kultur - Kritisches
Carmen darf nicht platzen von Ken Ludwig - Contra-Kreis-Theater - kultur Nr. 185 - April 2024
Wunderbarer Opern-Wahnsinn
Vor fast genau dreißig Jahren hieß es im Contra-Kreis Othello darf nicht platzen. 2016 wurde hier "Das Geheimnis der drei Tenöre" gelüftet.
Inhalt
Nun hat der amerikanische Autor Ken Ludwig sich den Sopranen gewidmet.
Schließlich ist die Theaterwelt mittlerweile weiblicher geworden. Die deutschsprachige Erstaufführung der irrwitzigen Opernkomödie
Carmen darf nicht platzen hat wieder der Hausherr Horst Johanning selbst inszeniert. Und zwar so rasant, dass das Publikum angesichts des nackten Wahnsinns aus dem Lachen
gar nicht mehr herauskommt. Lucile Wylie (als unerschütterliche Opernchefin: Barbara Köhler) ist es gelungen, den italienischen Weltstar Elena Firenzi für ein Gastspiel als Carmen
an ihrer Cleveland Grand Opera Company zu gewinnen. Alle tausend Tickets sind längst verkauft, es wird das Ereignis der Saison. Dass Elena viel zu spät ankommt und keine Lust auf Proben hat,
ist bei einer Diva ihres Formats gerade noch akzeptabel. Immerhin lässt sie sich zu einer persönlichen Meisterklasse für Wylies schüchterne Assistentin Jo herab, die sich als großartiges Nachwuchstalent entpuppt.
Elisabeth Ebner als eigenwillige Primadonna mit opernreifem Hang zur Hysterie und Elisabeth Kirch als dienstbeflissene Jo sind spielerisch und sängerisch einfach fabelhaft.
Der stürmische Zwischenapplaus für ihr virtuoses Duett ist mehr als verdient. Durchaus ernst zu nehmen ist freilich der in Operndirektionen kursierende Warnhinweis,
dass „Männer und Schnaps“ von Elena fernzuhalten sind. Wylies charmanter Sohn Jerry (als reizender Sunny-Boy: Janis Günther) schafft’s trotzdem in ihre Nähe.
Auch der ehrgeizige Tenor Leo (schön schleimig: Armin Riahi) will sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und kommt ungeniert zur Sache. Und dann ist da noch der entzückende Hotelpage (Leon Reichert),
der für die angebetete Diva alles wagen würde. Die temperamentvolle Elena lässt nichts anbrennen und genießt die Auswahl, was ihren eifersüchtigen Gatten Pasquale
zur Weißglut treibt. Marko Pustišek gibt ihn mit sarkastischer Grandezza. Es kommt wie in einer echten Oper: Explosion der Gefühle, eskalierender Ehekrach auf Italienisch,
Pasquale macht wieder mal Schluss mit seiner treulosen Angetrauten, die daraufhin mit Selbstmord droht. Leider scheint sie diesmal wirklich genügend Tabletten eingepackt zu haben.
Jo findet La Firenze reglos auf ihrem Hotelbett. Exitus! Wir brauchen ein Wunder! Eine Supermanagerin wie Lady Wylie nimmt ein unpassendes Hinscheiden jedoch nicht kampflos hin.
Elena muss singen, die Trauerfeier kann warten. Jo wird kurzerhand zur Retterin des Abends. Für sie die Chance ihres Lebens – und vielleicht wird Jerry endlich auf sie aufmerksam.
Doch was passiert, wenn Carmen plötzlich doppelt auf der Bühne erscheint? Denn die nichtsahnende Elena wacht auf, wirft sich schnell in ein Ersatzkostüm und rennt ins Theater.
Was sich dort abspielt, darf hier natürlich nicht verraten werden. Das Timing auf der Bühne (tolles Bühnenbild: Tom Grasshof) ist auf jeden Fall perfekt. Hinreißend gespielt sind die verrückten Parallelszenen und
irrwitzigen Spiegelungen. Umwerfend komisch ist auch Barbara Maria Sava als schwerreiche russische Opernliebhaberin (formidable Kostüme: Anja Saafan).
Fest versprochen: Auch wenn alles aus dem Ruder läuft – unter der musikalischen Leitung von Stefan Ohm wird Carmen nicht platzen.
Ein besonderes Vergnügen ist zudem, wie Regisseur Johanning als Zugabe die ganze durchgeknallte Geschichte noch mal im Schnelldurchlauf Revue passieren lässt.
