kultur - Kritisches
La Vie - Die Kunst der Straße von Knut Gminder - GOP. Varité Theater - kultur Nr. 185 - April 2024
Ein Kurztrip nach Südfrankreich In die Welt der Straßenkünstler in den Fußgängerzonen der auch für ihre Festivals bekannten Städte Avignon, Rom oder Barcelona entführt die GOP-Produktion La Vie das Publikum.
Inhalt
Nach der Uraufführung in München im Frühjahr 2020 war nach wenigen Aufführungen Lockdownbedingt vorerst Schluss.
Nach der Pandemie trat die von dem erfahrenen Bühnen- und Filmregisseur Knut Gminder inszenierte Show ihre Reise durch die GOP-Häuser an,
spielte vor kurzem auch die eigentlich geplante Vorstellungsanzahl in München und ist nun in Bonn zu Gast. Die Show mit Artisten aus Deutschland,
Italien, Spanien, Frankreich, Japan und Äthiopien bietet eine entspannende Kurzreise in den Süden. Für eine frühsommerliche Atmosphäre sorgt das Bühnenbild von Sebastian Drozdz.
Eine Kulisse in Maueroptik mit zwei Torbögen erinnert an den Durchgang zu einem Kirchhof oder Marktplatz, auf dem sich Menschen versammeln, um den Straßenkünstlern zuzuschauen.
Die wechselnden Ausblicke durch die Maueröffnungen entstehen duch liebevoll erstellte Projektionen auf eine große Hintergrundfolie. Die Motive zeigen die Innenstadt von Avignon sowie die berühmte
Brücke, aber auch Weinberge oder poetische Wolkenaufnahmen. Der lebendige Charakter entsteht dadurch, dass in einige stehende Bilder bewegliche Elemente, wie z. B. fliegende Vögel,
eingearbeitet wurden oder sich die Helligkeit verändert, sodass aus einer sonnigen Nachmittagsstimmung eine Abend atmosphäre wird. Als Moderatoren und Musiker mit selbstentwickelten Kompositionen
führen Michi Marchner und Martin Lidl durch das Programm. Sie stammen aus Bayern und lassen das Publikum an ihrer – aus Bonner Perspektive – etwas „exotischen“ Sprachkultur teilhaben.
So erläutern sie den Unterschied zwischen „Bieseln“ und „Brunzen“ anhand einer ausführlichen Story über eine Notlage auf der Autobahn. Wirklich eindrucks voll sind ihre auf die artistischen Darbietungen
abgestimmten musikalischen Arrangements, vornehmlich an unterschiedlichen Gitarren und am Keyboard, unterstützt von einer Loop-Machine. Der JoJo-Künstler Naoto zeigt sein großes Können
mit charmantem Lächeln und so entspannt als ob es tatsächlich nur ein Kinderspiel wäre. Dabei arbeitet er mit mehreren JoJos gleichzeitig, deren Bänder einander kreuzen.
Alle entstehenden Verwicklungen werden in faszinierendem Wirbel mühelos wieder gelöst. Ebenfalls Meister auf dem Gebiet der Jonglage ist Thomas Janke. Der mehrfach ausgezeichnete Ball-Artist
gehört zu den technisch besten und schnellsten Jongleuren der Welt. Die Zirkusartistin Ariadna Gilabert Corominas hebt bei ihrer eindrucksvollen Nummer mit dem Cyr-Reifen auch schwungvoll von der Bühne ab.
Atemberaubend ist ihre ungewöhnliche Darbietung am Vertikalseil, die weniger an Fliegen als an Tauchen und einen Kampf ums Überleben erinnert. Für fröhliche Clownerie sorgt die komödiantische Jongleurin
und Stepptänzerin Samaki. Sie bindet die Zuschauer:innen ins Geschehen ein und sie das frisbeeartige Werfen von Hüten probieren. Die Absolventen der Berliner Artistenschule Lukas Köster und Julia Grote
zeigen faszinierende Partnerakrobatik, treten aber auch in Solonummern auf. Grote zeigt mit enormer Biegsamkeit poetische Artistik am Luftring. Kösters Spezialgebiet ist die Bouncing Jonglage,
bei der die Jonglage einer Vielzahl von Bällen mit Auftitschen kombiniert wird. Bei der Bonn-Premiere trat die Äthiopierin Tsion noch allein als Antipoden-Artistin mit der Fußjonglage runder Spezialteppiche auf.
Ab Mitte März wird sie von ihrer Bühnenpartnerin Yordi unterstützt. Beide besuchten Zirkusschulen in Addis Abeba und verbinden die Artistik mit afrikanischen Tanzelementen.
