Interviews
„Ich mag jedes Theater, wenn es gut gemacht ist.” - Porträt der TG-Besuchergruppe Buchholz und ihrer Leiterin Katharina Stollenwerk - kultur Nr. 185 - April 2024
Am 13. März 2024 sprach die kulturRedaktion mit Katharina Stollenwerk, Leiterin der TG-Besuchergruppe Buchholz (Westerwald).
Inhalt
Liebe Frau Stollenwerk, seit wann gibt es die Gruppe Buchholz? Wer waren ihre Gründer/innen? Seit über 40 Jahren gibt es die Gruppe schon. Bis vor einigen Wochen hatten wir eine Dame in der Gruppe, die tatsächlich seit der Gründung dabei war. Die erste Gruppenleiterin war Frau Klör. Sie hat im Jahr 1996 die Gruppenleitung an Frau von Lovenberg übergeben. Im Jahr 2006 hat diese aus Altersgründen die Gruppenleitung abgegeben und ich bin ihre Nachfolgerin. Wann sind Sie in die Gruppe gekommen? Das war in der Spielzeit 1982/1983. Die erste Vorstellung, die ich im Rahmen des Abos gesehen habe, war das Schauspiel Faust, aufgeführt im Opernhaus Bonn. Damals war das Opernhaus noch die Hauptspielstätte auch für das Schauspiel. Die Kammerspiele in Bad Godesberg wurden für Gastspiele und Filmvorführungen genutzt. Wie setzt sich die Gruppe heute zusammen? Im Moment sind es zehn Damen und fünf Herren, die meisten im Alter zwischen 70 und 80 Jahren. Ungefähr die Hälfte der Mitglieder war schon dabei, als ich die Gruppe übernommen habe. Was ist charakteristisch für Buchholz und seine Einwohner? Buchholz ist eine Ortsgemeinde von 22 Ortsteilen auf einer Fläche von 22 km2. Buchholz nennt sich zugleich einer dieser Ortsteile; in diesem wohne auch ich. Die Gemeinde gehört zum Landkreis Neuwied und liegt ganz im Norden von RheinlandPfalz, nahe der Grenze zu NordrheinWestfalen. In den letzten Jahren ist Buchholz sehr gewachsen. Es gab viel Zuzug durch das Industriegebiet. So richtige „Einheimische“ gibt es kaum noch. Was bieten Buchholz und Umgebung an Kultur? Es gibt 25 Vereine allein im Ortsteil Buchholtz, darunter ein Männer gesangsverein, ein Blasorchester, die Theatergruppe Thalia Buchholz, ein großer Sportverein, ein Schützenverein und eine Karnevalsgesellschaft. Man bekommt immer etwas geboten. Wenn man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Theater fahren will, kommt man leichter nach Köln, z. B. in die Köln Arena, als nach Bonn: Nach Bonn muss man so oft umsteigen. Da bietet sich unser Abo mit eigenem Busservice an! Wie machen Sie auf die Theatergruppe aufmerksam? Früher habe ich Flyer im Einzelhandel ausgelegt, aber es gibt inzwischen hier kaum noch Läden, wo man auslegen kann. Ich mache Hinweise in den amtlichen Mitteilungsblättern für Asbach und Buchholz. Das ist kostenlos und es gibt darüber manchmal tatsächlich Neuzugänge für die Gruppe. MundzuMundPropaganda funktioniert aber immer noch am besten, zum Beispiel über den Gesangsverein. Ich versuche aber, es damit nicht zu übertreiben, denn die Leute sollen ja von sich aus kommen, um dabei zu bleiben und sich nicht irgendwie gedrängt fühlen. Fahren alle Ihrer Mitglieder mit dem Bus ins Theater? Derzeit ja. Im Moment fahren wir mit zwei 8erKleinbussen eines Mietwagenunternehmens. Wieviele Stationen gibt es auf Ihrer Fahrt? Von Asbach aus fährt der eine Kleinbus