Großer Beifall mit Bravi und Standing Ovations für die brillante Komödie und das famose Ensemble! Nicht nur für Opernfreunde ein absolutes Muss! (E.E.K.)
Schließlich ist die Theaterwelt mittlerweile weiblicher geworden. Die deutschsprachige Erstaufführung der irrwitzigen Opernkomödie
Carmen darf nicht platzen hat wieder der Hausherr Horst Johanning selbst inszeniert. Und zwar so rasant, dass das Publikum angesichts des nackten Wahnsinns aus dem Lachen
gar nicht mehr herauskommt. Lucile Wylie (als unerschütterliche Opernchefin: Barbara Köhler) ist es gelungen, den italienischen Weltstar Elena Firenzi für ein Gastspiel als Carmen
an ihrer Cleveland Grand Opera Company zu gewinnen. Alle tausend Tickets sind längst verkauft, es wird das Ereignis der Saison. Dass Elena viel zu spät ankommt und keine Lust auf Proben hat,
ist bei einer Diva ihres Formats gerade noch akzeptabel. Immerhin lässt sie sich zu einer persönlichen Meisterklasse für Wylies schüchterne Assistentin Jo herab, die sich als großartiges Nachwuchstalent entpuppt.
Elisabeth Ebner als eigenwillige Primadonna mit opernreifem Hang zur Hysterie und Elisabeth Kirch als dienstbeflissene Jo sind spielerisch und sängerisch einfach fabelhaft.
Der stürmische Zwischenapplaus für ihr virtuoses Duett ist mehr als verdient. Durchaus ernst zu nehmen ist freilich der in Operndirektionen kursierende Warnhinweis,
dass „Männer und Schnaps“ von Elena fernzuhalten sind. Wylies charmanter Sohn Jerry (als reizender Sunny-Boy: Janis Günther) schafft’s trotzdem in ihre Nähe.
Auch der ehrgeizige Tenor Leo (schön schleimig: Armin Riahi) will sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und kommt ungeniert zur Sache. Und dann ist da noch der entzückende Hotelpage (Leon Reichert),
der für die angebetete Diva alles wagen würde. Die temperamentvolle Elena lässt nichts anbrennen und genießt die Auswahl, was ihren eifersüchtigen Gatten Pasquale
zur Weißglut treibt. Marko Pustišek gibt ihn mit sarkastischer Grandezza. Es kommt wie in einer echten Oper: Explosion der Gefühle, eskalierender Ehekrach auf Italienisch,
Pasquale macht wieder mal Schluss mit seiner treulosen Angetrauten, die daraufhin mit Selbstmord droht. Leider scheint sie diesmal wirklich genügend Tabletten eingepackt zu haben.
Jo findet La Firenze reglos auf ihrem Hotelbett. Exitus! Wir brauchen ein Wunder! Eine Supermanagerin wie Lady Wylie nimmt ein unpassendes Hinscheiden jedoch nicht kampflos hin.
Elena muss singen, die Trauerfeier kann warten. Jo wird kurzerhand zur Retterin des Abends. Für sie die Chance ihres Lebens – und vielleicht wird Jerry endlich auf sie aufmerksam.
Doch was passiert, wenn Carmen plötzlich doppelt auf der Bühne erscheint? Denn die nichtsahnende Elena wacht auf, wirft sich schnell in ein Ersatzkostüm und rennt ins Theater.
Was sich dort abspielt, darf hier natürlich nicht verraten werden. Das Timing auf der Bühne (tolles Bühnenbild: Tom Grasshof) ist auf jeden Fall perfekt. Hinreißend gespielt sind die verrückten Parallelszenen und
irrwitzigen Spiegelungen. Umwerfend komisch ist auch Barbara Maria Sava als schwerreiche russische Opernliebhaberin (formidable Kostüme: Anja Saafan).
Fest versprochen: Auch wenn alles aus dem Ruder läuft – unter der musikalischen Leitung von Stefan Ohm wird Carmen nicht platzen.
Ein besonderes Vergnügen ist zudem, wie Regisseur Johanning als Zugabe die ganze durchgeknallte Geschichte noch mal im Schnelldurchlauf Revue passieren lässt.
Großer Beifall mit Bravi und Standing Ovations für die brillante Komödie und das famose Ensemble! Nicht nur für Opernfreunde ein absolutes Muss! (E.E.K.)
Montag, 24. Juni 2024