kultur - Kritisches
Die kleine Hexe von Otfried Preußler - Junges Theater - kultur Nr. 182 - Dezember 2023
Bezaubernder Hexenspaß
„Mäusespeck und Katzenbuckel, Tricks und Tracks und Zauberkugel“ – die kleine Hexe hat schon viele Zaubersprüche gelernt.
Immerhin ist sie bereits 127 Jahre alt, was im Hexenleben allerdings ziemlich wenig ist.
Die kleine Hexe
| © Junges Theater Bonn
Inhalt
Mit der Zauberei klappt es indes noch nicht so ganz,
und der Zauberstab knickt ständig ein. Freund Abraxas
kann warnen, so viel er mag. Die kleine Hexe will
trotz allem zur Walpurgisnacht auf den Blocksberg
fliegen und mit den e r w a c h s e n e n Hexen feiern.
Rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Autors hat das
Junge Theater Bonn Otfried Preußlers Kleine Hexe, die seit
1957 schon Generationen von Leserinnen und Lesern entzückte,
erfrischend neu in einer Bühnenbearbeitung des JTB-Intendanten
Moritz Seibert herausgebracht.
Der Regisseur Nick Westbrock, der am JTB bereits Die Schule der magischen
Tiere und Woodwalkers inszenierte, macht daraus ein magisches
Spektakel voller spielerischem Witz und ernsthaften Gedankenblitzen.
Denn bei allem Spaß geht es doch darum, ob eine gute Hexe wirklich Böses
tun muss. Auf der Bühne mit knochenweißen kahlen Bäumen, kunterbunter
Hexenhütte und Dorfidylle (Ausstattungsleitung: Katharina Savides) ist
ständig eine Menge los. Schön schauerlich dampft und blinkt der riesige
Hexenkessel, um den sich die großen Hexen in schillernden Kleidern auf
hohen Plateausohlen zum nächtlichen Tanz (Choreografie: Bernard
Niemeyer) versammeln. Für die flotte Musik hat der erfahrene Theaterkomponist
Michael Barfuß gesorgt, der auch die lustigen Songtexte verfasste.
Ein absolutes Highlight ist die singende und tanzende Kuh („Kühe
schönste Götterboten, Kälbchen aus Elysium“), die selbst eine Königin
der Nacht erweichen könnte. Zumal „Muhzart“ das Lied eigens für die
kleine Hexe komponiert hat.
Das langjährige Ensemblemitglied Andrea Brunetti spielt hinreißend
das quirlige, selbstbewusste Hexenmädchen, das eigenständig die Welt
erkunden will. Ihr Rabe Abraxas (wunderbar fürsorglich, wenn auch mitunter
genervt von seiner frechen Ferundin: Christian Steinborn) hat’s ja
gewusst: Der Ausflug auf den Blocksberg geht schief. Aber auch die
bittere Strafe – statt auf ihrem Besen muss sie den Heimweg zu Fuß
antreten – kann eine kleine Hexe nicht entmutigen.
Nicht zu trauen ist der bösen Rumpumpel (großartig: Jan Hermann), die
dem Nachwuchstalent auf einer lila Wolke hinterherspioniert. Die glamouröse
Windhexe (Sandra Kernenbach) hat ihren traditionellen Besen
sogar gegen einen Akkustaubsauger eingetauscht. Die Knusperhexe
(Nima Conradt) und die Sumpfhexe (Bernard Niemeyer) bleiben skeptisch.
Aber die alte Oberhexe (Axel Becker) gewährt der jungen Hexenschülerin
ein neues Lehrjahr bis zur großen Hexenprüfung.
Beim Kauf eines neuen Besens trifft diese die Geschwister Kathi (Melina
Jagodzinska) und Tom (Jonah Winkler), Kinder eines verarmten Bauern,
und möchte ihnen helfen. Schließlich hat sie ja mit Abraxas‘ Hilfe fleißig
die Hexenkunst gepaukt und beherrscht nun alle Formeln. Aber darf eine
gute Hexe wirklich Gutes tun? Plötzlich steckt die kleine Hexe in einem
Dilemma. Als gute Hexe muss sie doch böse sein. Aber das macht ihr gar keinen
Spaß: „Böse sein kann wirklich jedes dumme Huhn!“ Also macht sie einfach, was ihr
gefällt. Und liefert gleichzeitig eine solch vergnügliche Lektion zur philosophischen
Grundfrage nach Gut und Böse, dass man die ganze Hexerei fast vergisst.