über Rottbitze, Stockhausen und Hammelshahn nach Bonn, der andere über Buchholz und Oberpleis. Wie erstellen Sie den Spielplan Ihrer Gruppe? Machen Sie Abstimmungen anhand von Wunschzetteln? Wir fahren immer an Samstagen ins Theater. Die Wunschzettel sind sehr beliebt. Ich werte sie aus und berücksichtige die Wünsche weitestgehend. Manchmal baue ich auch eine Überraschung ein, um „mal was anderes“ zu bieten: in diesem Jahr z. B. den Besuch des Tanzgastspiels aus Kuba, alle waren begeistert. Welches ist Ihr Lieblingstheater? Eine Lieblinsspielstätte habe ich nicht. Mir gefallen Opernoder Schauspiel inszenierungen, wenn sie gut gemacht sind. Für zu alberne Komödien bin ich nicht so zu haben. Was war Ihr schönstes und was Ihr schlimmstes Erlebnis als Gruppenleiter? Schön ist es, wenn die Mitglieder zufrieden sind und wenn ihnen die Vorstellung gefallen hat. Im Moment ist die Stimmung in der Gruppe sehr gut, in den letzten Jahren sind die ausgewählten Stücke gut angekommen. Ein ziemlich „schlimmes“ Erlebnis hatten wir vor einigen Jahren als wir die Silvestervorstellung in der Oper besucht hatten. Es sollte um Mitternacht die Möglichkeit geben, auf dem Balkon der Oper das Feuerwerk zu sehen. Für die Zwischenzeit hatte ich einen Tisch im gegenüberliegenden Restaurant bestellt und mir die Reservierung am Vortag nochmal bestätigen lassen. Aber der Tisch war trotzdem nicht für uns frei und wir konnten nach langem Warten nur eine Kleinigkeit an der Theke zu uns nehmen. Wieviel Arbeit macht die ehrenamtliche Tätigkeit als Gruppenleiterin? Ich fahre mit dem Auto die Karten aus: immer am Montag vor der jeweiligen Aufführung zwischen 16 und 18 Uhr. Fast immer sind dann alle zu Hause, man hat persönlich Kontakt und es gibt Rückmeldungen. Teilweise haben sich so auch Freundschaften ergeben. Wer zu der Zeit verhindert ist, kommt die Karten bei mir abholen. Was ist das größte Problem bei der Tätigkeit? Es ist manchmal schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen, weil viele Leute die Verpflichtung eines Abos nicht wollen. Sie wollen eher spontan Tickets buchen und mit dem Auto ins Theater fahren. Einsteiger gibt es fast immer erst ab dem Rentenalter. Ein bisschen Sorge macht mir außerdem die Frage, wer die Gruppe weiterführen könnte, wenn ich es mal nicht mehr kann. Sie sind schon viele Jahre Gruppenleiterin. Was denken Sie ? wie hat sich die Theaterwelt in Bonn und Umgebung in den letzten Jahren verändert? In der „Hauptstadtzeit“ gab es mehr Stars in der Oper zu sehen. Ich habe alle der „Drei Tenöre“ in der Bonner Oper gesehen und z. B. René Kollo und Montserrat Caballé. Bonn hat sich aber gut gehalten. Auch die Oper hat gut Anschluss gehalten, auch heute hört man hier tolle Stimmen. Welche Frage möchten Sie noch gestellt bekommen? Was ist Ihnen ein Anliegen? Ich finde den Aspekt der Geselligkeit in der Gruppe wichtig. Auch den Mitgliedern ist das ein Anliegen und ein bedeutender Teil ihres gut organisierten Abonnements. Wir gehen mindestens einmal pro Spielzeit vor oder nach der Aufführung gemeinsam essen, zuletzt im GOP. Ich hoffe, dass die Gruppe noch lange bestehen bleibt. Vielen Dank!
Montag, 24. Juni 2024