Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Viva Malente – The American Way of Schlager - Malentes Theater Palast - kultur Nr. 186 - Juni 2024 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
kultur - Kritisches

Viva Malente – The American Way of Schlager - Malentes Theater Palast - kultur Nr. 186 - Juni 2024

Aus der bunten neuen Welt
Das Konzept ihrer transatlantischen Revue ist nicht ganz neu, aber jetzt
komplett aufgefrischt für die Präsentation in der Bundesstadt Bonn.
Nun heißt es also auch hier: Welcome to fabulous Las Vegas!

Inhalt Familie Malente lädt ein ins weltberühmte Stardust Casino. Das wurde zwar 2007 abgerissen,
aber es gibt ja Malentes Theater Palast in Pützchen. Festlich geschmückt mit den Stars and Stripes der Vereinigten Staaten von Amerika.
Denn wir beamen uns zurück in die Zeit, als die Bildschirme in der BRD bunt zu flimmern begannen.
Am 25. August 1967 drückte Vizekanzler Willy Brandt bei der Funkausstellung
in Westberlin einen roten Knopf (zugegeben: Es war nur eine Attrappe) und startete damit das deutsche Farbfernsehen.
Die Malentes waren damals zwar noch nicht geboren, aber – zumindest in ihrer Fantasie –
nicht nur live dabei, sondern nach einem erfolgreichen Jahr fern der Heimat in der legendären Entertainment-Metropole
sogar bereit, ihre Freunde aus den USA vor die deutschen Kameras zu holen.
Viva Malente. The American Way of Schlager heißt die neue Show, in der sie das Ereignis wiederaufleben lassen.
Eigentlich brauchen die Hausherren Knut Vanmarcke und Dirk Voßberg-Vanmarcke den Umweg über die TV-Geschichte gar nicht.
Vor den munter verstreuten Kalauern und den irrwitzigen Parodien des Duos sind ohnehin nicht mal Winnetou
(damals durfte man das „I“Wort noch benutzen) und Old Shatterhand sicher. Dean Martin gibt sich –
nicht ganz nüchtern – die Ehre, wobei nebenbei auch noch herauskommt, dass Johnny Walker eine deutsche Schwester namens Maria Cron hat.
Auch Dolly Parton ist aus den USA angereist, Marilyn Monroe im feuerroten Glitzerkleid
erscheint gleich dreifach, und Doris Day erweist sich als perfekte Veranstalterin von Tupperware-Partys.
Wenn es darum geht, wie man sich einen Millionär angelt, kann die Devise nur heißen: „My Heart belongs to Aldi“. Mit den „Rosie Singers“
haben sich die Malentes sängerisch und tänzerisch brillante weibliche Verstärkung in ihr Spiegelzeit geholt.
Alle drei sind zum ersten Mal hier zu erleben. Die junge Nathalie Ciesla begeistert unter anderem als Superstar Cher.
Giulia Fagioli, direkt aus Rom eingeflogen, beweist als Caterina Valente italienisches Temperament.
Die gebürtige Schweizerin Rahel Fuhrimann zeigt sich als fabelhafte Komödiantin und ist als vollschlanker King Elvis im weißen Anzug
einfach unschlagbar.
Die Kostüme von Melanie Rosewick sind wie immer für allerhand Überraschungen gut, die Perücken (Maske: Andreas Hintz) echte Kunstwerke.
Für Bewegung sorgt die flotte Choreografie von Luca Graziosi. Im Bühnenbild von Heiko de Boer wechseln die Schauplätze rasant von der Glamourshow bis zur
LH-Boeing aus der Zeit, als Fliegen noch ein exklusives Vergnügen war und Stewardess ein Traumberuf. Mister Malente (Dirk Voßberg-Vanmarcke)
genießt den Heimflug aus dem fernen Westen mit Hilfe einiger Martinis – die existenzielle Frage „geschüttelt oder gerührt“ kann da nicht ausbleiben.
Knut Vanmarcke als blonde Queen des Malente-Universums bleibt sowieso unerschütterlich. Zwischen Wedding Chapel und Illusionsapparat
wird gern auch ein bisschen gezaubert. Der Klassiker mit dem Girl in the Box kommt ebenso vor wie ein lustiger Kartentrick – schließlich
sind wir im größten Spielerparadies.
Highlights des Abends sind die Kessler-Zwillinge, aus den USA ebenso nach Good Old Germany reimportiert wie Siegfried & Roy samt weißer Großkatze.
Zwei Personen aus dem Publikum dürfen kurz auf der Bühne mitspielen. Ob‘s Glück oder Pech ist, bleibt Ansichtssache.
Sogar der Familienhund kriegt einen kleinen Auftritt. Mit bissiger Ironie halten sich die beiden Herren in ihren schillernden Jacketts diesmal zurück zugunsten
der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Witz und gute Laune sind da angesichts etlicher Turbulenzen eher angesagt.
StürmischerPremierenapplaus mit Standing Ovations. Manche im Publikum erschienen sogar stilecht kostümiert. (E.E.K.)

Mittwoch, 26. Juni 2024