Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Jubiläumsgala 36 Jahre Pantheon - Comme d‘habitude | Theatergemeinde BONN | Kultur. Vielfalt. Erleben.
kultur - Kritisches

Jubiläumsgala 36 Jahre Pantheon - Comme d‘habitude

Seit 1987 gibt es auch in der einstigen römischen Kolonie Bonn ein Pantheon.
Am 3. Oktober wurde im restlos ausverkauften PantheonTheater
der 36. Geburtstag mit einer großen Jubiläumsgala gefeiert.

Inhalt Ein nationaler Feiertag
ist dieses Datum erst seit 1990. Die rheinischen Kabarett-Helden
hatten also mal wieder die Nase vorn. Und Theatergründer Rainer Pause ahnte immer
schon, dass unter der Bühne am Bundeskanzlerplatz göttlicher Beistand auf
seine Entdeckung wartete. Beim Abriss des ehemaligen Domizils erschien
endlich der Musengott Apoll, der in Form eines Abgusses seiner tatsächlich
gefundenen Statue nun in Beuel residiert. Rechtsrheinisch, da wo der Ferne
Osten schon ganz nahe rückt, was den bekennenden Linksrheinern mittlerweile
aber keine mentalen Probleme mehr bereitet.
Zum Geburtstag haben Fritz Litzmann (Rainer Pause), Hermann Schwaderlappen
(Norbert Alich) und der Vereinsfranzose Jean Faure ein Feuerwerk
aus frisch aufpolierten Klassikern ihres vielseitigen Liedrepertoires gezündet.
Immerhin haben die drei Protagonisten zusammengerechnet inzwischen
222 Lebensjahre auf dem Leib und den Stimmbändern. „Kölsch für Europa“
ist eben ein Jungbrunnen und eine Friedensbotschaft für die ganze Welt.
Pause (Lieblingslied: „What A Wonderful World”) springt stimmlich virtuos
vom tiefsten Bass in Falsetthöhen und spielt famos den leicht senilen
Ehrenpräsidenten. Der Bariton Alich schwingt sich zum Heldentenor auf,
verlegt Elvis Presleys „In the Ghetto“ nach TroisdorfSieglar
und marschiert für das Recht auf katholisches Pfuschen gegen alle Preußen: „Ich bin so froh,
dass ich nicht evangelisch bin.“
Von Adriano Celentanos unsterblichem Hit „Azzurro“ bis zu Jacques
Préverts melancholischen „Feuilles mortes“ hat der stimmlich unübertreffliche
Jean Faure im roten Hemd (übrigens der Älteste im sangesfreudigen
Trio) alles mitgebracht, was Herbstblues in Vergnügen verwandeln kann. Die
Vorgeschichte der beiden Herren im Frack muss man ihm nicht unbedingt
glauben, um bei „La neige au Kilimandjaro“ von Alain Barrière dahinzuschmelzen.
Wahr ist indes, dass dieses Bergmassiv in Tansania während der
kolonialen Besetzung als höchster Gipfel des Deutschen Reiches galt. Die
WokeWelle
ist zwar nicht das Surfgebiet der Pantheon-Herren, aber kritische Sticheleien im Garten der Stilblüten liefern Stoff zum intelligenten
Weitermachen.
Ab dem 22. November packen die Pantheon-Herren
Fritz und Hermann bei ihrem WeihnachtsSpezial wieder aus, wonach niemand gefragt hat. Beliebtes
und Böses, garniert mit schönen Liedern und geistreichen Streubomben. (E.E.K.)

Dienstag, 04. Juni 2024