Mit dem muhenden Opernstar sorgt die kleine Hexe dafür, dass die Kinder nicht mehr
hungern müssen, ein echtes Meisterstück ist auch der lebendige Schneemann, der die bösen Jungs
tapfer in die Flucht schlägt. Mit dem Frühling kommt die nächste Walpurgisnacht
und die ultimative Bewährungsprobe vor dem strengen hohen
Hexenrat. Die schwierigen Aufgaben sind für die tüchtige kleine
Hexe beinahe ein Kinderspiel. Aber sie hat noch einen Trumpf parat und
zaubert alle gemeine Hexenmacht mitsamt den alten Hexenbüchern einfach
weg. Fazit der Geschichte: „Alles geht: Hast du ‘ne Hexe zum
Freund!“ Das singen die glücklichen Kinder auf der Bühne fröhlich zusammen
mit allen jungen Zuschauerinnen und Zuschauern. Auf Besen
über Berge reiten, Drachen besiegen, Zwietracht und Kriege beenden,
zum Frühstück Erdbeereis essen, über lustige Streiche lachen, bei allen
beliebt sein – nichts ist unmöglich, wenn eine schlaue kleine Hexe ins
Theater einlädt.
Die Aufführung voller heiterer Poesie, köstlichem Sprachwitz, mitreißender
Musik und viel Bewegung macht trotz mancher Nachdenklichkeit
vor allem gute Laune. Alle Rollen sind diesmal mit Mitgliedern des professionellen
JTB-Erwachsenen-Ensembles besetzt. Die opulente Ausstattung
ist ein Ergebnis der Kooperation mit dem städtischen Theater Bonn,
das dafür seine Werkstätten zur Verfügung stellte. Künstlerisch bleibt es
eine JTB-Produktion. Fulminanter Premierenbeifall für eine rundum gelungene
Vorstellung. „Megamegamegatoll“ befand unsere schon
ziemlich theatererfahrene, achtjährige Sitznachbarin nach der ersten Besichtigung.
Diesem eindeutigen Urteil können auch Harry Potter-Fans
und deutlich ältere Menschen nur zustimmen. (E.E.K.)
und der Zauberstab knickt ständig ein. Freund Abraxas
kann warnen, so viel er mag. Die kleine Hexe will
trotz allem zur Walpurgisnacht auf den Blocksberg
fliegen und mit den e r w a c h s e n e n Hexen feiern.
Rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Autors hat das
Junge Theater Bonn Otfried Preußlers Kleine Hexe, die seit
1957 schon Generationen von Leserinnen und Lesern entzückte,
erfrischend neu in einer Bühnenbearbeitung des JTB-Intendanten
Moritz Seibert herausgebracht.
Der Regisseur Nick Westbrock, der am JTB bereits Die Schule der magischen
Tiere und Woodwalkers inszenierte, macht daraus ein magisches
Spektakel voller spielerischem Witz und ernsthaften Gedankenblitzen.
Denn bei allem Spaß geht es doch darum, ob eine gute Hexe wirklich Böses
tun muss. Auf der Bühne mit knochenweißen kahlen Bäumen, kunterbunter
Hexenhütte und Dorfidylle (Ausstattungsleitung: Katharina Savides) ist
ständig eine Menge los. Schön schauerlich dampft und blinkt der riesige
Hexenkessel, um den sich die großen Hexen in schillernden Kleidern auf
hohen Plateausohlen zum nächtlichen Tanz (Choreografie: Bernard
Niemeyer) versammeln. Für die flotte Musik hat der erfahrene Theaterkomponist
Michael Barfuß gesorgt, der auch die lustigen Songtexte verfasste.
Ein absolutes Highlight ist die singende und tanzende Kuh („Kühe
schönste Götterboten, Kälbchen aus Elysium“), die selbst eine Königin
der Nacht erweichen könnte. Zumal „Muhzart“ das Lied eigens für die
kleine Hexe komponiert hat.
