kultur - Kritisches
Tell me on a Sunday von Andrew Lloyd Webber - Kleines Theater - kultur Nr. 186 - Juni 2024
Eine Frau sucht ihren Weg
Die Story ist eher unspektakulär. Emma reist aus Europa ins Land der unbegrenztenm Möglichkeiten, um dort beruflich und privat ihr Glück zu suchen.
Vier Männer kreuzen ihren Weg, der richtige ist nicht dabei.
Inhalt
Im Kleinen Theater ist Emma eine junge Fotografin aus Bad Godesberg.
Nicht aus London wie in Andrew Lloyd Webbers One Woman-Show,
die der Hausherr Frank Oppermann (Regie und Ausstattung) im Kleinen Theater selbst inszeniert hat.
Nach dem großen Erfolg des Musicals Evita 1978 in London plante der Komponist einen Liederzyklus für eine Darstellerin.
Die Texte schrieb der Brite Don Black, berühmt geworden vor allem durch seine Kino-Arbeiten, darunter die Titelsongs zu mehreren
James Bond-Filmen.
Der Einakter blieb etliche Jahre Teil des Musicals Song and Dance. Nachdem mehrere Hits die Charts gestürmt hatten,
entwickelten Webber und Black daraus ein abendfüllendes Musical, das bald eigenständig die Bühnen weltweit eroberte.
Es gibt in dem kurzen Stück keine dramatische Handlung, keine gesprochenen Dialoge oder Erzählpassagen.
Einen roten Faden bilden Emmas Briefe an ihre Mutter zu Hause. Alles, was Emma widerfährt, spiegelt sich in ihren
über zwanzig Liedern – hier in der deutschen Fassung von Michael Kunze. Einige wurden hierzulande bekannt durch Gitte Haenning,
die das Musical Anfang der 1980er Jahre unter dem Titel "Bleib noch bis zum Sonntag" erfolgreich vorstellte.
Im Kleinen Theater verkörpert nun die gebürtige Niederländerin Merel Zeeman die Emma. Die erfahrene Musicalsängerin
bringt dafür nicht nur eine große, ungemein wandlungsfähige Stimme mit, sie spielt auch perfekt die vielen kleinen
Episoden auf der emotionalen Achterbahn zwischen Bilderbuchglück und Enttäuschung.
Ein bisschen lang geraten ist zwar der Videovorspann mit dem Anflug auf die Stadt ihrer Träume. Aber dann ist Emma angekommen vor den typischen
New Yorker Backsteinmauern. Im schlichten schwarzen Overall zur dunkelblonden Kurzhaarfrisur, kein Glamourgirl. Im Gepäck eine große
rote Kiste mit ein paar Requisiten, einem Scheinwerfer für das geplante Fotostudio und einem alten Teddy für einsame Stunden. Sie wird
ihn bald brauchen, denn der mächtige Filmproduzent Sheldon, dem sie nach Hollywood folgt, lässt sie in seiner prächtigen Villa „La Bohème“
meistens allein zugunsten seiner Stars. Die große Liebe entpuppt sich als Illusion wie der Papp-Oscar in der Ecke. Ein pfiffiger Inszenierungskunstgriff:
Alle Herren sind lebensgroße Papp-Aufsteller, vom Regisseur als Bühnenassistent persönlich hereingetragen und wieder fortgeschafft.
Also geht’s von Los Angeles wieder zurück nach Manhattan. Die Romanze mit einem smarten jungen Business-Boy ist kurz, aber noch längst
nicht das Ende der Welt. Emma lernt: „Wenn Regen fällt, wird man halt nass.“
Dem verheirateten Geschäftsmann, der sich zwischen Familie und Geliebter
nicht entscheiden kann, verdankt Emma nicht nur die ersehnte Green Card, sondern die Welt auch den wunderbaren Titelsong „Sag es
mir an einem Sonntag bitte“. Emma ist selbstbewusster geworden und lässt ihren Papp-Partnern nicht mehr das letzte Wort.
„Freu dich nicht zu früh!“ heißt nun ihre trotzige Devise. Nach der Pause hat sie ihren aufblasbaren grünen Sessel gegen ein stabiles rotes Möbel eingetauscht.
Sie wird bleiben, arbeiten und weiter träumen von der echten Liebe. Schwungvoll begleitet wird sie dabei von einer auf der Bühne platzierten Live-Band
unter der Leitung von Theo Palm, der auch als Briefbote fungiert und mittelweile fast schon zur festen Crew des Hauses gehört.
Christoph Freier (Drums), Bernd Kistemann (Bass), Christoph Fischer (Trompete und Flügelhorn) und George Tjong Ayong (Saxophon) lassen die Songs ganz frisch erklingen. Aber es bleibt vor allem
der Abend der fabelhaften Sängerin und Spielerin Merel Zeeman, die als Zugabe noch zwei Lieder im englischen Original präsentiert. Das ist lakonische Poesie vom Feinsten.
