ nennen ihn spöttisch seine Artgenossen. Thomas Kahle spielt überaus eindringlich den Außenseiter, der sich trotz allem nicht unterkriegen lässt. Melina Jagodzinska und Axel Becker verkörpern außer Berta und Benno auch die anderen Figuren im Drachenland. Herrlich komisch ist der pompöse Auftritt von Tante Rotzi mit einem Einkaufswagen mit superscharfem Futter. Was jedoch keinen Funken aus Furzipus‘ Maul erzeugt, sondern den dampfenden Rumor in seinen Eingeweiden noch weiter anregt. Die ärztlichen Bemühungen von Dr. Brodelblitz und
Dr. Schmurgelschmauch nützen ebenso wenig wie schmerzhafte Bäder in der glühend heißen Lava.
Doch es müssen nicht immer Flammen und Rauch sein. Selbst weniger angesehene Fähigkeiten können zum Erfolg führen. Bei der Vulkaniade, dem größten Konzert-Event im ganzen Feuerland (der ESC lässt grüßen), siegt ein fabelhaftes neues Trio: ein furzender Drache, ein rülpsender Igel und ein hicksendes Huhn. Die Sympathie aller kleinen und großen Theaterbesucher haben sie in einer turbulenten Stunde mit viel Gesang und Tanz ohnehin schon gewonnen. Und der schüchterne Glutigel hat nun viele Freunde.
Klar: Die frechen kleinen Tabubrüche mit üblicherweise eher nicht erwünschten Geräuschen und Gerüchen machen Riesenspaß. Die Botschaft überzeugt: Es ist nicht so schlimm, wenn man nicht allen Anforderungen genügt. In manchen Schwächen steckt auch eine Stärke. Mit der Moral muss man sich hier allerdings kaum aufhalten. Die Inszenierung nimmt geschickt die Sehgewohnheiten der Kinder auf und ist ein Feuerwerk der guten Laune voller amüsanter Überraschungen. Mit einem großartigen Darstellerquartett (alle sind Mitglieder des fest engagierten JTB-Profi-Ensembles), das mit hinreißender Spiellust aus falschen Pupsern echte Funken schlägt. Stürmischer Premierenapplaus.
Die Aufführung wird empfohlen für Publikum ab drei Jahren. Noch ein kleiner Tipp: „Kunstfurzer“ findet man sogar bei Wikipedia.
E.E.-K.
Donnerstag, 01. August 2024