Das langjährige Ensemblemitglied Andrea Brunetti spielt hinreißend
das quirlige, selbstbewusste Hexenmädchen, das eigenständig die Welt
erkunden will. Ihr Rabe Abraxas (wunderbar fürsorglich, wenn auch mitunter
genervt von seiner frechen Ferundin: Christian Steinborn) hat’s ja
gewusst: Der Ausflug auf den Blocksberg geht schief. Aber auch die
bittere Strafe – statt auf ihrem Besen muss sie den Heimweg zu Fuß
antreten – kann eine kleine Hexe nicht entmutigen.
Nicht zu trauen ist der bösen Rumpumpel (großartig: Jan Hermann), die
dem Nachwuchstalent auf einer lila Wolke hinterherspioniert. Die glamouröse
Windhexe (Sandra Kernenbach) hat ihren traditionellen Besen
sogar gegen einen Akkustaubsauger eingetauscht. Die Knusperhexe
(Nima Conradt) und die Sumpfhexe (Bernard Niemeyer) bleiben skeptisch.
Aber die alte Oberhexe (Axel Becker) gewährt der jungen Hexenschülerin
ein neues Lehrjahr bis zur großen Hexenprüfung.
Beim Kauf eines neuen Besens trifft diese die Geschwister Kathi (Melina
Jagodzinska) und Tom (Jonah Winkler), Kinder eines verarmten Bauern,
und möchte ihnen helfen. Schließlich hat sie ja mit Abraxas‘ Hilfe fleißig
die Hexenkunst gepaukt und beherrscht nun alle Formeln. Aber darf eine
gute Hexe wirklich Gutes tun? Plötzlich steckt die kleine Hexe in einem
Dilemma. Als gute Hexe muss sie doch böse sein. Aber das macht ihr gar keinen
Spaß: „Böse sein kann wirklich jedes dumme Huhn!“ Also macht sie einfach, was ihr
gefällt. Und liefert gleichzeitig eine solch vergnügliche Lektion zur philosophischen
Grundfrage nach Gut und Böse, dass man die ganze Hexerei fast vergisst.
Mit dem muhenden Opernstar sorgt die kleine Hexe dafür, dass die Kinder nicht mehr
hungern müssen, ein echtes Meisterstück ist auch der lebendige Schneemann, der die bösen Jungs
tapfer in die Flucht schlägt. Mit dem Frühling kommt die nächste Walpurgisnacht
und die ultimative Bewährungsprobe vor dem strengen hohen
Hexenrat. Die schwierigen Aufgaben sind für die tüchtige kleine
Hexe beinahe ein Kinderspiel. Aber sie hat noch einen Trumpf parat und
zaubert alle gemeine Hexenmacht mitsamt den alten Hexenbüchern einfach
weg. Fazit der Geschichte: „Alles geht: Hast du ‘ne Hexe zum
Freund!“ Das singen die glücklichen Kinder auf der Bühne fröhlich zusammen
mit allen jungen Zuschauerinnen und Zuschauern. Auf Besen
über Berge reiten, Drachen besiegen, Zwietracht und Kriege beenden,
zum Frühstück Erdbeereis essen, über lustige Streiche lachen, bei allen
beliebt sein – nichts ist unmöglich, wenn eine schlaue kleine Hexe ins
Theater einlädt.
Die Aufführung voller heiterer Poesie, köstlichem Sprachwitz, mitreißender
Musik und viel Bewegung macht trotz mancher Nachdenklichkeit
vor allem gute Laune. Alle Rollen sind diesmal mit Mitgliedern des professionellen
JTB-Erwachsenen-Ensembles besetzt. Die opulente Ausstattung
ist ein Ergebnis der Kooperation mit dem städtischen Theater Bonn,
das dafür seine Werkstätten zur Verfügung stellte. Künstlerisch bleibt es
eine JTB-Produktion. Fulminanter Premierenbeifall für eine rundum gelungene
Vorstellung. „Megamegamegatoll“ befand unsere schon
ziemlich theatererfahrene, achtjährige Sitznachbarin nach der ersten Besichtigung.
Diesem eindeutigen Urteil können auch Harry Potter-Fans
und deutlich ältere Menschen nur zustimmen. (E.E.K.)
Mittwoch, 05. Juni 2024