Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Das Pilatus Evangelium von Eric-Emmanuel Schmitt - Bon(n)RaumTheater - kultur Nr. 186 - Juni 2024 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
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Das Pilatus Evangelium von Eric-Emmanuel Schmitt - Bon(n)RaumTheater - kultur Nr. 186 - Juni 2024

Biblischer Krimi
Das Felsengrab ist leer, die prominente Leiche ist verschwunden. Manche behaupten sogar,
den „Zauberer aus Nazareth“ lebendig gesehen zu haben.

Inhalt Der römische Präfekt Pilatus – „Ich hasse Jerusalem!“ – ist beunruhigt.
Er wollte diesen seltsamen Wanderprediger Jeshua nicht hinrichten lassen.
Doch der jüdische Hohe Rat bestand auf dem Prozess, und das aufgebrachte Volk verlangte lautstark die Kreuzigung
des offensichtlich Unschuldigen. Pilatus hoffte noch, mit einer blutigen Geißelung des Opfers die Menge zu befriedigen.
Aber es half nichts – er musste nachgeben und konnte nach dem Todesurteil bekanntlich nur noch symbolisch seine Hände waschen.
Man muss nicht besonders bibelfest sein, um die Geschichte zu erkennen. Walter Ullrich hat das Drama des französischbelgischen
Erfolgsautors Eric-Emmanuel Schmitt bereits 2007 im Kleinen Theater mit sich selbst in der Titelrolle inszeniert.
Schmitt, vor rund zwanzig Jahren auch in Deutschland bekannt geworden durch seinen Bestseller Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran,
befasst sich immer wieder mit den Weltreligionen. Pünktlich am Gründonnerstag hat das neue „Bon(n)RaumTheater“ mit der ausverkauften Premiere
von "Das Pilatus Evangelium" seine Spielstätte in Bad Godesberg nahe am Hochkreuz eröffnet. Peter Koepke und Monika Osterheld, Eigentümer
des „Hauses der Luft- und Raumfahrt“, das sie in einen Kulturort umgewandelt haben, konnten sich über den gelungenen Start des neuen Theaters freuen.
Theaterleiter Johannes Prill und der Kölner Schauspieler Volker Hein präsentieren die Story als nüchternen Krimi. Keine historischen Kostüme,
keine Sandalenfilm-Anmutung, kein Passions-Pop.
In dem schlichten kleinen Bühnenraum wird an einem langen weißen Tisch mit zwei hohen Stühlen verhandelt,
was geschehen ist und welche Motive im Spiel sein könnten. Hein spielt den aufgeklärten Römer Pilatus,
dem die ganzen archaischen Rituale in seinem Verwaltungsgebiet einfach zuwider sind. Seine Beobachtungen diktiert er seinem von Prill
im weißen Anzug verkörperten Schreiber Sextus in die Feder und lässt sich von ihm noch mal die Prozessakten vorlesen.
Dem erfahrenen Politiker Pilatus ist klar: Ein angeblich wiederauferstandener Friedensprediger,
der sich als Gottessohn ausgibt, könnte ganz Palästina in Flammen setzen und das mühsam erreichte
gesellschaftliche Gleichgewicht aus den Angeln heben. Sextus ist sich sicher, dass der ärmliche
Prophet nicht der erwartete Messias gewesen sein kann. In kurzen Szenen versuchen der
Kommissar und sein Assistent, der Sache auf den Grund zu gehen. Welche Rolle spielen der mächtige
Hohepriester Kaiphas und der angesehene Bürger Joseph von Arimathia, der seine Familiengruft
zu Verfügung stellte? Führt eine Spur in den Palast des Königs Herodes und zu seinem hysterischen
Töchterchen Salome? War Jeshua überhaupt wirklich tot?
Eindrücklich demonstrieren die beiden Akteure an einer hölzernen Gliederpuppe die medizinischen Vorgänge bei einer Kreuzigung.
Aber was ist mit Pilatus‘ Gattin Claudia, die einst von dem wundersamen Magier von einer schweren Krankheit geheilt wurde,
nun plötzlich fortgereist ist und sich „Christin“ nennt? Am Ende weiß Pilatus nur eins sicher: „Nichts ist beängstigender als ein Mysterium“.
Die Aufführung ist kein theologischer Essay, sondern ein nachdenkliches Kriminalstück.
Überzeugter Premierenbeifall. Mittlerweile wurde die Inszenierung auch schon erfolgreich im Kölner BOX-Theater gezeigt. (E.E.K.)

Mittwoch, 26. Juni 2024