Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Kehlmann, Daniel: Lichtspiel - kultur Nr. 186 - Mai 2024 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
Literatur

Kehlmann, Daniel: Lichtspiel - kultur Nr. 186 - Mai 2024

Ein neuer Kehlmann – ein Ereignis?

Inhalt Ein beklemmendes Buch, weil (leider) hochmodern,
obwohl es die Biografie eines
StummfilmRegisseurs
beschreibt, der zu seiner
Zeit weltberühmt war, aber als Jude im
Nazireich emigrieren musste. Er kam zwar bis
Amerika, konnte aber dort nicht Fuß fassen.
Er kehrte zurück nach Österreich, der Krieg
brach aus, die Grenzen waren geschlossen,
er war gefangen. Aber: Er war berühmt, und
Goebbels und die Ufa an ihm interessiert.
Natürlich musste er, da er überleben wollte,
nachgeben und tun, was von ihm verlangt
wurde.
Daniel Kehlmann hat recherchiert,
auch unsere Zeit, 80 Jahre danach.
Judenhass und Antisemitismus leben
wieder auf, das ist das Beklemmende
an diesem Buch, das ich immer nur
relativ kurze Zeit lesen konnte. Haben
wir wirklich nichts gelernt?
Georg Wilhelm Pabst hat den Krieg
überlebt, nicht zuletzt trotz seines
Judentums, aber dank seiner
Berühmtheit. (Ich habe allerdings
seinen Namen nicht gekannt!)
Fazit: Ein neuer Kehlmann, wie erwartet
auf allen Bestsellerlisten vornan
zu finden, ein gutes Buch voller
Wissen über die Zeit, die es beschreibt,
über die Menschen, die wir
als „Geschichte“ kennen wie Leni
Riefenstahl oder Marlene Dietrich u. v. a., aber die Hauptperson,
G. W. Pabst, war doch den meisten von uns nicht so präsent – oder?
Und er bleibt es merkwürdigerweise auch, ich bin jedenfalls nicht
sein Fan geworden. Allerdings war ich seinerzeit zu jung, um Stummfilme
zu sehen. Noch sind kaum 100 Jahre vergangen, und dieses
Buch von Daniel Kehlmann, gnadenlos gut geschrieben, ist – leider –
hochmodern.

Mittwoch, 26. Juni 2024