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Das Lächeln der Frauen nach dem Roman von Nicolas Barreau - Kleines Theater (Außenbühne) - kultur Nr. 187

Pariser Leichtigkeit

Das Lächeln der Frauen | © Patric Prager
Das Lächeln der Frauen | © Patric Prager
Inhalt Dieses Buch hat ihr das Leben gerettet: Das Lächeln der Frauen eines ­englischen Schriftstellers namens Robert Miller. Denn als Aurélie, Besitzerin des Restaurants „Le Temps des Cerises“ und soeben schnöde von ihrem Freund verlassen, verzweifelt durch Paris irrte, landete sie in einem kleinen Buchladen. Und stieß dort auf einen Roman, der von ihrem Restaurant und dessen charmanter Chefin handelt. Klar, dass sie den Autor kennenlernen möchte. Was sich als schwierig erweist, denn dessen französischer Verlag, gibt sich wenig kooperativ. Speziell der Cheflektor André, der die Geschichte selbst heimlich verfasst hat. Selbstverständlich wird daraus bald eine echte Love-Story mit diversen Komplikationen und einem ziemlich sicheren Happy-End.
Erfinder dieser heiteren Romanze ist Nicolas Barreau, geboren 1980 in Paris, der nach ersten schriftstellerischen Erfolgen mit seinem Roman Das Lächeln der Frauen 2012 den internationalen Durchbruch schaffte. Das liebenswerte Buch des sympathisch aussehenden Autors stürmte die Bestsellerlisten, wurde in mehr als dreißig Sprachen übersetzt, 2013 verfilmt und 2014 in der ZDF-Reihe Herzkino ausgestrahlt. Monsieur ­Barreau, offenbar mit dem Literaturbetrieb bestens vertraut, schrieb fleißig weiter romantische Paris-Geschichten; sein elftes Buch Die Freundin der Braut ist soeben erschienen. Seine Fans dürften allerdings ähnliche Probleme haben wie Aurélie auf der Spur von ­Mister Miller. Wer nach Barreaus deutscher „Übersetzerin“ Sophie Scherrer suchte, stieß auf Daniela Thiele, geboren 1959 in Düsseldorf, Lektorin und Mitbegründerin des Thiele-Verlags, bei dem Barreaus steile Karriere begann. Nachdem sie kürzlich bei einer Lesung in Turin schon mit dem Geständnis ihrer Autorschaft für Aufsehen sorgte, hat sie im Kleinen Theater bei der Vorpremiere von Das Lächeln der Frauen erstmals in Deutschland ihr Geheimnis offiziell gelüftet: Unter dem Pseudonym „Nicolas Barreau“ hat sie selbst die beliebten Romane geschrieben. Das amüsante Versteckspiel um einen fiktiven Autor ist also eine doppelte Fiktion.
Der erfahrene Schauspieler Steffen Laube (Regie und Bühne) hat für seine Inszenierung von Das Lächeln der Frauen den Text beherzt um mindestens zwei Drittel gekürzt, allzu sentimentale Passagen (allerdings auch die im Text verstreuten Kochrezepte) gestrichen und die Paris-­Nostalgie reduziert. Das Publikum sitzt zu beiden Seiten eines langen Steges, der von Aurélies altmodischem Himmelbett zu riesigen Bücherstapeln führt. Anna Möbus spielt die selbstbewusste junge Frau, die wissen will, wer sie da unversehens zur literarischen Figur gemacht hat. Herrlich komisch ist ihre Flucht vor dem jungen Polizisten, der sie vom Sturz in die Seine abhalten will. Bis sie atemlos in den Buchladen stürzt, wo ihr Leben ein neues Ziel gewinnt. Manuel Jadue ist der Lektor André, spielt aber auch etliche andere Rollen. Er ist u. a. der joviale Verlagschef, der hier breites Österreichisch spricht, und der englische Literaturagent Adam, mit dem André nach einem alkoholreichen Abend bei der Frankfurter Buchmesse die Erfindung des Autors Robert Miller in Angriff nimmt. Ungemein witzig sind die Dialoge, in denen Jadue gleich beide Partner verkörpert. Für Lacher sorgt auch sein Versuch, anhand einer Schautafel die komplizierte Situation strategisch zu entwirren. Natürlich hat er sich in die bezaubernde Aurélie verliebt, aber was macht man, wenn die Traumfrau einem Phantom nachjagt und man die eigene Identität nicht preisgeben darf?
Briefe und Telefonate (im Verlag benutzt man noch ein altes Wählscheiben-Telefon, Aurélie googelt auf ihrem Notebook) treiben die Komödie ebenso voran wie ein paar Gläser Champagner. Mit der Punktlandung im Himmelbett ist die Geschichte jedoch noch nicht zu Ende. Flott und spritzig bleibt sie bis zum finalen „Menu d’amour“ in Aurélies Restaurant. Egal, von wem Das Lächeln der Frauen stammt: Es ist ein federleichtes Sommerstück voller köstlicher Überraschungen mit einem fabelhaften Schauspieler-Duo. Daniela Thiele versicherte glaubwürdig, dass sie nach der Besichtigung von acht anderen Bühnenfassungen Steffen Laubes Inszenierung in Bonn am besten fand. Das Premierenpublikum zollte der bezaubernden Komödie begeisterten Applaus.

E.E.-K.

Donnerstag, 01. August 2024