Herzlicher Applaus. (E.E.K.)
Nicht aus London wie in Andrew Lloyd Webbers One Woman-Show,
die der Hausherr Frank Oppermann (Regie und Ausstattung) im Kleinen Theater selbst inszeniert hat.
Nach dem großen Erfolg des Musicals Evita 1978 in London plante der Komponist einen Liederzyklus für eine Darstellerin.
Die Texte schrieb der Brite Don Black, berühmt geworden vor allem durch seine Kino-Arbeiten, darunter die Titelsongs zu mehreren
James Bond-Filmen.
Der Einakter blieb etliche Jahre Teil des Musicals Song and Dance. Nachdem mehrere Hits die Charts gestürmt hatten,
entwickelten Webber und Black daraus ein abendfüllendes Musical, das bald eigenständig die Bühnen weltweit eroberte.
Es gibt in dem kurzen Stück keine dramatische Handlung, keine gesprochenen Dialoge oder Erzählpassagen.
Einen roten Faden bilden Emmas Briefe an ihre Mutter zu Hause. Alles, was Emma widerfährt, spiegelt sich in ihren
über zwanzig Liedern – hier in der deutschen Fassung von Michael Kunze. Einige wurden hierzulande bekannt durch Gitte Haenning,
die das Musical Anfang der 1980er Jahre unter dem Titel "Bleib noch bis zum Sonntag" erfolgreich vorstellte.
Im Kleinen Theater verkörpert nun die gebürtige Niederländerin Merel Zeeman die Emma. Die erfahrene Musicalsängerin
bringt dafür nicht nur eine große, ungemein wandlungsfähige Stimme mit, sie spielt auch perfekt die vielen kleinen
Episoden auf der emotionalen Achterbahn zwischen Bilderbuchglück und Enttäuschung.
Ein bisschen lang geraten ist zwar der Videovorspann mit dem Anflug auf die Stadt ihrer Träume. Aber dann ist Emma angekommen vor den typischen
New Yorker Backsteinmauern. Im schlichten schwarzen Overall zur dunkelblonden Kurzhaarfrisur, kein Glamourgirl. Im Gepäck eine große
rote Kiste mit ein paar Requisiten, einem Scheinwerfer für das geplante Fotostudio und einem alten Teddy für einsame Stunden. Sie wird
ihn bald brauchen, denn der mächtige Filmproduzent Sheldon, dem sie nach Hollywood folgt, lässt sie in seiner prächtigen Villa „La Bohème“
meistens allein zugunsten seiner Stars. Die große Liebe entpuppt sich als Illusion wie der Papp-Oscar in der Ecke. Ein pfiffiger Inszenierungskunstgriff:
Alle Herren sind lebensgroße Papp-Aufsteller, vom Regisseur als Bühnenassistent persönlich hereingetragen und wieder fortgeschafft.
Also geht’s von Los Angeles wieder zurück nach Manhattan. Die Romanze mit einem smarten jungen Business-Boy ist kurz, aber noch längst
nicht das Ende der Welt. Emma lernt: „Wenn Regen fällt, wird man halt nass.“
Dem verheirateten Geschäftsmann, der sich zwischen Familie und Geliebter
nicht entscheiden kann, verdankt Emma nicht nur die ersehnte Green Card, sondern die Welt auch den wunderbaren Titelsong „Sag es
mir an einem Sonntag bitte“. Emma ist selbstbewusster geworden und lässt ihren Papp-Partnern nicht mehr das letzte Wort.
„Freu dich nicht zu früh!“ heißt nun ihre trotzige Devise. Nach der Pause hat sie ihren aufblasbaren grünen Sessel gegen ein stabiles rotes Möbel eingetauscht.
Sie wird bleiben, arbeiten und weiter träumen von der echten Liebe. Schwungvoll begleitet wird sie dabei von einer auf der Bühne platzierten Live-Band
unter der Leitung von Theo Palm, der auch als Briefbote fungiert und mittelweile fast schon zur festen Crew des Hauses gehört.
Christoph Freier (Drums), Bernd Kistemann (Bass), Christoph Fischer (Trompete und Flügelhorn) und George Tjong Ayong (Saxophon) lassen die Songs ganz frisch erklingen. Aber es bleibt vor allem
der Abend der fabelhaften Sängerin und Spielerin Merel Zeeman, die als Zugabe noch zwei Lieder im englischen Original präsentiert. Das ist lakonische Poesie vom Feinsten.
Herzlicher Applaus. (E.E.K.)
Mittwoch, 26. Juni 2024