So richtig in der sommerlichen, französischen Kulisse zu Hause zu sein scheint der Kunstrad-Artist Serge Huercio, der sein faszinierendes Können auf einem und zwei Rädern präsentiert.
Das Programm sorgt garantiert für gute Laune und ist auch für einen Familienausflug ins Theater sehr gut geeignet. (J.S.)
Nach der Pandemie trat die von dem erfahrenen Bühnen- und Filmregisseur Knut Gminder inszenierte Show ihre Reise durch die GOP-Häuser an,
spielte vor kurzem auch die eigentlich geplante Vorstellungsanzahl in München und ist nun in Bonn zu Gast. Die Show mit Artisten aus Deutschland,
Italien, Spanien, Frankreich, Japan und Äthiopien bietet eine entspannende Kurzreise in den Süden. Für eine frühsommerliche Atmosphäre sorgt das Bühnenbild von Sebastian Drozdz.
Eine Kulisse in Maueroptik mit zwei Torbögen erinnert an den Durchgang zu einem Kirchhof oder Marktplatz, auf dem sich Menschen versammeln, um den Straßenkünstlern zuzuschauen.
Die wechselnden Ausblicke durch die Maueröffnungen entstehen duch liebevoll erstellte Projektionen auf eine große Hintergrundfolie. Die Motive zeigen die Innenstadt von Avignon sowie die berühmte
Brücke, aber auch Weinberge oder poetische Wolkenaufnahmen. Der lebendige Charakter entsteht dadurch, dass in einige stehende Bilder bewegliche Elemente, wie z. B. fliegende Vögel,
eingearbeitet wurden oder sich die Helligkeit verändert, sodass aus einer sonnigen Nachmittagsstimmung eine Abend atmosphäre wird. Als Moderatoren und Musiker mit selbstentwickelten Kompositionen
führen Michi Marchner und Martin Lidl durch das Programm. Sie stammen aus Bayern und lassen das Publikum an ihrer – aus Bonner Perspektive – etwas „exotischen“ Sprachkultur teilhaben.
So erläutern sie den Unterschied zwischen „Bieseln“ und „Brunzen“ anhand einer ausführlichen Story über eine Notlage auf der Autobahn. Wirklich eindrucks voll sind ihre auf die artistischen Darbietungen
abgestimmten musikalischen Arrangements, vornehmlich an unterschiedlichen Gitarren und am Keyboard, unterstützt von einer Loop-Machine. Der JoJo-Künstler Naoto zeigt sein großes Können
mit charmantem Lächeln und so entspannt als ob es tatsächlich nur ein Kinderspiel wäre. Dabei arbeitet er mit mehreren JoJos gleichzeitig, deren Bänder einander kreuzen.
Alle entstehenden Verwicklungen werden in faszinierendem Wirbel mühelos wieder gelöst. Ebenfalls Meister auf dem Gebiet der Jonglage ist Thomas Janke. Der mehrfach ausgezeichnete Ball-Artist
gehört zu den technisch besten und schnellsten Jongleuren der Welt. Die Zirkusartistin Ariadna Gilabert Corominas hebt bei ihrer eindrucksvollen Nummer mit dem Cyr-Reifen auch schwungvoll von der Bühne ab.
Atemberaubend ist ihre ungewöhnliche Darbietung am Vertikalseil, die weniger an Fliegen als an Tauchen und einen Kampf ums Überleben erinnert. Für fröhliche Clownerie sorgt die komödiantische Jongleurin
und Stepptänzerin Samaki. Sie bindet die Zuschauer:innen ins Geschehen ein und sie das frisbeeartige Werfen von Hüten probieren. Die Absolventen der Berliner Artistenschule Lukas Köster und Julia Grote
zeigen faszinierende Partnerakrobatik, treten aber auch in Solonummern auf. Grote zeigt mit enormer Biegsamkeit poetische Artistik am Luftring. Kösters Spezialgebiet ist die Bouncing Jonglage,
bei der die Jonglage einer Vielzahl von Bällen mit Auftitschen kombiniert wird. Bei der Bonn-Premiere trat die Äthiopierin Tsion noch allein als Antipoden-Artistin mit der Fußjonglage runder Spezialteppiche auf.
Ab Mitte März wird sie von ihrer Bühnenpartnerin Yordi unterstützt. Beide besuchten Zirkusschulen in Addis Abeba und verbinden die Artistik mit afrikanischen Tanzelementen.
So richtig in der sommerlichen, französischen Kulisse zu Hause zu sein scheint der Kunstrad-Artist Serge Huercio, der sein faszinierendes Können auf einem und zwei Rädern präsentiert.
Das Programm sorgt garantiert für gute Laune und ist auch für einen Familienausflug ins Theater sehr gut geeignet. (J.S.)
Montag, 24. Juni 2024