Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Trennung für Feiglinge von Clément Michel - Contra-Kreis-Theater - kultur Nr. 186 - Juni 2024 | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
kultur - Kritisches

Trennung für Feiglinge von Clément Michel - Contra-Kreis-Theater - kultur Nr. 186 - Juni 2024

Verrückte Dreiecksbeziehung
Irgendwie ist es passiert. Warum weiß Paul nicht genau, nur dass es schwierig wird.

Inhalt Vor ein paar Wochen ist er mit Sophie in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Sophie ist schrecklich nett
und eigentlich die perfekte Lebenspartnerin. Nun hat Paul sie gründlich satt und will aus der Beziehung raus.
Aber nicht aus dem Apartment, zu dessen Einrichtung er immerhin einen Stuhl bei gesteuert hat. Das Einheitsbühnenbild
von Tom Grasshof mit gelben Wänden, großem blauem Fenster, Dreiersofa und bescheidenem Bücherregal signalisiert
ansonsten keinen besonderen Design-Ehrgeiz.
Alle Akteure sind Mittdreißiger von durchschnittlicher Intelligenz und ebensolchem Einkommen.
Leider gehört Paul zu der Männergeneration, in der sowas wie Mut gerade ausstirbt. Folglich traut er sich nicht, seiner
Freundin einfach zu sagen, dass sie ihm auf die Nerven geht. Dass Sophie ihm unwissentlich selbst den entscheidenden
Tipp gibt, gehört zu den witzigen Einfällen der Komödie Trennung für Feiglinge des französischen Autors Clément Michel.
Eine Ménage à trois kann nicht funktionieren, erklärt Sophie. Was Paul auf die Idee bringt, seinen Freund Martin zu bitten, sich eine Weile bei
dem Paar einzuquartieren. Und sich so schlecht zu benehmen, dass Sophie die Flucht ergreifen wird. Dummerweise ist Martin
die personifizierte Gutmütigkeit. Dass Paul ihm als Grund für den Umzug flugs noch den plötzlichen Unfalltod seiner Mutter andichtet, macht die Sache dramatisch.
Zumal Sophie sich als äußerst verständnisvolle Trauerbegleiterin erweist. Wie die bizarre Geschichte enden wird, ist absehbar.
Höchst vergnüglich ist jedoch der mit erwartbaren Missverständnissen, verrückten Volten und einer ordentlichen Prise schwarzen Humors gespickte Weg dahin.
Stefan Schneider hat das mit präzisem Timing, flotten Szenenwechseln und viel Situationskomik inszeniert.
Vor allem mit einem Darstellertrio, das lustvoll alle Pointen zuspitzt und für Lachsalven im Publikum sorgt.
Fabian Goedecke ist der stets leger gekleidete, egozentrische Chauvi Paul, der alle Vorurteile bestätigt,
dass Männer über Gefühle nicht reden können. Was die hübsche, charmante Sophie in die Arme dieses chaotischen Grobians getrieben hat,
mag der Himmel wissen. Tina Seydel spielt sie als liebenswürdige Gefährtin, die ahnungslos am gemütlichen gemeinsamen Nest bastelt und in skurrilen
Plüschpuschen herumläuft. Dass sie gerade ihren Job als Buchhändlerin verloren hat, ist Paul völlig egal.
Wie dieser selbstherrliche Feigling einen treuen Freund wie Martin gewann, ist eher ein Fall für versierte Psychologen.
Stefan Müller-Doriat (zum ersten Mal im Contra-Kreis zu erleben) kann jedenfalls mit einem solch treudoofen Dackelblick auf die Verhältnisse schauen, dass kein
Auge trocken bleibt. Im korrekten Anzug zieht er mit Aktentasche und Reisekoffer ein, um Paul zu helfen, seine „blöde Ziege“ loszuwerden. „Nur für eine Woche“ – Une semaine,
pas plus lautet der Originaltitel des 2011 in Paris uraufgeführten Stücks, das seitdem die Bühnen in etlichen Ländern eroberte.
Dass Sophie sein peinliches Hämorrhoiden-Leiden gleich mit der Trauer um die tragisch verblichene Mama verwechselt, ist nur der Anfang
einer Serie von Fehlschlüssen. Dass der brave Martin sofort den halben Haushalt penibel in Ordnung bringt und sehr gut kocht, passt nicht so
ganz in Pauls leicht makabre Lügenkonstruktion. Dass Martins Mutter sich natürlich bald per Telefon meldet, auch nicht. Da kann er lautstark
das Geschirr zertrümmern oder mit Büchern werfen und das Ganze dem armen Martin in die sauber geputzten Schuhe schieben – es hilft nichts mehr.
Das Dreieck hat sich gedreht. Nun traut sich Sophie nicht, ihrem Paul die Wahrheit zu sagen.
Ihr Auszug ist kein spektakulärer Emanzipations-Schritt; sie hat die dreiste Aufschneiderei dieser Machotypen einfach satt.
Das heitere Beziehungsdrama, das in dieser Inszenierung und Besetzung 2023 bereits an der Komödie Frankfurt lief, macht vor allem Spaß wegen
der schauspielerischen Glanzleistungen.
Höchst amüsierter Beifall bei der fast ausverkauften Premiere. (E.E.K.)

Mittwoch, 26. Juni 2024